Amerikanische Unis: Zahl der Studienanfänger sinkt

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Privates Jesuitencollege Loyola: Ein Drittel weniger Einschreibungen

Gehen US-Unis die Bewerber aus? Zum ersten Mal nach über 20 Jahren sinken die Zahlen der Einschreibungen. Ein Grund: Die Wirtschaftslage entspannt sich.

Erstmals seit mehr als 20 Jahren sank die Zahl der Einschreibungen an amerikanischen Colleges. Im vergangenen Wintersemester hätten sich zwei Prozent weniger Studenten immatrikuliert, berichtet die "New York Times". Besonders alarmierend seien die Zahlen für das kommende Wintersemester 2013/14 an der privaten Loyola University in New Orleans und am St. Mary's College in Maryland, heißt es in dem Bericht. Nach dem Ende der Bewerbungsfrist am 1. Mai stellten die Hochschulen fest, dass die Zusagen der Studienanfänger um ein Drittel gesunken waren. Beide mussten mehrere Millionen Dollar ihres Budgets streichen.

An anderen traditionellen Colleges kam es zwar nicht zu solch krassen Fehlkalkulationen, doch auch hier fehlten Nachrücker, die normalerweise im Nachhinein noch von der Warteliste reinrutschen. Die Unis mussten also aktiv um Studenten werben. In Loyola riefen Professoren und Hochschulmitarbeiter, die normalerweise nicht in den Bewerbungsprozess eingebunden sind, gemeinsam mit dem Zulassungsbüro Studenten an, die zwar angenommen worden waren, sich aber für eine andere Uni entschieden hatten. Mit mäßigem Erfolg - ihre Kursteilnehmerzahl im Herbst wird bei weitem kleiner sein, als die Uni gehofft hatte.

Amerikanische Hochschulen sind seit über 20 Jahren an eine hohe Auslastung ihrer Kapazitäten gewöhnt. Besonders zwischen 1999 und 2011 stieg die Zahl der Studienanfänger rasant von 15,2 Millionen auf 20,4 Millionen, schreibt die "New York Times". Grund dafür waren verschiedene Faktoren: Die Zahl der Jugendlichen im College-Alter stieg um rund 20 Prozent, mehr High-School-Absolventen strömten aus den Schulen, und die Anzahl derjenigen, die sich für ein Studium entschieden, nahm seit den achtziger Jahren kontinuierlich zu. Zudem wollten viele ausländische Studenten in Amerika lernen, und junge Leute, die nach 2007 arbeitslos geworden waren, gingen zurück an die Uni.

Doch die Zahl der 18-Jährigen hatte ihren Höhepunkt im Jahr 2009 und wird nun bis 2016 weiter sinken. Zudem hat sich die Wirtschaftslage entspannt, deshalb bangen die Unis um ihre zukünftigen Studentenzahlen: "Es gibt viele Institutionen, die wirtschaftlich am Abgrund stehen und sich um ihre Existenz sorgen, falls sie die Einschreibungszahlen nicht vorweisen," sagt Dave Hawkins, Direktor des Nationalen Verbands für College-Zulassung, einer Beratungsstelle für Unis und angehende Studenten, der "New York Times".

Zuletzt waren die Bewerberzahlen an amerikanischen Law Schools eingebrochen. Dies wurde auf die steigenden Studiengebühren zurückgeführt.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Endlich eine gute Nachricht!
hdudeck 26.07.2013
Zitat von sysopCorbisGehen US-Unis die Bewerber aus? Zum ersten Mal nach über 20 Jahren sinken die Zahlen der Einschreibungen. Ein Grund: Die Wirtschaftslage entspannt sich. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sinkende-einschreibungen-an-amerikanischen-universitaeten-a-913274.html
Dann werden hoffentlich Columbia und NYU aufhoeren, den Wohnungsmarkt leerzukaufen und uns normal sterblichen wieder etwas Luft zum Atmen lassen.
2. Schuldenfrei dumm bleiben
leser008 27.07.2013
Es lohnt sich schlichtweg nicht mehr. In den meisten US-Studiengängen (und hier bald auch) bekommt der Student kein return on investment mehr. Dafür wird die US Volkswirtschaft in Zukunft einen hohen Preis zahlen müssen.
3. Eine gute Nachricht dir hoffentlich bald Deutschland erreicht
doytom 27.07.2013
Dank des 'irren Plans' des doppelten Jahrgangs ist der Wohnungsmarkt wie leergefegt in den deutschen Grosstädten und die Mietpreise ins astronomische getrieben. Da kann man neidisch auf die USA blicken.
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