Start der Exzellenzinitiative: Deutschland sucht die Super-Unis

Von

Es geht um Forschungsmittel in Milliardenhöhe: Mit Abgabe der Antragsskizzen beginnt an 65 deutschen Universitäten das Herausputzen für die letzte Runde der Exzellenzinitiative. 31 Unis wollen zur Elite-Uni werden. Doch auch wer den Titel schon hat, kann ihn bis 2012 wieder verspielen.

Bitte keine Berge mehr: 2005 landeten mit den Vollanträgen riesige Stapel bei der DFG Zur Großansicht
DFG/ Fotostudio Querbach

Bitte keine Berge mehr: 2005 landeten mit den Vollanträgen riesige Stapel bei der DFG

Papierstapel bis zur Decke sollte es diesmal nicht geben. Darauf hätte man als Mitorganisator der dritten und wohl letzten Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern geachtet, heißt es bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Darum sollten die Unis peu a peu, und eben nicht alle in letzter Minute, ihre dicken Ordner mit den Voranträgen in der Bonner DFG-Zentrale einreichen.

Der Andrang ist aber auch diesmal wieder groß, denn es geht um jede Menge Geld: 2,72 Milliarden Euro werden in gut zwei Jahren auf deutsche Universitäten verteilt. Die verbindlichen Voranmeldungen dafür, Antragsskizzen genannt, sammelten die DFG und der Wissenschaftsrat jetzt ein.

Die Frist dafür endete in der Nacht zum Donnerstag und seitdem steht fest: 65 Universitäten gehen ins Rennen um die Millionen, insgesamt reichten sie 227 einzelne Antragsskizzen ein. Und 31 Unis versuchen Elite-Uni zu werden - ein begehrter Titel, den bislang nur neun Universitäten tragen dürfen.

Keine Ehre für die Lehre

Die Verteilung der Mittel ist kompliziert. Wie bei den ersten Runden gibt es drei sogenannten Förderlinien: Ausgezeichnet werden Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und in einer dritten Linie die Zukunftskonzepte der Universität. Ein Viertel der Fördersumme stellen die Länder, in denen die Gewinner-Hochschulen stehen, drei Viertel stammen aus dem Forschungshaushalt des Bundesbildungsministeriums.

Exellenzinitiative - Der Wettbewerb im Überblick
Insgesamt 2,7 Milliarden Euro stellen Bund und Länder von 2012 bis 2017 für die Exzellenzinitiative bereit.
Zeitplan

1. September 2010 (Ausschlussfrist): Eingang der Antragsskizzen für Neuanträge

Mitte März 2011: Aufforderung zur Stellung der Neu- und Fortsetzungsanträge

1. September 2011 (Ausschlussfrist): Eingang der Neu- und Fortsetzungsanträge

Mitte Juni 2012: Bekanntgabe der Förderentscheidungen 2012 bis 2017 nach Abschluss eines wissenschaftsgeleiteten Verfahrens

1. November 2012: Beginn der Förderung

Förderlinien

Graduiertenschulen mit jährlich 1 bis 2,3 Millionen Euro. Info: Dr. Anselm Fremmer (anselm.fremmer@dfg.de), Dr. Annette Schmidtmann (annette.schmidtmann@dfg.de)

Exzellenzcluster mit drei bis acht Millionen Euro plus Programmpauschale. Info: Dr. Sonja Ochsenfeld-Repp (sonja.ochsenfeldrepp@dfg.de, Tel. 0228 8852387), Dr. Klaus Wehrberger (klaus.wehrberger@dfg.de, Tel. 0228 8852355)

Bis zu zwölf Zukunftskonzepte, Förderung von bis zu fünf neuen Anträgen mit insgesamt rund 142 Millionen Euro jährlich einschließlich Programmpauschale. Info: Dr. Sabine Behrenbeck (Tel. 0221 3776234), Dr. Hildegard Brauns (Tel. 0221 3776255)

Link und Literatur

Stephan Leibfried: Die Exzellenzinitiative, Campus Verlag, 2010

www.dfg.de/foerderung/programme/exzellenzinitiative

Quelle: "duz"

Die dritte Linie der Zukunftskonzepte ist es, auf die vor allem Öffentlichkeit und Politik am genauesten schauen: Hier werden die Elite-Unis gekürt, ein Titel, der neben zusätzlichen Millionen vor allem viel Prestige für eine Uni und auch das jeweilige Land bedeutet. Gut ein Viertel, diesmal also stolze 770 Millionen Euro, werden dann über fünf Jahre auf zwölf Sieger verteilt. Die Zahl ist allerdings nicht fix, es könnten auch nur zehn oder eben 13 Elite-Unis werden.

Die Initiative habe "das deutsche Wissenschaftssystem nachhaltiger verändert als alle anderen Programme in den vergangenen Jahrzehnten", lobte DFG-Präsident Matthias Kleiner das von seinem Haus mit ausgetragene Milliarden-Roulette. Kritiker werfen der Initiative allerdings vor, Hochschulförderung zu einseitig zu betreiben. In der Lehre, so der Vorwurf, komme nämlich kein Geld aus dem Wettbewerb an. Kritik, die Kleiner und andere Forschungsenthusiasten stets gleich parieren: Die Exzellenzinitiative, sagen sie, sorge für neue Wissenschaftlerstellen, was natürlich viel für die Lehre bringe.

