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Streit um Doktortitel: Schleswig-Holstein will Fachhochschulen Promotionsrecht verleihen

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Doktorand an der TU Chemnitz: Auch anwendungsorientierte Forschung ist Forschung Zur Großansicht
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Doktorand an der TU Chemnitz: Auch anwendungsorientierte Forschung ist Forschung

Sollen Akademiker künftig auch in Heide, Osterrönfeld und Pinneberg ihren Doktor machen? Schleswig-Holstein will als erstes Bundesland den Fachhochschulen das Promotionsrecht einräumen - bislang ein Privileg der Unis. Diese fürchten um ihr Alleinstellungsmerkmal.

Den Doktortitel, den höchsten akademischen Grad, den es in Deutschland zu vergeben gibt, erhält man nur an einer Universität. Das ist so, und das soll auch so bleiben - finden jedenfalls die Unis. Doch jetzt plant Schleswig-Holstein als erstes Bundesland, dieses eherne Gesetz zu Fall zu bringen.

Die dortige Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) will es den Fachhochschulen (FH) ihres Landes ermöglichen, Doktortitel zu verleihen. Das sieht ihre Vorlage für ein neues Hochschulgesetz vor. Bis Ende 2014 soll die Novellierung durch sein, dann sollen Fachhochschulabsolventen an ihrer FH promovieren dürfen.

Es gebe keine Forschung erster und zweiter Klasse, sagte Bildungsministerin Wende SPIEGEL ONLINE. Anwendungsorientierte Forschung, wie sie an der Fachhochschule betrieben werde, sei genauso wertvoll wie universitäre Forschung. "Die Fachhochschulen sind in den vergangenen 20 Jahren derart in die Forschung gegangen, darauf muss man reagieren", so Wende. "Man muss ihnen das Recht geben, selbst den Doktor zu verleihen." Sie bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Titel verleiht ausschließlich die Uni

Erwartungsgemäß sind die Universitäten nicht sonderlich begeistert von dem Vorstoß im Norden. Hochschulrektorenkonferenz und Deutscher Hochschulverband (DHV) halten nichts von den Plänen der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin. Die Promotion sei ein Alleinstellungsmerkmal der Universität und solle es auch bleiben, sagt DHV-Sprecher Matthias Jaroch. "Wenn man den Fachhochschulen die Verleihung von Doktortiteln erlaubt, dann verwässern die Profile der beiden Hochschultypen." Die Promotion passe einfach nicht in das Profil einer Fachhochschule, "sie kann sie von ihrem Auftrag her auch gar nicht leisten", so Jaroch.

Außerdem habe man die Zusammenarbeit mit den Fachhochschulen in den vergangenen Jahren verstärkt. "Jeder Fachhochschulstudent kann heute promovieren", sagt Jaroch. Das solle man weiter ausbauen.

In der Tat kann jeder FH-Absolvent sich einen Doktorvater an einer Uni suchen. Für viele FH-Absolventen ist es aber weiterhin schwierig, einen Doktorvater an einer Uni zu finden. Eine weitere Möglichkeit für Absolventen vor allem technischer Fächer sind Graduiertenkollegs, an denen Universitäten und Fachhochschulen die Doktoranden gemeinsam betreuen. Den Titel verleiht dann aber ausschließlich die Universität.

Dass immer mehr Fachhochschulstudenten promovieren wollen, zeigt eine Umfrage der Hochschulrektorenkonferenz. So haben in den Prüfungsjahren 2009 bis 2011 836 FH-Absolventen ihren Doktor gemacht, 47 Prozent mehr als im Zeitraum 2006 bis 2008.

Die Kritik von Universitätsseite sei abzusehen gewesen, sagt Ministerin Wende. "Die wollen ihr Privileg natürlich behalten." Sie selbst denke anders. Wende war vor ihrem Amtsantritt selbst Uni-Präsidentin in Flensburg und hatte sich auch dort für eine engere Kooperation mit der Fachhochschule eingesetzt.

Das geplante Gesetz solle nicht dazu führen, dass nun überall an Fachhochschulen promoviert werde, so Wende. Das Recht, einen Doktoranden zu betreuen, erhielten nur "forschungsstarke Professoren". Zudem soll die Qualität der FH-Promotionen durch ein besonderes Prüfungsverfahren gesichert werden. Drei Gutachter sollen die Doktorarbeit bewerten, zwei Universitätsprofessoren und ein Fachhochschulprofessor. Die Besonderheit: Der Hochschullehrer, der den Doktoranden betreut hat, gehört nicht zu den Prüfern. Ein solches Verfahren, das im angelsächsischen Raum üblich sei, wäre auch für die deutschen Universitäten vorbildlich, findet Wende.

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Fachhochschulen
happlebee 18.11.2013
sind keine Universitäten und betreiben in den sltensten Fällen "Forschung".
2. Hauptschulen sollen bereits den Doktortitel vergeben
DanielDüsentrieb 18.11.2013
Was soll der Geiz? Unter die Leute mit dem Titel! Warum ist der Titel so beliebt? Weil man damit angeredet wird. Vielleicht sollten wir es wie die Amis machen und einen PhD einfach anhängen und uns mit Vornamen anreden. Dann verschwinden diese Trittbrettfahrer von alleine. Alternativ sollte man sich darauf zurück besinnen, wofür ein Dotortitel gedacht war - als Auszeichnung für wissenschaftliches Arbeiten. Darunter fällt nicht das Herunterschreiben einer theoretischen Arbeit in Jura oder BWL in kürzester Zeit mit möglichst vielen Zitierfehlern. Macht es zur Pflicht, daß jeder mindestens 3 Jahre an seinem Forschungsprojekt arbeiten muß (wie in vielen naturwissenschaftlichen Fächern üblich) und die Begehrlichkeiten werden deutlich weniger. Alternativ löschen wir den Titel und geben den Ärzten die Berufsbezeichnung Doktor - dann hat die arme Seele Ruhe.
3.
gog-magog 18.11.2013
Zitat von sysopDPASollen Akademiker künftig auch in Heide, Osterrönfeld und Pinneberg ihren Doktor machen? Schleswig-Holstein will als erstes Bundesland den Fachhochschulen das Promotionsrecht einräumen - bislang ein Privileg der Unis. Diese fürchten um ihr Alleinstellungsmerkmal. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/schleswig-holstein-will-fachhochschulen-promotionsrecht-geben-a-934133.html
An Fachhochschulen gibt es keine adäquate Forschung. Es bringt nichts, dort ein Faß aufzumachen und jedem das Promotionsrecht zu verleihen. Dafür die Universitäten und deren Kooperationen mit Großforschungseinrichtungen zur Genüge vorhanden.
4. Gleichmacherei schreitet voran
bremen11 18.11.2013
Und weiter geht es mit der Gleichmacherei. Ich habe vor 20 Jahren selber Erfahrungen in Fachhochschulen und Universitäten sammeln können und denke, dass beide Einrichtungen in ihren Spezialisierungen gut waren und die meisten Studenten auch gut in ihrer jeweiligen Einrichtung aufgehoben waren. Dass nun die Universitäten in den letzten Jahren teilweise ihre Standards senken und im Umgang mit Noten lockerer werden und gleichzeitig die Fachhochschulen mit einer babylonischen Sprachverwirrung (University of applied science, Hochschule, uvm.) versuchen, Ihre Identität zu verschleiern halte ich nicht für sinnvoll. Nun sollen also Fachhochschulen, die eigentlich eine Fokussierung auf die Ausbildung und Lehre haben, plötzlich solche wissenschaftlichen Kompetenzen erwerben, dass sie auch den Dr. Titel vergeben können. Ist irgendwo eigentlich einmal diskutiert worden, ob diese Angleichung von Universität und Fachhochschule überhaupt sinnvoll ist? Ich denke, Transparenz und eine klare Fokussierung beizubehalten, wäre die bessere Lösung. Heute können nur noch Experten auf Anhieb die Master- und Bachelorabschlüsse sowie die vergebenden Hochschulen beurteilen. Eine Aufgabe, die früher jeder konnte, der einmal eine Universität oder FH besucht hat. Aber Gleichmacherei und die Abschaffung von Messbarkeit ist ja der Trend unserer Zeit im Bildungswesen. Irgendwann kommt wahrscheinlich noch der Tag, wo man bei Bewerbungen nicht mal mehr seine Noten verraten darf, damit Menschen mit schlechten Noten bei der Arbeitsplatzsuche nicht weiter diskriminiert werden.
5.
Schmidtchen Schleicher 18.11.2013
Dann sollen die FH-Professoren gefälligst auch habilitieren. Sie können kein Privileg einfordern, ohne dabei die gleichen vorraussetzungen zu erfüllen, wie die Professoren an den Universitäten. Dann würde sich auch schnell zeigen, dass die FHs überhaupt nicht in der Lage sind das Promotionsrecht auszuüben, da die Strukturen dafür nicht vorhanden sind.
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