Skandalöser Fragebogen an US-Uni: "Wen würdest du gern mal vergewaltigen?"

Von Heike Sonnberger

Für brutale Riten und Trinkgelage sind US-Studentenverbindungen berühmt und berüchtigt. Jetzt sollten die Mitglieder einer rein männlichen Gruppe an der Uni Vermont in einer Umfrage angeben, wen sie gern sexuell missbrauchen würden. Nicht der erste Skandal in der Herrenrunde.

Studentenverbindungen: Berühmt berüchtigt bis zügellos Fotos
AP

"Wie zufrieden sind Sie mit unserem Service?" - "Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?" Beim Arzt oder bei der Bank sind Fragebögen eher harmlos. Doch es geht auch ganz anders: An einer amerikanischen Uni sorgt so ein Teil gerade für Ärger. Mitglieder der Studentenverbindung Sigma Phi Epsilon sollten auf die Frage antworten: "Wen würdest du gern mal vergewaltigen?"

Die Umfrage hatten Mitglieder der Verbindungsgruppe an der University of Vermont in Burlington offenbar entworfen, um mehr über ihre Verbindungsbrüder zu erfahren. Ein Student hatte die Hochschule im Nordosten der USA am Wochenende darauf aufmerksam gemacht. Danach berichteten Studentenblogs, die Frauenrechtsorganisation FedUp Vermont und die lokale Presse über den Fall.

Bisher ist noch unklar, wozu der Fragebogen gedient und wer darauf geantwortet hat oder antworten sollte. Sicher ist hingegen: Er sei "unglaublich beleidigend und inhaltlich unangemessen", so Annie Stevens, Mitglied der Hochschulleitung und zuständig für den Bereich Student and Campus Life, der Lokalzeitung "Burlington Free Press".

Die Hochschule beauftragte die Campuspolizei damit, in dem Fall zu ermitteln. Den rund 45 Mitgliedern von Sigma Phi Epsilon sei es vorübergehend verboten, sich zu treffen oder Veranstaltungen abzuhalten, sagte Stevens.

Sigma Phi Epsilon in Vermont hatte schon mehrfach Ärger

Sigma Phi Epsilon, kurz SigEp, ist nach eigenen Angaben eine der größten Studentenverbindungen in den USA mit insgesamt mehr als 15.000 ausschließlich männlichen Mitgliedern in rund 240 lokalen Hochschulgruppen. Der nationale Dachverband distanzierte sich auf seiner Homepage von dem Fragebogen. "Jegliches Verhalten, das Frauen erniedrige, wird von der Verbindung nicht toleriert", heißt es dort. Die Uni-Gruppe in Vermont sei angewiesen worden, alle Aktivitäten einzustellen.

Außerdem zog der Dachverband kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Kommunikation ganz an sich. Mitgliedern in Vermont sei es verboten, mit der Presse zu reden, sagte Tyler Boggess, am Hauptsitz zuständig für die Mitgliedsverbindungen im Osten der USA. "Wir wollen, dass die Botschaft einheitlich ist", zitiert ihn die "Burlington Free Press".

Brian Warren, Leiter der Zentrale von SigEp, sagte der Zeitung, er sei "schockiert und betete, dass die Vorwürfe nicht wahr sind". Solch ein Verhalten sei untypisch für Mitglieder der Verbindung. Frauenrechtler, darunter auch FedUp, fordern von der Uni-Leitung, die lokale SigEp-Gruppe an der Uni von Vermont aufzulösen.

SigEp wirbt damit, "anders" zu sein als andere "fraternities". Es gehe darum, die traditionell männlichen Mitglieder gemäß den Idealen der griechischen Antike zu ausgeglichenen, führungsstarken Persönlichkeiten zu formen. Die Verbindung strebe nach drei Idealen: Tugend, Fleiß und Bruderliebe. Übermäßigen Alkoholkonsum lehne sie ebenso ab wie erniedrigende Aufnahmerituale, genannt "hazing". Ein Video auf der Seite zeigt junge Männer in der Tanzstunde, beim Sport, im Museum, im Restaurant - stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

Rassistische Witze als Aufnahmeritual

Der offenbar sexistische Fragebogen ist jedoch nicht der erste Knacks im Image der kultivierten Männerrunde, das SigEp gern von sich zeichnet. Und auf dem Campus in Vermont klaffen Außendarstellung und Innenleben besonders weit auseinander: Im Oktober sollen Mitglieder der Verbindung ein Trinkgelage im dortigen Vereinshaus veranstaltet haben, bei dem auch Minderjährige dabei waren, berichtet die "Burlington Free Press". Mindestens fünf SigEp-Studenten seien daraufhin von der Hochschule zum Sozialdienst verdonnert worden.

