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Sportmedizin an der Uni Freiburg: Ermittler decken Forschungsskandal auf

Falsche Daten, Manipulationen, Plagiate: An der Uni Freiburg soll es in der Sportmedizin jahrzehntelang gravierende wissenschaftliche Mängel gegeben haben. Betroffen sind offenbar Doktorarbeiten, Habilitationen und Fachartikel.

Die Untersuchungskommission an der Uni Freiburg verfolgt eigentlich eine ganz anderen Verfehlung: Sie bemüht sich um die Aufklärung derDoping-Vergangenheit in der Sportmedizin. Bei ihren Recherchen wollen die Ermittler jetzt auf einen Forschungsskandal gestoßen sein.

Demnach sind zahlreiche sportmedizinische Arbeiten mit zum Teil erheblichen wissenschaftlichen Mängeln entdeckt worden. Das gab die Vorsitzende der Kommission, Letizia Paoli, am Mittwoch bekannt.

"Dies ist eine neue Dimension wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit möglicherweise gravierenden Folgen für das Fach Sportmedizin", betonte Paoli. Einige der Arbeiten aus den Jahren nach 1980 beruhen demnach wohl auf Datenfälschungen und Plagiaten. Andere Dissertationen, Habilitationen oder Fachpublikationen seien manipuliert worden. Ob ein Zusammenhang zu der Doping-Vergangenheit der Universität besteht, teilte die Kommission nicht mit.

Ab dem vergangenen Herbst hatte sich der Ausschuss mit sportmedizinischen Veröffentlichungen der Uni beschäftigt. Jetzt bat die Kommission alle Wissenschaftler, die zwischen 1980 und 2000 mit Forschungsarbeiten der Abteilung Sportmedizin zu tun hatten, sich umgehend zu melden. Außerdem soll eine spezielle Task Force eingesetzt werden, um die entsprechenden Autoren und Co-Autoren zu überprüfen. Denn: "Es kann nicht Aufgabe der Evaluationskommission sein, das vorliegende Fehlverhalten zu beurteilen", sagte Paoli.

Die Kommission war im Juni 2007 gegründet worden. Sie soll herausfinden, in welchem Umfang Sportärzte aus Freiburg in Doping von Spitzensportlern verwickelt waren. Es geht dabei um jahrzehntelange Verstrickungen von Spitzensport und Leistungssteigerung. Mediziner der Fakultät sollen unter anderem Fußballweltmeister, Siebenkämpfer und Radprofis behandelt haben.

Auftraggeber der Untersuchung ist die Universität. Ein Sprecher der Universität sagte auf Anfrage der "Badischen Zeitung", dass Paoli "entgegen der vertraglichen Vereinbarungen" mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit getreten sei. Eigentlich sei vereinbart worden, dass erst nach Abschluss der Kommissionsarbeit Details aus der laufenden Arbeit veröffentlicht würden. Der Abschlussbericht soll in den kommenden Wochen vorgelegt werden.

Kommissionschefin Paoli ist Kriminologie-Professorin und Mafia-Expertin. Sie hatte schon früher den Verdacht erhoben, dass Professoren der Uni Freiburg bei ihren Habilitationen betrogen haben sollen.

ler/dpa

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