Von Christoph Titz
Papierstapel bis zur Decke sollte es diesmal nicht geben. Darauf hätte man als Mitorganisator der dritten und wohl letzten Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern geachtet, heißt es bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Darum sollten die Unis peu a peu, und eben nicht alle in letzter Minute, ihre dicken Ordner mit den Voranträgen in der Bonner DFG-Zentrale einreichen.
Der Andrang ist aber auch diesmal wieder groß, denn es geht um jede Menge Geld: 2,72 Milliarden Euro werden in gut zwei Jahren auf deutsche Universitäten verteilt. Die verbindlichen Voranmeldungen dafür, Antragsskizzen genannt, sammelten die DFG und der Wissenschaftsrat jetzt ein.
Die Frist dafür endete in der Nacht zum Donnerstag und seitdem steht fest: 65 Universitäten gehen ins Rennen um die Millionen, insgesamt reichten sie 227 einzelne Antragsskizzen ein. Und 31 Unis versuchen Elite-Uni zu werden - ein begehrter Titel, den bislang nur neun Universitäten tragen dürfen.
Keine Ehre für die Lehre
Die Verteilung der Mittel ist kompliziert. Wie bei den ersten Runden gibt es drei sogenannten Förderlinien: Ausgezeichnet werden Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und in einer dritten Linie die Zukunftskonzepte der Universität. Ein Viertel der Fördersumme stellen die Länder, in denen die Gewinner-Hochschulen stehen, drei Viertel stammen aus dem Forschungshaushalt des Bundesbildungsministeriums.
Die Initiative habe "das deutsche Wissenschaftssystem nachhaltiger verändert als alle anderen Programme in den vergangenen Jahrzehnten", lobte DFG-Präsident Matthias Kleiner das von seinem Haus mit ausgetragene Milliarden-Roulette. Kritiker werfen der Initiative allerdings vor, Hochschulförderung zu einseitig zu betreiben. In der Lehre, so der Vorwurf, komme nämlich kein Geld aus dem Wettbewerb an. Kritik, die Kleiner und andere Forschungsenthusiasten stets gleich parieren: Die Exzellenzinitiative, sagen sie, sorge für neue Wissenschaftlerstellen, was natürlich viel für die Lehre bringe.
Fünf Anträge aus einem Land, vier Bundesländer ohne Elite-Ambitionen
Spannend ist an der dritten Runde auch: Nicht alle Universitäten, die in den Jahren 2006 und 2007 mit Forschungsgeld bedacht wurden, behalten ihre Schulen, Cluster und den Elite-Titel. Sie mussten wie die Neuberwerber im September 2011 Vollanträge einreichen und sich erneut ins Zeug legen. "Wir rechnen damit, dass alle 85 bisherigen Exzellenzeinrichtungen weiter gefördert werden wollen", erklärte dazu DFG-Präsident Kleiner. Zwischen bereits geförderten und neuen Ideen und Projekten erwartet er "einen spannenden und harten Wettbewerb".
Groß war der Aufschrei in der Politik, als in der ersten Runde vor vier Jahren nur die beiden Münchner Universitäten TU und LMU sowie die Universität Karlsruhe (TH) mit dem Elite-Titel bedacht wurden. Schleswig-Holstein und einige andere Länder erwogen sogar, die Initiative in letzter Sekunde scheitern zu lassen, weil sie sich nicht ausreichend berücksichtigt sahen.
Für die Unis und vor allem für die nicht so antragserprobten Geisteswissenschaften ist die Zeit vor den Abgabefristen immer besonders stressig. Spannend wird es dann, wenn nach dem Vollanträgen, also im Frühjahr 2012, die rund 150 Gutachter ausschwärmen und sich die Bewerber vor Ort genauer ansehen. Spätestens dann zeigt sich, ob die Mitarbeiter und Forscher mitziehen oder ob die Bewerbung vor allem auf die ehrgeizigen Visionen des Hochschulmanagements zurückgeht.
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