Schwule Studenten in Harvard: Hilf uns, Lady Gaga

Von Frauke Lüpke-Narberhaus

Eigentlich besuchte Lady Gaga die Uni Harvard, um ihre neue Stiftung vorzustellen. Eine Gruppe von Studenten freute sich aber ganz besonders auf die Pop-Diva: Sie sollte ihnen helfen, sieben schwule Studenten zu rehabilitieren, die vor fast hundert Jahren von der Uni geschmissen wurden.

Popstar in Harvard: Lady Gaga wird's schon richten
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REUTERS

Vor fast hundert Jahren mussten sieben Studenten noch vor ihrem Abschluss die Uni Harvard verlassen. Jetzt sollen sie doch noch ein Zeugnis von der Elite-Uni erhalten. Dafür jedenfalls setzen sich derzeit Tausende Menschen ein. Und sie hoffen dabei auf Lady Gagas Unterstützung.

Denn Lady Gaga besuchte am Mittwoch die Uni, um vor über tausend Studenten, Jugendlichen sowie Mitarbeitern von Stiftungen und Organisationen ihre neue Stiftung "Born This Way" vorzustellen. Ein Zeichen gegen Gemeinheit und Grausamkeit, gegen Schikanen und Mobbing unter Jugendlichen. "Es ist eine Stiftung zur Stärkung von Jugendlichen", sagte sie. Dabei arbeitet sie unter anderem mit dem "Berkman Center for Internet & Society" zusammen, das an der Harvard Uni angesiedelt ist. Früher sei sie selbst gemobbt worden. Der Kampf dagegen ist ihr also ein persönliches Anliegen.

Mit den sieben vertriebenen Studenten, die damals neben dem Campus auch die ganze Stadt verlassen mussten, hatte Lady Gagas Besuch eigentlich nichts zu tun. Die Aktivisten wollten nur von ihrer Aufmerksamkeit profitieren.

Geheimes Gericht suchte geheime Schwulengruppe

Ein geheimes Gericht beschloss 1920, die Studenten rauszuschmeißen. Die Studentenzeitung "The Harvard Crimson" berichtete vor einigen Jahren erstmals darüber. Es soll so geheim gewesen sein, dass deren Beschlüsse nicht durch die üblichen Kanäle gehen, sondern direkt beim Präsidenten landen sollten, zitierte die Studentenzeitung damals aus einem 500-Seiten-starken Dokument.

Das Gericht bestand aus fünf Uni-Mitarbeitern, die nur aus einem Grund zusammengekommen waren: Sie wollten herausfinden, welche ihrer Studenten einer geheimen Gruppe Homosexueller angehörten. Zuvor hatte sich ein Student umgebracht, es ging ihm gesundheitlich nicht gut, außerdem schrieb er schlechte Noten, ihm wurde nahegelegt, die Uni zu verlassen.

Kurz vor seinem Tod hatte er seinem Bruder gesagt, dass er schwul ist, berichtet die Studentenzeitung. Seinen Bruder muss das empört haben, denn er suchte nach weiteren Informationen, nach Männern, mit denen sein Bruder Kontakt hatte und wandte sich schließlich an den Dekan seiner Fakultät, der daraufhin mit dem Präsidenten sprach.

Nur einen Tag später nahm das Gericht seine Arbeit auf. Sie verhörten Studenten, wollten mehr über Partys wissen, die auf dem Campus stattgefunden haben sollen. Nach rund zwei Wochen meinten sie, sieben Studenten als schwul identifiziert zu haben. Sie mussten gehen. Sofort. Einer nahm sich kurz danach das Leben.

Uni weigert sich posthum Diplome zu verleihen

2002, als "The Harvard Crimson" erstmals über das Gericht berichtete, entschuldigte sich die Uni. "Diese Berichte von den lange zurückliegenden Vorgängen sind extrem beunruhigend", zitiert die Studentenzeitung den damaligen Uni-Präsidenten Lawrence Summers. "Ich möchte unser tiefstes Bedauern für die Art und Weise ausdrücken, wie mit der Situation umgegangen wurde, und auch für die Qualen, die die Studenten und deren Familien vor acht Jahrzehnten durchleben mussten."

Einigen Studenten reicht die Entschuldigung heute nicht mehr aus. 2010 gründeten einige die Gruppe "Their Day in the Yard", die sich für die sieben rausgeworfenen Studenten einsetzt. Ihr Ziel: Die Uni soll das geheime Gericht offiziell abschaffen. Außerdem sollen die sieben Studenten ehrenhalber doch noch einen Abschluss erhalten. Sie setzten im Internet eine Petition auf und sammelten virtuell über 5000 Unterschriften.

Sie wollten der Uni-Präsidentin Drew Gilpin Faust an dem Tag die Unterschriften präsentieren, als auch Lady Gaga Harvard besuchte. Schließlich hat sie sich schon oft für Schwule und Lesben eingesetzt. "Wir dachten, das wäre eine gute Möglichkeit, um ihre Unterstützung zu bitten", sagte eine Aktivistin "Daily Herald" noch vor dem Besuch der Musikerin. "Wir hoffen, dass sie mit uns zusammen Harvard bitten würde, das Richtige zu tun und Gerechtigkeit für jene Studenten zu verlangen." Letztlich habe Lady Gaga sie aber gar nicht bemerkt, sagten die Aktivisten hinterher. Auch die Präsidentin der Uni hatte keine Zeit, die Unterschriften persönlich entgegenzunehmen - sie hörte Lady Gaga zu.

Die Uni zeigt sich ohnehin wenig beeindruckt: Sie habe bereits ihr tiefstes Bedauern ausgesprochen, sagte ein Sprecher, damals, als die Studentenzeitung ihren Bericht veröffentlichte. Posthum würde die Uni nur sehr selten einen Abschluss verleihen. Ausnahmen würden gemacht, wenn ein Student sein Studium schon abgeschlossen habe, aber vor der Diplom-Verleihung sterbe. Die Aktivisten sagen, wer ehrenhalber einen Uni-Abschluss erhalte, müsse nicht einmal die Uni Harvard besucht haben. Schließlich geht es um die Ehre der Studenten, die Harvard ihnen vor fast hundert Jahren genommen hat.

Die Aktivisten wollen weiterkämpfen. Die Ehren-Abschlüsse seien eine wichtige Geste für heutige lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Studenten, sagte der Student Jonas Wang, 21, der Nachrichtenagentur AP. "Man kann sagen, dass die Teilnehmer des Gerichts Opfer ihrer eigenen Kultur waren, aber wir werden damit auch heute noch konfrontiert."

Neben den einigen Dutzend Studenten, die für die sieben vertriebenen Studenten demonstrierten, warteten am Mittwoch Hunderte Fans auf Lady Gaga, hofften auf ein Autogramm oder Foto. Immerhin dürften unter den Fans einige mit den Aktivisten sympathisieren. Schließlich rühmte Elton John einst Lady Gagas Song "Born This Way" als "die neue Hymne der Schwulen und Lesben".

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champagnero 02.03.2012
von Name Dropping... Lady Gaga, mit der ich letztens erst Kaffee getrunken habe, hatte also in dieser Angelegenheit überhaupt keine Aktien, ausser, dass sie zufällig in der Nähe war, wird aber trotzdem fett in die Überschrift [...]
von Name Dropping... Lady Gaga, mit der ich letztens erst Kaffee getrunken habe, hatte also in dieser Angelegenheit überhaupt keine Aktien, ausser, dass sie zufällig in der Nähe war, wird aber trotzdem fett in die Überschrift gehievt...
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  • Freitag, 02.03.2012 – 08:50 Uhr
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