Fünf Anträge aus einem Land, vier Bundesländer ohne Elite-Ambitionen

Spannend ist an der dritten Runde auch: Nicht alle Universitäten, die in den Jahren 2006 und 2007 mit Forschungsgeld bedacht wurden, behalten ihre Schulen, Cluster und den Elite-Titel. Sie mussten wie die Neuberwerber im September 2011 Vollanträge einreichen und sich erneut ins Zeug legen. "Wir rechnen damit, dass alle 85 bisherigen Exzellenzeinrichtungen weiter gefördert werden wollen", erklärte dazu DFG-Präsident Kleiner. Zwischen bereits geförderten und neuen Ideen und Projekten erwartet er "einen spannenden und harten Wettbewerb".

Groß war der Aufschrei in der Politik, als in der ersten Runde vor vier Jahren nur die beiden Münchner Universitäten TU und LMU sowie die Universität Karlsruhe (TH) mit dem Elite-Titel bedacht wurden. Schleswig-Holstein und einige andere Länder erwogen sogar, die Initiative in letzter Sekunde scheitern zu lassen, weil sie sich nicht ausreichend berücksichtigt sahen.

duz-Interview
DPA
"Keine Etiketten auf Dauer"

Ist die Exzellenzinitiative eigentlich gerecht? Prof. Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, erklärt im Interview mit der Zeitschrift "duz", warum er die Chancengleichheit gewahrt sieht - und warum bisherige Elite-Unis durchaus etwas zu verlieren haben.
In Runde zwei verteilten sich die Titel dann deutlich gleichmäßiger über die Republik, die Nordlichter waren besänftigt, der Osten aber ging wieder weitgehend leer aus. Neun Elite-Unis gibt es derzeit, gemeinsam mit den Neuanträgen ringen insgesamt 31 deutsche Universitäten um die Auszeichnung für ihr Zukunftskonzept, die der Wissenschaftsrat kürt. Diesmal, meldet der Wissenschaftsrat, verteilen sich die Anträge für die Elite-Titel wie folgt: Aus sechs Ländern kam je ein Vorantrag, aus vier Länder reichten je zwei Unis einen Antrag ein. Ein Land steuerte drei, ein großes Land, vermutlich Nordrhein-Westfalen, sogar fünf Anträge bei. In vier Bundesländer fanden sich keine Unis mit Titelambitionen.

Für die Unis und vor allem für die nicht so antragserprobten Geisteswissenschaften ist die Zeit vor den Abgabefristen immer besonders stressig. Spannend wird es dann, wenn nach dem Vollanträgen, also im Frühjahr 2012, die rund 150 Gutachter ausschwärmen und sich die Bewerber vor Ort genauer ansehen. Spätestens dann zeigt sich, ob die Mitarbeiter und Forscher mitziehen oder ob die Bewerbung vor allem auf die ehrgeizigen Visionen des Hochschulmanagements zurückgeht.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Verschwendung
Wafthrudnir 03.09.2010
Statt wieder einzelne Unis zu fördern und nur Gelder für die Forschung bereitzustellen, sollte der Staat lieber mal darüber nachdenken die Wissenschaftler selbst besser zu bezahlen. Es kann nicht angehen, dass ein Promovierender mit einer 60 bis 70 Stunden Woche in der Regel gerade mal 1100 € netto verdient.
2. Gebt der DFG das Geld für selbstbeantragte Juniorprofessuren...
Dumme Fragen 03.09.2010
Gebt der DFG das Geld für selbstbeantragte Juniorprofessuren... DAS wäre die beste Förderung...!
3. Elite
Salatsauce 03.09.2010
Ich habe ja nichts gegen Leistungselite... aber Eliteuni bedeutet für mich das man entweder -besonders gute Kontakte knüpfen kann, leicht einen Job bekommt und die Absolventengehälter sehr gut sind (ein Harvard-MBA kann eine Million im Jahr verlangen) -oder das Fachwissen der Studenten sehr gut ist. Das sollte man durch entsprechende Tests der Absolventen herausfinden. Einfach so das Wort Elite für deutsche Hochschulen zu benutzen bringt nichts. Die Absolventen dieser Hochschulen sind nicht klüger als andere, und Absolventengehälter wie bei Harvard sind auch nicht drin. Und die Spitzenforschung ist in Deutschland auch eher Sache von Frauenhofer, MaxPlank und ähnlichen Instituten.
4. Max Planck
Wafthrudnir 03.09.2010
Zitat von SalatsauceUnd die Spitzenforschung ist in Deutschland auch eher Sache von Frauenhofer, MaxPlank und ähnlichen Instituten.
Spitzenforschung ja, aber die Tatsache, dass die Doktoranden auf den Titel angewiesen sind, wird gerade am MPI gnadenlos ausgenutzt. Schlechte Bezahlung kombiniert mit hoher Arbeitsbelastung.
5. re
Dumme Fragen 03.09.2010
Zitat von WafthrudnirSpitzenforschung ja, aber die Tatsache, dass die Doktoranden auf den Titel angewiesen sind, wird gerade am MPI gnadenlos ausgenutzt. Schlechte Bezahlung kombiniert mit hoher Arbeitsbelastung.
und das fiese ist: die dürfen selbst ja nicht mal den Titel vergeben, sondern brauchen immer Betreuer an den Unis... Und die Profs an den MPIs haben so gut wie keine Lehrbelastung.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Universitäten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare
Fotostrecke
Elite-Unis: Das Finale der Exzellenzinitiative

[M] DDP
Im Biotop Universität gedeihen wunderliche Menschen mit eigenen Sitten, Regeln, Ritualen. Verstehen Sie den Campus-Code? Reicht es gar für eine akademische Karriere? Testen Sie's - in zehn Fragen bis zum Campus-Flegel, Hiwi mit Ambitionen oder Knigge-König. mehr...
Fotostrecke
Plakatwettbewerb: Elite ist nicht für alle da