Skandal in Göttingen: Forscher sollen Publikationen erfunden haben

Eigentlich untersuchen sie den Regenwald in Indonesien, nun stehen mehr als ein Dutzend Göttinger Forscher selbst vor einer Untersuchungskommission. Nach SPIEGEL-Informationen sollen sie beim Antrag auf Förderung geschwindelt haben - und manche Publikationen einfach erfunden.

Hamburg - 16 Wissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen müssen sich vor einer Untersuchungskommission der Hochschule wegen des Verdachts auf wissenschaftliches Fehlverhalten verantworten. Das bestätigte Uni-Präsident Kurt von Figura dem SPIEGEL. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Die Forscher sollen in einem Antrag auf Forschungsförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) falsche Angaben über Publikationen gemacht und teilweise Veröffentlichungen erfunden haben.

Lehre an der Georg-August-Universität Göttingen: "Die Reputation ist erheblich beschädigt worden."
DDP

Lehre an der Georg-August-Universität Göttingen: "Die Reputation ist erheblich beschädigt worden."

Aufgeflogen ist der Schwindel im Februar bei der Begutachtung des Antrags zur Weiterförderung des Sonderforschungsbereichs 552, der sich mit der Veränderung des Regenwalds in Indonesien befasst. Für das Projekt arbeiten die Hochschulen in Göttingen und Kassel zusammen. Im Prinzip können Sonderforschungsbereiche bis zu 12 Jahre lang von der DFG gefördert werden. Dafür müssen sie ihre Arbeit regelmäßig extern überprüfen lassen.

Die verärgerten Gutachter in Göttingen drohten, ihre Koffer sofort wieder zu packen. Um einen Eklat zu vermeiden, zog die Hochschule den Antrag auf 8,6 Millionen Euro Forschungsgelder zurück und verzichtete auch auf die sonst übliche Auslauffinanzierung.

Einen "ähnlichen Verdacht" gegen Wissenschaftler gibt es, laut Hochschulleitung, auch im Zusammenhang mit einem Graduiertenkolleg zum Thema Biodiversität.

Wegen der Vorfälle fürchtet Hochschulpräsident Figura um den Ruf der Elite-Universität: "Die Reputation ist erheblich beschädigt worden." Prüfer der DFG und der Uni gehen auch der Frage nach, ob die bisher schon bewilligten Forschungsgelder richtig eingesetzt wurden. Dem SPIEGEL vorliegende E-Mails und Sitzungsprotokolle legen den Verdacht nahe, dass mindestens 200.000 Euro für andere Aufgaben abgezweigt worden sein könnten. Figura wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die laufende Prüfung.

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