Studentenmassen in den Hörsälen, nicht genug Dozenten und vor allem stets zu wenig Geld - über diese Probleme stöhnen viele deutsche Hochschulen. Wie viele? Damit beschäftigt sich eine neue Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Knapp 200 Rektoren und Präsidenten von staatlichen und privaten Hochschulen haben dafür zwölfseitige Fragebögen ausgefüllt, die ihre Stimmung erfassen sollten.
Das Ergebnis: Alles in allem sind die Hochschulleitungen mit ihrer Situation recht zufrieden. Die Zukunft sehen sie allerdings weniger positiv. Besonders düster sieht es bei der Frage aus, wie sich die Hochschulen künftig finanzieren. Auch die Personalentwicklung bereitet den Hochschulchefs Sorge.
Der Stifterverband hat die Befragung zum ersten Mal durchgeführt, sie soll "Eintrübungen oder Aufhellungen im Stimmungsbild der Hochschulen" aufzeigen. Die Befragten konnten in einer fünfstufigen Antwortskala ankreuzen, wie zufrieden sie bei verschiedenen Themen sind. Ihre Angaben wurden dann auf eine Punkteskala von -100 bis +100 umgerechnet.
Auf dieser Skala liegt die Gesamtzufriedenheit der Teilnehmer mit der aktuellen Situation bei 31 Punkten. Ihre Prognose für die nächsten fünf Jahre erreicht allerdings nur 19 Punkte. In diesen Wert fließen unter anderem die Urteile der Rektoren zu Autonomie, Ausstattung, personeller und finanzieller Lage sowie zur Wettbewerbsfähigkeit ein.
- Ihre finanzielle Situation beurteilen die Hochschulen als durchwachsen. Drei von vier Hochschulchefs finden, dass sie bei der öffentlichen Finanzierung im Vergleich zu außeruniversitäten Forschungseinrichtungen schlecht wegkommen. Gut die Hälfte sieht sich gegenüber der staatlichen Förderung von Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft benachteiligt. Ihre aktuelle Einnahmesituation bewerten die Rektoren mit 19,5 Punkten, ihre Erwartungen an die Zukunft liegen in diesem Bereich jedoch nur bei 1,4 Punkten.
- Die Bundesländer schneiden sehr unterschiedlich ab: Besonders gut ist die Stimmung in Hamburg und Berlin. In Hamburg ist man mit der aktuellen Lage besonders zufrieden, in Berlin schaut die Hochschulleitung dafür optimistisch in die Zukunft. "Die Stadtstaaten profitieren dabei allgemein von der hohen Zahl privater Hochschulen sowie der Attraktivität als Wissenschaftsstandort bei der Personalrekrutierung", heißt es in der Studie. Negativ bewerten die Hochschulen in Thüringen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ihre Erwartungen an die Zukunft.
- Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Hochschule bewerten die Chefs in der Lehre wesentlich besser als in der Forschung. 80 Prozent der Einrichtungen sehen sich im Bereich Lehre gut oder eher gut aufgestellt. Für die Forschung sieht es nur rund die Hälfte so.
- Kleine Hochschulen sind positiver gestimmt als große. Fachhochschulen beurteilen ihre aktuelle Situation etwas schlechter als Universitäten, sind aber dafür etwas zuversichtlicher für die kommenden Jahre. Besonders pessimistisch ist die Stimmung der Chefs von Universitäten, die in der Exzellenzinitiative des Bundes erfolgreich waren, vor allem mit Blick auf die zukünftige Finanzierungs- und Personalsituation.
- Private Hochschulen sind generell deutlich zufriedener und schauen optimistischer in die Zukunft als staatliche. Das zeigt sich unter anderem beim Thema Personal: Nur rund 28 Prozent der staatlichen Hochschulen halten ihre Personalsituation für gut oder eher gut. Unter den privaten Hochschulen sind es gut drei Viertel. Engpässe sehen die Rektoren und Präsidenten besonders beim wissenschaftlichen Nachwuchs. Auch private Einrichtungen teilen die Einschätzung, dass Personal nicht an der wissenschaftlichen Spitze, sondern beim Nachwuchs und im Management fehlt.
- Drei von vier Hochschulen finden, dass sie heute mehr Autonomie haben als vor fünf Jahren. Für die Zukunft wünschen sie sich jedoch noch mehr Selbstbestimmung. Beim Finanzmanagement ist mehr Autonomie nach Ansicht der Hochschulleiter besonders wichtig.
Eine Schwierigkeit der Studie, die auch der Stifterverband einräumt: Alle Eindrücke sind subjektiv. Was gut und was schlecht ist, hängt sehr davon ab, wen man fragt. Mehr als ein Stimmungsbild will die Studie auch gar nicht sein. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft will sie künftig regelmäßig durchführen.
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