Sozialerhebung: Einwandererkinder sind an Hochschulen rar

Deutschlands Hochschulen bleiben für Kinder aus Einwandererfamilien schwer zugängliches Terrain. Nur elf Prozent haben ausländische Wurzeln, selten kommen sie aus wohlhabenden Familien - bis ins Studium schafft es vor allem der Typ ehrzeiziger Aufsteiger.

Selektives System: Nur etwa jeder zehnte Student hat ausländische Eltern Zur Großansicht
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Selektives System: Nur etwa jeder zehnte Student hat ausländische Eltern

Hochschulen sind ein besonderes Soziotop, Deutschlands Studenten ein bunter Haufen: arm oder reich, frisch volljährig oder schon in den Dreißigern, mit jeder erdenklichen religiösen oder ethnischen Herkunft. Aber einen repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft zeigen die Universitäten und Fachhochschulen noch lange nicht.

So hat lediglich gut jeder zehnte Student in Deutschland ausländische Wurzeln. Ihr Anteil liegt bei elf Prozent, ergab eine Auswertung der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW). "Es ist noch viel zu tun, damit an den Hochschulen Menschen mit Migrationshintergrund künftig so stark vertreten sind, wie es ihrem Anteil von fast einem Fünftel an der Gesamtbevölkerung entspricht", erklärte DSW-Präsident Rolf Dobischat am Mittwoch in Berlin.

Die absolute Zahl der Studenten mit Migrationshintergrund liegt bei 174.000 - von insgesamt 1,89 Millionen "Deutschen und Bildungsinländern", wie es die Sozialerhebung definiert. Insgesamt studieren in Deutschland rund 2,1 Millionen junger Erwachsener, doch in der Sozialerhebung tauchen Ausländer nicht auf, ebensowenig wie Studenten konfessioneller oder privater Hochschulen und der Bundeswehr-Universitäten.

"Wer es an die Hochschule schafft, ist besonders ehrgeizig"

Der Studie zufolge können die Studenten aus Einwandererfamilien in vier Gruppen eingeteilt werden: Vier Prozent der in der Sozialerhebung erfassten Studenten sind Eingebürgerte vor allem aus Russland, Polen, der Türkei und Kasachstan. Drei Prozent haben einen ausländischen Elternteil, ein Prozent besitzt eine doppelte Staatsangehörigkeit. Weitere drei Prozent sind sogenannte Bildungsinländer - also Studenten, die zwar keinen deutschen Pass, wohl aber ein deutsches Abitur oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung haben. Sie haben vor allem die türkische, russische, italienische oder kroatische Staatsangehörigkeit. Dagegen sind die über 200.000 ausländischen Studenten in Deutschland in der Sozialerhebung nicht enthalten.

Die Studenten mit Migrationshintergrund studieren zu 94 Prozent in den alten Bundesländern, ihre beliebteste Fächergruppen sind die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Im besonders selektiven deutschen Schulsystem erreichen Kinder aus Einwandererfamilien deutlich seltener das Abitur und werden oft früh abgehängt, wie unter anderem die Pisa-Studien zeigen. Wer dennoch studieren könnte, muss sich das auch leisten können: Verglichen mit den Kommilitonen sind Studenten mit ausländischen Wurzeln stärker auf Bafög oder einen Nebenjob angewiesen; seltener werden sie von ihren Eltern finanziell unterstützt.

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Studenten-Studie: Wie sie leben, wo sie wohnen, was sie verdienen
Die Sozialerhebung zeigt, dass Studenten aus Einwandererfamilien öfter aus kleinen Verhältnissen stammen. Mit 34 Prozent ist ihr Anteil fast drei Mal so hoch wie bei den Studenten ohne Migrationshintergrund. "Jugendliche mit Migrationshintergrund aus ärmeren, bildungsfernen Verhältnissen, die es an die Hochschule schaffen, sind offenbar besonders ehrgeizig und bildungsorientiert", erklärte Generalsekretär Dobischat die Resultate.

