Ich schreibe meine Sätze zunächst gerade in die Zeilen. Es geht um einen afghanischen Intellektuellen, eine eher trockene Vorlesung. Doch dann beginnen die Buchstaben zu tanzen. Wörter werden zu Luftschlangen und Satzzeichen üben Hockstrecksprünge. Ab der Blattmitte ist meine Mitschrift ein einziges Chaos. Schreibe ich noch oder schlafe ich schon? Es ist Tag Elf meines Experiments - und es muss Schluss sein.
Knapp zwei Wochen lang habe ich mich am sogenannten Uberman-Schlaf versucht. Das ist ein alternatives Schlafkonzept, das die eigene Leistung steigern soll - daher auch die Ableitung von Nietzsches "Übermenschen".
Der Uberman-Schlaf gehört zu den polyphasischen Schlafmustern. Die meisten Menschen schlafen monophasisch, also jede Nacht circa acht Stunden am Stück. Dem gegenüber stehen polyphasische Methoden, die den Tag in mehrere Nickerchen unterteilen. Als härteste Gangart zählt der Uberman. Hier schläft man alle vier Stunden für 20 Minuten, insgesamt also zwei Stunden am Tag. Übrig bleiben 22 Arbeitsstunden. Oder anders gerechnet: Auf einen Tag schlafen kommen zwölf Tage wach sein.
Was, wenn das tatsächlich klappt?
Das Ziel ist es, dem Körper kurze Schlafphasen anzutrainieren, um so direkt in die REM-Phase zu rutschen. Die REM-Phase ist jener Moment der Nacht, in dem der menschliche Körper am meisten entspannt und am häufigsten träumt. Der Rest davor und danach ist, wie man im Elite-Uni-Zeitalter sagen würde: ineffektiv. Wer etwas auf sich hält, trotzt dem Schlaf die Entspannungsphasen ab und lebt mit maximaler Erholung bei minimalem Zeitaufwand.
Das Uberman-Modell möchte dem Körper beibringen, auf Kommando zu schlafen, sich in nur 20 Minuten wieder aufzuladen - um danach vier Stunden lang Leistung zu bringen. Das Versprechen: mehr freie Zeit ohne Müdigkeit. Das klingt eigentlich super für alle, die nicht wissen, wie sie Hörsaal und WG-Party, Studijob und Bibliothek vereinbaren sollen. Ich frage mich also: Was, wenn das tatsächlich klappt? Kann ich mich zur Mensch-Maschine erziehen? Oder bin ich zum Schlafen verurteilt?
Ärzte sagen, dass man für die Umstellung bis zu drei Wochen braucht. Am besten solle man sich im Urlaub an die Schlafphasen gewöhnen. Ich wähle die harte Tour und gebe mir eine Woche bei laufendem Uni-Alltag. Die Phasen müssen gleichmäßig über den Tag verteilt werden und sollen strikt und regelmäßig eingehalten werden. Ich bastele mir ein Modell, das Pausen alle vier Stunden vorsieht, wobei ich einmal auf fünf und ein anderes Mal auf drei Stunden ausweichen muss. So kann ich mir die 20-Minuten-Nickerchen zwischen meine Unikurse legen. Ab sofort gibt es Nickerchen um 3, 7, 12, 16, 20 und 23 Uhr - schlafen muss ich notgedrungen auch im Seminarraum.
Wie läuft das Schlafexperiment genau ab? Was klappt, wo gibt es Probleme? Ein Selbstversuch in drei Phasen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Schlaf | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH