Software spürt Plagiate auf: Jetzt wird zurückgegoogelt

Dreiste Abschreiber sind auch an den Hochschulen auf dem Vormarsch: Immer häufiger geben Studenten Seminararbeiten ab, die sie aus dem Internet kopiert haben. Ein neues Computerprogramm soll ihnen das Leben schwer machen - es liefert dem Prof die Beweise.

Immer häufiger geben Studenten Arbeiten ab, die sie nicht selbst geschrieben haben. Auch Martin Gutbrod stolperte an der Technischen Universität (TU) Braunschweig bei der Korrektur von Hausarbeiten über Textstellen, die offensichtlich aus dem Internet kopiert worden waren.

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Das brachte ihn auf die Idee, die Suche nach den entsprechenden Textpassagen im Netz von einer Software erledigen zu lassen. Nach gut zwei Jahren Entwicklungsarbeit ist das Programm "Docoloc" inzwischen einsatzreif.

Zaubern kann auch Docoloc nicht, dämpft Martin Gutbrod übertriebene Hoffnungen. Er hat die Software entwickelt. Sie macht es den Lehrenden künftig etwas einfacher, denjenigen Studierenden auf die Schliche zu kommen, die in ihren Seminararbeiten fremde Texte aus dem Internet ohne Quellenangabe zusammenkopiert haben. Denn im Gegensatz zu anderen Plagiat-Suchprogrammen muss Docoloc nicht auf dem Rechner installiert werden.

"Das Besondere an Docoloc ist, dass es über das Internet nutzbar ist, eine ganz einfache Web-Schnittstelle besitzt", erläutert Gutbrod. "Und es ist von der Bedienung her sehr, sehr einfach im Vergleich zu anderen Werkzeugen. Wir haben so gut wie keine Anfragen über die Bedienung, wie es funktioniert. Es ist einfach sehr selbsterklärend."

Wenn Lehrende also künftig wissen wollen, ob sich in einem eingereichten Referat Textstellen befinden, die aus dem Internet kopiert sein könnten, dann müssen sie sich nur an den PC setzen, und die entsprechende Datei mit Docoloc prüfen lassen. Umsonst ist das natürlich nicht, eine Lizenz für fünf Benutzer kostet 17 Euro im Monat.

Über das Ergebnis kommt ein Protokoll per E-Mail. "Die Stellen, die vermeintlich abgeschrieben sind, sind wie mit einem Leuchtstift gelb markiert", erklärt Gutbrod. "Man kann mit der Maus draufklicken und bekommt die vermeintlichen Internetadressen, von denen abgeschrieben wurde."

Um sicher zu gehen, dass das geprüfte Referat zu großen Teilen tatsächlich abgeschrieben ist, müssen die Lehrenden aber immer noch die Internetseiten aus dem Protokoll mit dem Referat abgleichen. Denn das kann ihnen bis jetzt noch keine Software abnehmen.

Maria Rhode ist Historikerin und Mitglied der Studienkommission der Philosophischen Fakultät an der Uni Göttingen. Sie kennt Docoloc bisher nur vom Hörensagen und will sich die Software nun näher anschauen. Wenn das Programm wirklich zuverlässig die Stellen erkennt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit aus fremden Texten zusammengeklaut wurden, dann wäre das schon eine große Erleichterung, sagt sie: "Das wäre nicht die letzte Instanz, aber es wäre auf jeden Fall ein Hilfsmittel, mit dem man den Eindruck, den man hat beim Lesen der Arbeit, objektivieren könnte."

Auch an der Fakultät von Maria Rhode haben die Lehrenden festgestellt, dass Studenten zunehmend Seminararbeiten abliefern, bei denen es sich zu großen Teilen um Plagiate handelt. In der Studienkommission wurde deshalb geprüft, was rechtlich überhaupt möglich ist, um diesem Problem zu begegnen. "Das Ergebnis war, dass wir nach dem momentanen Stand gar keine rechtliche Handhabe haben", so Rhode. "Selbst wenn wir feststellen, dass jemand zu 90 Prozent aus den üblichen Quellen Google, Wikipedia oder was auch immer wirklich wortwörtlich abgeschrieben hat."

Die Berliner Kulturwissenschaftlerin Deborah Weber-Wulff hat sich in Deutschland bereits einen Namen als Plagiatsjägerin gemacht. Da nach der Föderalismusreform eine bundesweit einheitlich geltende Regelung in weite Ferne gerückt ist, fordert Weber-Wulff, dass die Hochschulen ihre Studien- und Prüfungsordnungen ändern sollen.

Darauf sind die Göttinger Historiker auch schon gekommen, berichtet Maria Rhode. Wer dort eine Examensarbeit abgibt, muss schriftlich erklären, die Arbeit selbstständig geschrieben und alle Quellen benannt zu haben. "Das hatten wir bisher in den Seminararbeiten nicht, sind auf der Ebene des Seminars dazu übergegangen, genau diese Erklärung auch von den Studierenden in den Hausarbeiten zu verlangen."

Und was halten Göttinger Studenten davon, dass ihre Professoren mit der neuen Software Plagiate künftig besser als bisher aufspüren können? "Ich denke, dass es auf jeden Fall abschreckend wirkt", sagt ein Student. Ein anderer: "Mich würde es, glaube ich, nicht davon abhalten, ich würde höchstens noch vorsichtiger sein."

Von Ulrich Kurzer, Campus & Karriere, Deutschlandfunk

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