Schlafkonzept im Selbstversuch: Mit Power-Nickerchen zum Übermenschen

Uni? Arbeit? Freunde? Wie schön wäre es, wenn der Tag mehr Stunden hätte! Oder wenn man das Maximum aus ihm herausholen könnte - indem man nur zwei Stunden täglich schläft, verteilt auf mehrere Nickerchen. Marc Röhlig probierte das Power-Konzept aus.

Selbstversuch: Ubermanliche Kräfte durch weniger Schlaf Fotos
Marc Röhlig

Ich schreibe meine Sätze zunächst gerade in die Zeilen. Es geht um einen afghanischen Intellektuellen, eine eher trockene Vorlesung. Doch dann beginnen die Buchstaben zu tanzen. Wörter werden zu Luftschlangen und Satzzeichen üben Hockstrecksprünge. Ab der Blattmitte ist meine Mitschrift ein einziges Chaos. Schreibe ich noch oder schlafe ich schon? Es ist Tag Elf meines Experiments - und es muss Schluss sein.

Knapp zwei Wochen lang habe ich mich am sogenannten Uberman-Schlaf versucht. Das ist ein alternatives Schlafkonzept, das die eigene Leistung steigern soll - daher auch die Ableitung von Nietzsches "Übermenschen".

Der Uberman-Schlaf gehört zu den polyphasischen Schlafmustern. Die meisten Menschen schlafen monophasisch, also jede Nacht circa acht Stunden am Stück. Dem gegenüber stehen polyphasische Methoden, die den Tag in mehrere Nickerchen unterteilen. Als härteste Gangart zählt der Uberman. Hier schläft man alle vier Stunden für 20 Minuten, insgesamt also zwei Stunden am Tag. Übrig bleiben 22 Arbeitsstunden. Oder anders gerechnet: Auf einen Tag schlafen kommen zwölf Tage wach sein.

Was, wenn das tatsächlich klappt?

Das Ziel ist es, dem Körper kurze Schlafphasen anzutrainieren, um so direkt in die REM-Phase zu rutschen. Die REM-Phase ist jener Moment der Nacht, in dem der menschliche Körper am meisten entspannt und am häufigsten träumt. Der Rest davor und danach ist, wie man im Elite-Uni-Zeitalter sagen würde: ineffektiv. Wer etwas auf sich hält, trotzt dem Schlaf die Entspannungsphasen ab und lebt mit maximaler Erholung bei minimalem Zeitaufwand.

Das Uberman-Modell möchte dem Körper beibringen, auf Kommando zu schlafen, sich in nur 20 Minuten wieder aufzuladen - um danach vier Stunden lang Leistung zu bringen. Das Versprechen: mehr freie Zeit ohne Müdigkeit. Das klingt eigentlich super für alle, die nicht wissen, wie sie Hörsaal und WG-Party, Studijob und Bibliothek vereinbaren sollen. Ich frage mich also: Was, wenn das tatsächlich klappt? Kann ich mich zur Mensch-Maschine erziehen? Oder bin ich zum Schlafen verurteilt?

Ärzte sagen, dass man für die Umstellung bis zu drei Wochen braucht. Am besten solle man sich im Urlaub an die Schlafphasen gewöhnen. Ich wähle die harte Tour und gebe mir eine Woche bei laufendem Uni-Alltag. Die Phasen müssen gleichmäßig über den Tag verteilt werden und sollen strikt und regelmäßig eingehalten werden. Ich bastele mir ein Modell, das Pausen alle vier Stunden vorsieht, wobei ich einmal auf fünf und ein anderes Mal auf drei Stunden ausweichen muss. So kann ich mir die 20-Minuten-Nickerchen zwischen meine Unikurse legen. Ab sofort gibt es Nickerchen um 3, 7, 12, 16, 20 und 23 Uhr - schlafen muss ich notgedrungen auch im Seminarraum.

Wie läuft das Schlafexperiment genau ab? Was klappt, wo gibt es Probleme? Ein Selbstversuch in drei Phasen.

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Zum Autor
Marc Röhlig nähert sich gerade in Islamwissenschaften dem Master. Er studiert in Freiburg. Zuvor lernte er in Syrien Arabisch und gründete dort soukmagazine.de, das Online-Magazin über den Orient. Für das Magazin wurde Röhlig mit verschiedenen Journalistenpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem CNN Journalist Award. Während seines Selbstversuchs berichtete Marc in einem Blog auf fudder.de.

Das ist der "Uberman"
Corbis
Beim polyphasischen Schlaf wird der Schlaf in mehrere Einheiten untergliedert und auf den Tag verteilt. Das Ziel ist es, einen effektiven Ausgleich zwischen Erholung und Leistung herzustellen. Polyphasen-Modelle werden daher vor allem von Soldaten und Sportlern angewendet. Zu den einfachen Zeitabläufen gehört der biphasische Schlaf, der eine mehrstündige Nachtphase mit einem Mittagsschlaf kombiniert. Härter sind die Modelle "Uberman", benannt nach Nietzsches "Übermensch" und Dymaxion - sie erlauben maximal zwei Stunden Schlaf am Tag.
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