Ein Skandal in den Neunzigern war noch drastischer: Im Jahr 1993 machte die nationale Leitung von SigEp ihre Unterabteilung in Vermont für vier Jahre dicht. Hazing und andere fragwürdige Aktionen hätten den Ruf der ganzen Vereinigung bedroht, hieß es damals. Neulinge, die in die Verbindung aufgenommen werden wollten, mussten offenbar auch sexuell anrüchige Verhöre durchstehen - unter anderem mit Fragen danach, was sie mit einer Stripperin anstellen würden. Außerdem sollten sie einen rassistischen Witz erzählen.

Auch andere Studentenverbindungen und Burschenschaften landen immer wieder in den Schlagzeilen wegen Alkoholmissbrauchs und demütigender Rituale. Betroffene müssen zum Beispiel Schläge einstecken, sich ausziehen, entwürdigende Kostüme tragen oder abstoßende Dinge essen.

Die Leitung von SigEp will nun alles tun, um den neusten Vorfall in Vermont aufzuklären. Ein Vertreter des Dachverbands in Virginia reiste an die Uni, um die Mitglieder dort einzeln zu befragen. "Es sieht aus nach einer Einzelperson, die aus eigenem Antrieb gehandelt hat", sagte Tyler Boggess dem Fernsehsender "WPTZ". Den oder die Verantwortlichen der Untergruppe werde man möglicherweise aus der Vereinigung ausschließen.

