Skandal an der EBS: "Wir haben ganz klar einen Reputationsschaden"

Es könnte knapp werden für die European Business School: Nach dem Skandal um ihren Ex-Präsidenten muss die teure Privathochschule nun belegen, dass sie Fördermittel korrekt verwendet hat. Ihr Ruf hat längst gelitten.

EBS-Campus in Oestrich-Winkel: Hochschule unter besonderer Beobachtung Zur Großansicht
Thomas Lohnes / dapd

EBS-Campus in Oestrich-Winkel: Hochschule unter besonderer Beobachtung

Diese Woche läuft die Frist ab für die European Business School (EBS): Bis Ende April muss die private Hochschule mit Standorten in Wiesbaden und Oestrich-Winkel dem hessischen Wissenschaftsministerium Verwendungsbelege über ihre aus der öffentlichen Hand erhaltenen Fördergelder vorlegen. "Ein normaler Vorgang", sagt Kanzler Georg Garlichs. Doch nach dem Skandal um ihren Ex-Präsidenten Christopher Jahns steht die EBS unter besonderer Beobachtung - insbesondere in monetären Angelegenheiten.

180.000 Euro soll Jahns von der EBS ohne Gegenleistung an seine eigenen Firmen transferiert haben. Er wurde vorübergehend festgenommen, trat als Präsident zurück und wurde endgültig von der Hochschule entlassen. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden und das hessische Landeskriminalamt ermitteln unter anderem wegen möglicher Untreue. Der 41-Jährige hat die Vorwürfe stets zurückwiesen, aber die Ermittler glauben ihm offenbar nicht mehr, dass er tatsächlich seine Tätigkeiten als Hochschulpräsident und Geschäftsmann immer sauber getrennt hat.

Befeuert durch den Skandal gewann die Debatte um öffentliche Fördergelder für private Hochschulen neuen Schwung.

24,7 Millionen Euro erhielt die EBS von 2009 bis 2012 allein vom hessischen Wissenschaftsministerium für den Aufbau einer juristischen Fakultät. 17 Millionen Euro sind nach Angaben von Ministeriumssprecher Ulrich Adolphs in den ersten beiden Jahren gezahlt worden. Deren Verwendung wird nun geprüft - das sei schon im Januar beschlossen worden.

Kritiker wenden sich gegen die Zahlungen. Sie fordern, das Geld lieber in die staatlichen Hochschulen zu investieren. EBS-Kanzler Garlichs weist die Kritik mit Verweis darauf zurück, dass es sich um eine Anschubfinanzierung handele. Zudem sei die dauerhafte Förderung geringer als bei staatlichen Hochschulen.

Laut hessischem Hochschulgesetz können Studienplätze unter bestimmten Bedingungen auch an privaten Hochschulen gefördert werden. Bei den Privaten könne dies aber maximal 20 Prozent dessen betragen, was staatliche Hochschulen für ihre Studienplätze bekommen, betont Adolphs. Die Summe belaufe sich bei der EBS auf 457.000 Euro.

Rolf Cremer wird neuer Chef der Hochschule

Die EBS hat sich stets Mühe gegeben, einen elitären Ruf zu pflegen. Doch mit dem Skandal um Jahns hat er mächtig gelitten. "Wir haben ganz klar einen Reputationsschaden", räumt Garlichs ein.

In Zahlen schlage sich das zwar noch nicht nieder, etwa über einen Rückgang der Studentenzahlen. Aber vermehrte besorgte Anfragen und Nachfragen gebe es doch. "Wir machen uns Sorgen, mit welcher Dauer unser Ruf beschädigt ist."

Deshalb hat die Hochschule reagiert. Vergangene Woche präsentierte sie einen neuen Präsidenten: Rolf Cremer, langjähriger Dekan der China Europe International Business School, soll zum 1. Juni das Ruder übernehmen. Er nennt es eine Ehre, die EBS zu führen.

Kanzler Garlichs sagt, allein mit der Personalie sei es nicht getan. Es gehe jetzt darum, die enge Verflechtung der verschiedenen Gremien der EBS aufzulösen und damit Interessenkonflikte zu vermeiden sowie interne Kontrollmechanismen zu verbessern. Mit Ergebnissen rechnet Garlichs etwas unbestimmt im Laufe des Jahres.

