Bildung: Nida-Rümelin diagnostiziert Studentenüberschuss in Deutschland

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Julian Nida-Rümelin: "Bald laufen die Studenten den Azubis den Rang ab"

Ex-Kulturstaatsminister Nida-Rümelin meldet sich in der Bildungsdebatte zu Wort. Der SPD-Politiker ist der Meinung, dass in Deutschland zu viele junge Menschen studieren und zu wenige eine Ausbildung machen. "Akademisierungswahn" nennt er das - zum Unmut seiner Parteigenossen.

Berlin - Lange war es relativ still um Julian Nida-Rümelin, einst Kulturstaatsminister unter Kanzler Gerhard Schröder. Jetzt hat der Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission mahnende Worte an die deutschen Bildungspolitiker gerichtet. Der 58-Jährige warnt davor, dass hierzulande zu viele junge Menschen studieren und keine Berufsausbildung absolvieren. "Wir sollten den Akademisierungswahn stoppen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Bald laufen die Studenten den Azubis den Rang ab. Das finde ich falsch." Die hochwertige Berufsausbildung im dualen System funktioniere nur, "wenn die Mehrzahl eines Jahrgangs weiter in die berufliche Lehre geht, nicht eine kleine Minderheit".

Für seine Äußerungen erntete Nida-Rümelin prompt Widerspruch - sogar aus den eigenen Reihen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der Zeitung: "Wenn jetzt mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs studieren, ist das ein unverzichtbarer Beitrag für unseren Anschluss im internationalen Vergleich." Allerdings müsse gleichzeitig die berufliche Bildung gestärkt und attraktiver gemacht werden. "Es müssen wieder mehr Betriebe ausbilden, mindestens 30 Prozent statt der heute 22 Prozent."

Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD, Ernst-Dieter Rossmann, widersprach Nida-Rümelin. Deutschland habe immer noch zu geringe Akademikerquoten, "jeder Studierende wird gebraucht". Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) äußerte ebenfalls Kritik an den Worten Nida-Rümelins, der seit 2004 Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. Es sei falsch, "zwei anerkannte Stärken unseres Bildungssystems gegeneinander auszuspielen".

wit/dpa

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Kommt darauf an...
tomderzweite 01.09.2013
Ich bin in der IT/Technologiebranche tätig. Azubis sind i.d.R. unbrauchbar, da die Materie sehr anspruchsvoll ist und zudem fließendes Englisch im Arbeitsalltag notwendig ist (zumindest lesen...). Daher gehen wir in unserem Unternehmen nur noch den Weg Hochschulbsolventen einzustellen und fortzubilden oder Abiturienten ein duales Studium zu ermöglichen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Ansprüche auch in anderen technischen, kaufmännischen oder sozialen Berufen ähnlich gelagert sind. Aber wenn man sich nur im Dunstkreis der Geistes"wissenschaften" bewegt, dann wundert einem die Auslassung von Nida-Rümelin nicht wirklich.
2. Recht hat er
nebrun 01.09.2013
Endlich sagt einmal jemand die Wahrheit. Deutschland hat die Duale Ausbildung stark gemacht und wir versuchen dieses Modell nach Portugal und Spanien zu exportieren und zu Hause machen wir ein Erfolgreiches Modell kaputt weil die OECD eine höhere Akademiker Quote fordert ohne die lokalen Gegebenheiten verstanden zu haben. Zu diesem Thema habe ich vor einiger Zeit Michael Kauch, MdB gefragt wie wir dieses Modell exportieren können und gleichzeitig zuhause kaputt machen. Kam mal wieder die Antwort das müssen die Unternehmen bzw der Markt regeln damit die Ausbildung wieder Attraktiver wird. Was für ein blödsinn solange es weiterhin gewollt ist das über 40% eines Jahrgangs mit dem Abitur abschließen. Ich weiß von Mathe Professoren die sich sehr darüber beschweren das dass Niveau gerade in Mathe sehr gesunken ist Zitat solange sich das nicht ändert müssen wir halt leider mit dem Arbeiten was vorhanden ist. Viele Studiengänge sind heute nicht mehr als eine schulische Ausbildung. Dreht das Rad wieder etwas zurück und stärkt die Ausbildung!
3. xxx
Piri 01.09.2013
Prof. Nida-Rümelin ist in der SPD ein Fremdkörper. Aus ideologischen Gründen will man ihn nicht verstehen und viele verstehen ihn auch intellektuell nicht. Politische Alternativen? Fehlanzeige. Die CDU kriecht auch hier ins linke Bett.
4. "Akademisierungswahn"
wurzelbär 01.09.2013
Nein, aber das Volk, viele Menschen haben erkannt, daß wenn man eine Ausbildung erfolgreich macht, ein Leben lang nur das leibeigene Zwangsabgaben zahlende, ausgenützte "Arbeitstier" der Politik und Regierung ist. Wer sich ausrechnet, was man nach zahlen aller Zwangsabgaben, von seiner Arbeitsleistung im Monat für sich selbst übrig bleibt. Der steht nicht mehr auf. Selbst beim Wasser und Brot nimmt die Politik und Regierung dem Bürger über die Zwangsabgaben sein erarbeitetes Geld weg.
5. Zum Teil hausgemacht
klugscheißer2011 01.09.2013
Zitat von sysopEx-Kulturstaatsminister Nida-Rümelin meldet sich in der Bildungsdebatte zu Wort. Der SPD-Politiker ist der Meinung, dass in Deutschland zu viele junge Menschen studieren und zu wenige eine Ausbildung machen. "Akademisierungswahn" nennt er das - zum Unmut seiner Parteigenossen. SPD: Nida-Rümelin warnt vor "Akademisierungswahn" in Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/spd-nida-ruemelin-warnt-vor-akademisierungswahn-in-deutschland-a-919726.html)
Das ist aber zum Teil hausgemacht. Die Zugangsverfahren für deutsche Hochschulen enthalten bis auf einige Fachbereiche zu wenig Hürden. Auch dauert der Weg nach dem ersten Abschluss bis zum Berufseintritt häufig zu lange. Das veranlasst viele Absolventen, sich noch für eine weitere Fakultät einzuschreiben. Viele machen das aber nur, weil sie in langwierigen Bewerbungsverfahren feststecken (auf ein Referandariat als Lehrer kann man in einigen Bundesländern schon mal ein, zwei Jahre warten - trotz Lehrerknappheit), um dann wenigstens weiterhin studentische Privilegien zu haben wie den Platz im Wohnheim oder das Semesterticket. Irgendwann mit Anfang 30 fangen unsere jungen Akademiker dann an, eigenes Geld zu verdienen, viel zu spät aus rententechnischer Sicht. Ich würde jungen Menschen heute auch lieber dazu raten, einen guten Realschulabschluss zu machen und dann eine solide Ausbildung anzustreben. Ehemalige Mitschüler meines Sohnes wohnen schon im Eigenheim, während mein Sprössling immer noch die Weisheit in sich hinein löffelt.
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