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Campus-Studie: Tiermediziner büffeln am meisten, Soziologen am wenigsten

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Studentin in der Bibliothek: In welchen Fächern wird wie viel gearbeitet und gelernt?

Wie viel Zeit kostet mich mein Studium? Der aktuelle Studentensurvey zeigt, wie viele Stunden angehende Zahnmediziner, Soziologen, Elektrotechniker wöchentlich arbeiten. Und was sie sich für ihre Zukunft wünschen.

Wer Elektrotechnik studieren will, sollte sich gut überlegen, an welcher Hochschule er sich einschreibt. Erst recht, wenn er noch Zeit fürs Studentenleben oder einen Nebenjob haben will: Angehende E-Techniker müssen nämlich für ihre Ausbildung an Unis und Fachhochschulen ganz unterschiedlich viel Zeit aufbringen. Während die Uni-Studenten mit durchschnittlich 32,5 Stunden pro Woche ausgelastet sind, lernen angehende Elektrotechniker an Fachhochschulen mit 41,2 Stunden pro Woche deutlich mehr.

Das haben Forscher der Uni Konstanz ermittelt, Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat den zwölften Studierendensurvey am Dienstag in Berlin vorgestellt. 5000 Studenten waren für die Studie befragt worden.

Dass FH-Studenten fast ein Drittel mehr arbeiten müssen als der akademische Nachwuchs an Unis, ist allerdings eher die Ausnahme. Im Durchschnitt beschäftigen sich die Fachhochschüler jede Semesterwoche 31,6 Stunden mit ihrem Fach, bei den Uni-Studenten ist der Aufwand mit 30,6 Stunden nur unwesentlich niedriger. An beiden Hochschultypen ist die Arbeitsbelastung damit seit 2007 um jeweils knapp zweieinhalb Stunden pro Woche zurückgegangen.

Soziologen investieren am wenigsten Zeit

Erhebliche Unterschiede gibt es allerdings zwischen den einzelnen Fächern. Mit 22,6 Wochenstunden geben Soziologiestudenten an Unis ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit an; angehende Veterinärmediziner arbeiten dagegen mit 44,6 Stunden fast doppelt so viel. Sehr arbeitsintensiv sind außerdem Zahnmedizin (42,5 Stunden) und Pharmazie (39,5 Stunden). "In diesen zeitlich hochbelasteten Fächern ist es schwierig, sich darüber hinaus Zusatzqualifikationen anzueignen", schreiben die Forscher.

Hinweis: Der Studieraufwand setzt sich zusammen aus Lehrveranstaltungen, Selbststudium und Arbeitsgruppen.
Quelle: Studierendensurvey 1983 - 2013, AG Hochschulforschung, Universität Konstanz

Für die Studie befragt die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz alle zwei bis drei Jahre Studenten in ganz Deutschland. Die erste Untersuchung hatte es 1982 gegeben, Auftraggeber ist das Bundesbildungsministerium.

Hinweis: Der Studieraufwand setzt sich zusammen aus Lehrveranstaltungen, Selbststudium und Arbeitsgruppen.
Quelle: Studierendensurvey 1983 - 2013, AG Hochschulforschung, Universität Konstanz

Gefragt haben die Studienmacher nach persönlicher Motivation und Studienerfolg, genauso wie nach Schwierigkeiten, der Qualität der Hochschulausbildung und den Berufsaussichten - immer aus der Perspektive der Studenten. Die aktuelle Befragung wurde im Wintersemester vor einem Jahr durchgeführt, teilgenommen hatten knapp 5000 Studenten. Das sei "nicht befriedigend", schreiben die Forscher, die insgesamt mehr als 27.000 Fragebögen verschickt hatten. Dennoch könnten anhand der Ergebnisse "weitgehend repräsentative Aussagen" getroffen werden.

Die Resultate bestätigen zum Teil langfristige Entwicklungen, die sich auch bei anderen Untersuchungen abgezeichnet hatten:

  • Studenten sind immer seltener politisch interessiert. Die Konstanzer Forscher sprechen von einem "Tiefstand in der Wichtigkeit des Politischen für die Studierenden: Nur 24 Prozent halten Politik und öffentliches Leben für sehr wichtig." Erstmals halten damit mehr Studenten Politik für "unwichtig" (29 Prozent) als für "sehr wichtig". Dies entspricht den Ergebnissen einer anderen, bisher unveröffentlichten Studie der Bundesregierung, nach der deutsche Studenten eine konservative Gruppe sind, der finanzielle Sicherheit wichtiger ist als politisches Engagement.
  • Für die meisten Bachelorstudenten an Unis ist klar, dass sie nach dem Abschluss noch einen Masterstudiengang dranhängen. Die Zahl derjenigen, die sich nicht mit dem Bachelor als berufsqualifizierendem Abschluss begnügen wollen, liegt zwischen 75 Prozent (Kultur- und Sozialwissenschaften) und 91 Prozent (Ingenieurwissenschaften). Sie ist damit deutlich höher, als es von Bildungspolitikern bisher erwartet und vor allem auch finanziell kalkuliert worden ist. Fachhochschüler dagegen tendieren deutlich seltener zum Masterstudium: Im Bereich Sozialwissenschaften planen 38 Prozent ein weiteres Studium, bei FH-Ingenieurwissenschaftlern sind es 57 Prozent.
  • Studienanfänger neigen zu konventionellen Berufswahlentscheidungen. "Junge Frauen und Männer folgen in ihrer Fachwahl häufig traditionellen Mustern", schreiben die Forscher. Konkret heißt das: Der Männeranteil beträgt etwa in der Elektrotechnik an Unis 88 Prozent, an Fachhochschulen sogar 91 Prozent. Umgekehrt ist das Geschlechterverhältnis in der Zahnmedizin (Frauenanteil: 91 Prozent), Anglistik (88 Prozent) und Tiermedizin (87 Prozent).

Aufschlussreich ist auch das Kapitel der Untersuchung, das sich mit den Wünschen und Forderungen der Studenten beschäftigt. Uni-Studenten wünschen sich demnach am häufigsten einen stärkeren Praxisbezug des Studiengangs (41 Prozent) und mehr Lehrveranstaltungen im kleinen Kreis (29 Prozent). Bei den Fachhochschülern dominieren die Wünsche nach Angeboten zur Studienfinanzierung (25 Prozent) und nach einer Verbesserung der Jobchancen (24 Prozent).

Ein gutes Fünftel der Uni-Studenten und knapp ein Viertel der FH-Studenten plädieren außerdem für eine Reform des Bologna-Prozesses: Sie wünschen sich eine Erweiterung des Bachelorstudiums auf vier Jahre - mit deutlich mehr Zeit zum Lernen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 145 Beiträge
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1. Da fehlt mir jetzt noch eine Grafik...
wie_weiter_? 28.10.2014
...aber die kann man sich auch so denken. Es fehlt die Grafik wieviele Studenten es denn in jedem der Fächer gibt. Diese Grafik ist vermutlich umgekehrt proportional zum zeitlichen Aufwand.
2. Irgendwie entspricht das auch der späteren Leistung
mischpot 28.10.2014
im Beruf. Das am wenigsten Fachwissen und Kompetenz bei Politikern und Psychologen vorliegt verwundert daher nicht.
3. !
roxxor 28.10.2014
weil Soziologen in den Foren dieser Welt gegen den (pösen) Kapitalismus wettern müssen! *high five*
4. Schade...
edizone 28.10.2014
... dass soviel "gebüffelt" wird, aber so wenig für die Tiere dann getan wird.
5. Das bestätigt den alten Witz...
spiegelcharly 28.10.2014
Sagt ein Universitätsprofessor zu einer Gruppe von Studenten: "Bitte lernen Sie das Telefonbuch von Berlin auswendig!" Fragt ein Soziologie-Student zurück: "Warum?" Fragt danach der Medizin-Student: "Bis wann?"
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