Auch für den Abschluss der Prüfung seitens der Landesregierung gibt es noch keinen festen Termin. Die Untersuchung durch unabhängige Wirtschaftsprüfer solle nach Abgabe der Nachweise umgehend begonnen und so schnell wie möglich abgeschlossen werden, heißt es im Ministerium. Sollte sich bei der Prüfung herausstellen, dass die Gelder nicht ordnungsgemäß verwendet worden seien, werde das Land sie zurückfordern.

Garlichs kündigt an, einen ordentlichen Nachweis zu erbringen. Der Kanzler will den Blick nach vorne richten. "Wir möchten uns auf das Tagesgeschäft konzentrieren", sagt er. Business School as usual lautet das Ziel.

Von Caroline Schulke, dapd/ otr

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insgesamt 21 Beiträge
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1.
Mr Bounz 26.04.2011
Ich frag mich wirklich welchen Ruf die EBS überhaupt verlieren kann? Eine "Hochschule" zum durchbringen von Erfolglosen Reiche-Leute Sprösslingen hat so oder so einen miesen Ruf! Wenn man dann noch an die 30 Mio. Kürzungen bei den öffentlichen Hochschulen denkt, jene 30 Mio. die direkt an die EBS gingen, dann kann einem nur schlecht werden. Jedem Hessen und Wiesbadener kann das nur Peinlich sein solch ein Institut zu fördern. Gruß aus Wi MrBounz
2. Fehlförderung
leser008 26.04.2011
Kein Wunder, dass das Geld an den staatlichen Hochschulen überall fehlt. Ausgerechnet noch eine private juristische Fakultät braucht das Land. Die staatliche Ausbildung ist so lausig, dass die meisten Jurastudenten zum privaten Repetitor gehen und dafür massig Geld bezahlen.
3. Wer soll den Quatsch denn lesen ?
albert schulz 26.04.2011
Da steht: "Bei den Privaten könne dies aber maximal 20 Prozent dessen betragen, was staatliche Hochschulen für ihre Studienplätze bekommen, betont Adolphs." Ein absoluter Schwachsinn. Egal ob Hochschulen, Schulen, Kindergärten, Altersheime oder sonstwas in freier Trägerschaft bekommen diese Einrichtungen in allen Bundesländern um die 90 Prozent der in vergleichbaren staatlichen Einrichtungen enstehenden Kosten erstattet, egal ob für Neubauten oder den laufenden Betrieb. Wieder mal so ein gnadenlos beschissener und undifferenzierter Beitrag. Wenn der Kommentator wenigstens für zwei Pfennige denken würde oder gar Kenntnisse hätte, wäre dem Leser gedient. Wer soll den Quatsch denn lesen ?
4. EBS und der Schaden
silversurf_watch 26.04.2011
Das was den Kommunen an Geldern noch bleibt, muss gerechter und sinnvoller verteilt werden. Die staatlichen Schulen verkommen und hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. 27 Millionen vom Land Hessen/Wiesbaden für eine zweifelhafte, scheinbar durch und durch korrupte Machenschaft zwischen Politik und Wirtschaft. Der Schaden für die EBS wird noch größer und wir sollten hier hart durchgreifen. Rückzahlung an die Kommunen und eine transparente Aufklärung. Laut den Wiesbadener Zeitungen, gab es ja da auch Unstimmigkeiten über Steuergelder für eine zweifelhafte Party für 1000 Gäste im Kurhaus Wiesbaden auf Bürgers Kosten. Das ist doch ein gutes Beispiel, wie wir hier unsere Gelder verschwenden. Ostern ist vorbei - Die Opferlämmer wollen nicht mehr!
5. Wenn...dann bitte grammatikalisch korrekt!!
Tina2011 26.04.2011
Zitat von Mr BounzIch frag mich wirklich welchen Ruf die EBS überhaupt verlieren kann? Eine "Hochschule" zum durchbringen von Erfolglosen Reiche-Leute Sprösslingen hat so oder so einen miesen Ruf! Wenn man dann noch an die 30 Mio. Kürzungen bei den öffentlichen Hochschulen denkt, jene 30 Mio. die direkt an die EBS gingen, dann kann einem nur schlecht werden. Jedem Hessen und Wiesbadener kann das nur Peinlich sein solch ein Institut zu fördern. Gruß aus Wi MrBounz
Tipp: Wenn man schon unangebrachte Kritik mit Halbwissen ausübt, dann bitte grammatikalisch korrekt! Es sollte heißen "zum Durchbringen". Ach ja: Gegen chronische Übelkeit gibt es Medikamente. Herzliche Grüße aus Wiesbaden zurück
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