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1. Umfrage
iltoscano 15.12.2011
Zitat von sysopFür brutale Riten und Trinkgelage sind*US-Studentenverbindungen berühmt*und berüchtigt. Jetzt sollten die*Mitglieder einer*rein männlichen Gruppe*an der Uni Vermont in einer Umfrage*angeben, wen sie gern sexuell missbrauchen würden. Nicht der erste Skandal in der Herrenrunde. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,802315,00.html
Bei den Amerikanern wundert mich das nicht:Beim Ausfüllen der Greencard wird man unter anderem gefragt:Haben sie vor,in den USA eine Straftat zu begehen?Man wird aufgefordert "JA" oder "NEIN" anzukreuzen!!!!! Una strana domanda!
2. Ein US-amerikanisches Gesellschaftsspiel
WolfHai 15.12.2011
Zitat von sysopFür brutale Riten und Trinkgelage sind*US-Studentenverbindungen berühmt*und berüchtigt. Jetzt sollten die*Mitglieder einer*rein männlichen Gruppe*an der Uni Vermont in einer Umfrage*angeben, wen sie gern sexuell missbrauchen würden. Nicht der erste Skandal in der Herrenrunde. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,802315,00.html
Dies ist eine (weitere) Episode eines Gesellschaftsspiels, mit dem die US-amerikanische Gesellschaft sich schon seit geraumer Zeit die Zeit vertreibt: Die einen stellen Regeln der Höflichkeit und der politischen Korrektheit auf und etablieren Tabus, die immer und immer enger werden. Und die anderen brechen diese Tabus, weil (a) die Regeln unerträglich sind, und (b) sie ihre Unabhängigkeit beweisen wollen. Da an Universitäten die politische Korrektheit besonders schlimm ist und sich vornehmlich gegen "privilegierte weiße Männer" richtet, braucht man sich nicht zu wundern, wenn diese "Männer" (in Wirklichkeit spätpubertierende Jungs zwischen 17 und 21) sich besonders auflehnen. Wenn es dann zum Skandal kommt, was regelmäßig passiert, gibt es ein Ritual von Empörungen, Bestrafungen, Reuebekundungen, Vergebungen und Nicht-Vergebungen, Bewährungsauflagen usw. Politiker können sich profilieren, Bücher können geschrieben und verkauft werden. Es werden neue Regeln gefunden, um die offenbarten bösen Impulse durch noch mehr Regeln zu kontrollieren. Dann kommt der unvermeidliche Akt gegen auch diese neuen Regeln, und die Sache geht wieder von vorne los. Der hier beschriebene "Skandal" ist also nicht wirklich einer; er ist eine Episode in einem immerwährenden Skandalstück. Ich schreibe dies hier so locker, aber um Missverständnissen vorzubeugen: für jemanden, der hier beteiligt ist, ist das ernst; man kann da leicht zerrieben werden. Und auch wenn dies in dieser Form wohl US-spezifisch ist, gibt es vergleichbare Rituale sicher auch in Deutschland; aber in der eigenen Kultur bemerkt man sie kaum, weil sie so "natürlich" sind. Und schließlich möchte ich klarstellen, dass Vergewaltigung ein Verbrechen, und kein Kavaliersdelikt ist.
3.
texas_star 15.12.2011
Zitat von sysopFür brutale Riten und Trinkgelage sind*US-Studentenverbindungen berühmt*und berüchtigt. Jetzt sollten die*Mitglieder einer*rein männlichen Gruppe*an der Uni Vermont in einer Umfrage*angeben, wen sie gern sexuell missbrauchen würden. Nicht der erste Skandal in der Herrenrunde. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,802315,00.html
es muesste korrekt heissen: "skandaloeser fragebogen in amerikanischer burschenschaft/verbindung". mit der uni hat der fragebogen NICHTS zu tun. wenn eine deutsche burschenschaft keine auslaender aufnehmen will, nur weil die nicht "deutsch" genug sind, dann heisst es ja auch nicht "rassistische diskriminierung an der universitaet heidelberg". wie gesagt - uni und "fraternity" sind zwei versch. dinge. ich stehe wie gesagt den fraternities eher kritisch gegenueber (weil eben der hauptsinn doch eben oft nur gesaufe und kumpeleien sind) ... allerdings wird hier aus einer "muecke" einen elefanten gemacht. der fragebogen war daneben - keine frage, aber mal ehrlich... es war eine fraternity an einer kleinen uni in den usa. mir raetselhaft weshalb das dem deutschen spiegel einen ganzen artikel wert ist. IMHO sind deutsche burschenschaften auch nicht viel besser: gesoffen wird dort auch ohne ende, fragwuerdige rituale (fechten teilweise ohne gesichtsschutz... in "schlagenden verbindungen") und ein unterschwelliger "nationalstolz" und rassismus (keine akzeptierung von nicht "deutschen teilnehmern")
4. Es ist aber immer leichter
nasowas21 15.12.2011
Zitat von texas_stares muesste korrekt heissen: "skandaloeser fragebogen in amerikanischer burschenschaft/verbindung". mit der uni hat der fragebogen NICHTS zu tun. wenn eine deutsche burschenschaft keine auslaender aufnehmen will, nur weil die nicht "deutsch" genug sind, dann heisst es ja auch nicht "rassistische diskriminierung an der universitaet heidelberg". wie gesagt - uni und "fraternity" sind zwei versch. dinge. ich stehe wie gesagt den fraternities eher kritisch gegenueber (weil eben der hauptsinn doch eben oft nur gesaufe und kumpeleien sind) ... allerdings wird hier aus einer "muecke" einen elefanten gemacht. der fragebogen war daneben - keine frage, aber mal ehrlich... es war eine fraternity an einer kleinen uni in den usa. mir raetselhaft weshalb das dem deutschen spiegel einen ganzen artikel wert ist. IMHO sind deutsche burschenschaften auch nicht viel besser: gesoffen wird dort auch ohne ende, fragwuerdige rituale (fechten teilweise ohne gesichtsschutz... in "schlagenden verbindungen") und ein unterschwelliger "nationalstolz" und rassismus (keine akzeptierung von nicht "deutschen teilnehmern")
. . den "Dreck" vor den Haustüren anderer zu bemerken/beklagen, als sich um das Wegräumen des eigenen zu bemühen. (Dies, allerdings, geht nicht nur Deutschen so.)
5. eine greencard ausfuellen?
texas_star 15.12.2011
Zitat von iltoscanoBei den Amerikanern wundert mich das nicht:Beim Ausfüllen der Greencard wird man unter anderem gefragt:Haben sie vor,in den USA eine Straftat zu begehen?Man wird aufgefordert "JA" oder "NEIN" anzukreuzen!!!!! Una strana domanda!
eine "greencard" fuellen sie bei der einreise im flugzeug sicher nicht aus... das was sie ausfuellen ist der einreise fragebogen oder mittlerweile auch im rahmen von esta geregelt. und ja, die fragen sind daemlich - haben allerdings nichts mit dem wohl satirisch (schlechter humor) gemeinten fragebogen der fraternity gemeinsam.
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