cht/dpa

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Kein Wunder...
Chris-Gardner 03.11.2010
... das dies so ist. Eines ist aber sicher: an mangelnden Bildungsangeboten liegt es jedenfalls nicht. Herr, lass Hirne regnen. Nein, nicht (direkt) für Zuwanderer, sondern für Politiker, die Einwanderung ausschließlich an Qualifikation knüpfen sollen... (einschließlich Asylbewerber)!!
2. Fragen über Fragen
mundi 03.11.2010
Zitat von sysopDeutschlands Hochschulen bleiben für Kinder aus Einwandererfamilien schwer zugängliches Terrain. Nur elf Prozent haben ausländische Wurzeln, selten kommen sie aus wohlhabenden Familien - bis*ins Studium schafft es vor allem der Typ ehrzeiziger Aufsteiger.
Es ist wieder ein statistischer Brei. Wer hat ausländische Wurzeln? Frau Steinbach oder Herr von Loyewski, beide in Polen geboren? Marco Marin, Miroslaw Klose die Fußballer? Wie werden die Wurzeln an der Hochschule untersucht? Von Karajan hatte 2 Staatsangehörigkeiten, hätten sien Kinder Migrationshintergrund?
3. Fragen über Fragen
mundi 03.11.2010
Zitat von sysopDeutschlands Hochschulen bleiben für Kinder aus Einwandererfamilien schwer zugängliches Terrain. Nur elf Prozent haben ausländische Wurzeln, selten kommen sie aus wohlhabenden Familien - bis*ins Studium schafft es vor allem der Typ ehrzeiziger Aufsteiger.
Es ist wieder ein statistischer Brei. Wer hat ausländische Wurzeln? Frau Steinbach oder Herr von Loyewski, beide in Polen geboren? Marco Marin, Miroslaw Klose die Fußballer? Wie werden die Wurzeln an der Hochschule untersucht? Von Karajan hatte 2 Staatsangehörigkeiten, hätten sien Kinder Migrationshintergrund?
4. sie kennen sich aber aus
harrybr 03.11.2010
Zitat von mundiEs ist wieder ein statistischer Brei. Wer hat ausländische Wurzeln? Frau Steinbach oder Herr von Loyewski, beide in Polen geboren? Marco Marin, Miroslaw Klose die Fußballer? Wie werden die Wurzeln an der Hochschule untersucht? Von Karajan hatte 2 Staatsangehörigkeiten, hätten sien Kinder Migrationshintergrund?
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_von_Lojewski und auch fr Steinbach ist keine Polin sowenig wie Kant; Mozart ist ja auch kein Österreicher, nur der Anstreicher war ein solcher.
5. .
Salatsauce 03.11.2010
"Herr, lass Hirne regnen. Nein, nicht (direkt) für Zuwanderer, sondern für Politiker, die Einwanderung ausschließlich an Qualifikation knüpfen sollen... (einschließlich Asylbewerber)!!" Wir haben bei uns extrem gute Türken, Araber, Afrikaner, Chinesen,... Das sind Leute die richtig für ihr Studium geblutet haben. Genau wie die Deutschen auch. Sollte sich rumsprechen, dass diese Leute mit Quoten durchgewunken werden, würden die fleissigen Leute keinen Job mehr bekommen. Es gibt schon genug Deppen die das Studium schaffen, das muss man nicht auch noch ausbauen.
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Stipendien für benachteiligte Studenten
Mit der "Aktion Bildung" richtet sich die Böckler-Stiftung an finanziell benachteiligte Studenten. Voraussetzungen sind ein voller Bafög-Anspruch, Leistungsbereitschaft und Engagement. Infos: "Aktion Bildung"
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Ranking: Deutschlands beliebteste Studienfächer

Mietspiegel der Studentenbuden
Rangfolge der Hochschulstädte nach monatlichen Ausgaben
In Berlin wohnt es sich noch immer vergleichsweise günstig, insgesamt sind die Mieten im Osten erschwinglicher als im Westen. Über 350 Euro kostet wohnen in München und Hamburg. Die 54 teuersten Unistädte im Überblick.
Die 27 teuersten Universitätsstädte...
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
1 Köln 359
2 München 358
3 Hamburg (ohne Uni Hamburg) 351
4 Düsseldorf 338
5 Frankfurt-a.M. 337
6 Mainz 327
7 Konstanz 327
8 Darmstadt 322
9 Berlin 321
10 Wuppertal 318
11 Heidelberg 314
12 Ulm 313
13 Duisburg 311
14 Bonn 309
15 Bremen 308
16 Freiburg 307
17 Stuttgart 306
18 Münster 305
19 Tübingen 304
20 Aachen 304
21 Mannheim 302
22 Braunschweig 302
23 Potsdam 301
24 Karlsruhe 300
25 Hannover 299
26 Regensburg 295
27 Marburg 294
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung

...und die Plätze 28 bis 54
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
28 Oldenburg 292
29 Bochum 290
30 Kiel 290
31 Siegen 289
32 Augsburg 289
33 Trier 289
34 Saarbrücken 288
35 Passau 288
36 Bamberg 286
37 Rostock 282
38 Greifswald 281
39 Osnabrück 280
40 Gießen 279
41 Göttingen 277
42 Würzburg 277
43 Kassel 277
44 Bayreuth 275
45 Bielefeld 274
46 Kaiserslautern 268
47 Hildesheim 262
48 Jena 260
49 Magdeburg 253
50 Leipzig 251
51 Halle 249
52 Erfurt 248
53 Dresden 247
54 Chemnitz 211
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung