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Stipendien zum Abhauen: 16 Milliarden Gründe für ein Auslandsstudium

Das internationale Wirrwarr der Zuschüsse von Unis und diverser Förderern soll sich lichten: Über eine Online-Datenbank können Studenten nun Stipendien aus ganz Europa einfacher finden. Es geht um ein riesiges Gesamtvolumen. Das deutsche Stipendienwesen sieht dagegen mickrig aus.

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Stipendien: In Deutschland rar - EU-weit reichlich vorhanden

Zur Vorstellung ihrer neuen Online-Datenbank ließen sich die Initiatoren etwas Ausgefallenes einfallen. Für 3000 Zuschauer im französischen Nantes druckten sie Mitte September Scherz-Geldnoten. Auf ihnen stand eine beeindruckende Zahl: 16 Milliarden Euro. Das ist der theoretische Wert, den alle Stipendien in Europa zusammen ausmachen - zweifelsohne ein riesiger Haufen Geld, der geordnet werden will.

Die Seite ScholarshipPortal.eu soll das fortan leisten. Sich im internationalen Wirrwarr um die Zuschüsse von Universitäten, Wirtschaftsunternehmen oder des Staates zurecht zu finden, ist keineswegs leicht. Wo studieren, zu welchem Preis - und mit welchen Chancen auf finanzielle Unterstützung? Die neue Datenbank soll dem Ganzen nun einen einheitlichen Auftritt verpassen und die Orientierung erleichtern. Fortan soll ein großer Teil aller europäischen Hochschul-Stipendien dort gelistet sein.

"Die Datenbank wächst sehr schnell", sagt Projektleiter Joran van Aart. Bislang weist die Webseite 810 Programme aus, darunter auch Programme des Deutsche Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) und anderer großer europäischer Stipendiengeber. Der Betrag 16 Milliarden Euro stammt aus einer Studie der Europäischen Union. "Das ist unfassbar viel Geld und zeigt den Berg an Möglichkeiten der Studenten", meint der Niederländer.

Interessierte können gleich auf der Startseite über mehrere Suchkriterien das für sich Passende herausfiltern. Die Datenbank kann etwa nach Fachgebiet, Herkunftsland und gewünschtem Studienland sortiert werden. Per Klick auf ein Angebot werden dann Details wie Bewerbungsverfahren erläutert.

Deutsche Fördermittel bleiben überschaubar

Das großen internationalen Stipendienangebot verdeutlicht aber auch, wie wenig für Studenten in Deutschland bislang auf nationaler Ebene zu holen ist. Tatsächlich profitieren nämlich nur zwei Prozent der gut zwei Millionen Studenten in Deutschland von einem Zuschuss zur Studienfinanzierung. Verteilt wird das Geld von Förderwerken wie der Studienstiftung des deutschen Volkes und parteinahen Stiftungen.

Im Jahr 2011 sollen nach derzeitiger Planung der Bundesregierung noch einmal rund 6000 Studenten zusätzlich in den Genuss des sognannten Deutschlandstipendiums kommen. Dabei handelt es sich um die abgespeckte Version des nationalen Stipendienprogramms, das Bund und Ländern eigentlich schon zum Wintersemester 2010/2011 starten wollten. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte das Programm in Deutschlandstipendium umbenannt, nachdem die Bundesländer das Projekt zunächst blockiert und sich dann fast ganz vollständig aus der Finanzierung verabschiedet hatten.

Das Deutschlandstipendium soll ab kommendem Sommersemester monatlich 300 Euro betragen. Die Hälfte des Geldes sollen private Spender und Wirtschaftunternehmen zuschießen, organisiert wird die Vergabe von den Hochschulen. Ob sich die benötigten Spender finden lassen gilt allerdings als fraglich. Profitieren werden zu Beginn 0,3 Prozent der deutschen Studenten. Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung war da deutlich ambitionierter: noch vor einem Jahr rechnete Schavan mit einer Stipendiatenquote von zehn Prozent, also 200.000 Geförderte, bis zum Jahr 2013.

Für Deutsche, die im Ausland gefördert werden möchte, ist die Auswahl dagegen üppiger, wie das neue Webportal zeigt: Ein Student, der einen Bachelor in Jura anstrebt und in Großbritannien studieren will, bieten sich beispielsweise acht verschiedene Chancen für Stipendien. Abhängig von Qualifikation und Zielort sind für ihn bis zu 1050 Euro an monatlicher Unterstützung zu holen. Oftmals scheitert ein Studium außerhalb des eigenen Landes nämlich nur am Geld - einer EU-Studie zufolge ist das bei sechs von zehn Fällen so.

"Wir haben versucht, alles so übersichtlich wie möglich zu gestalten", sagt Initiator van Aart, dessen Projekt auch durch Gelder der Europäischen Kommission in Brüssel und das Erasmus-Programm der EU mitfinanziert wurde.

Die meisten Studenten seien sich völlig im Unklaren über ihre Möglichkeiten, sagt der Niederländer. Beste Chancen auf finanzielle Unterstützung hätten erfahrungsgemäß besondere Talente - aber das Spektrum an unterschiedlichen Stipendien-Angeboten reiche noch viel weiter und unterstreicht die Vielfalt an Fördermöglichkeiten mit einem kleinen Scherz: "Manchmal", so van Aart, reicht es für eine Bewerbung auch schlichtweg, Linkshänder zu sein."

Michael Brehme, dpa/ jon

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1. Bafög?
Zorpheus 10.10.2010
Das deutsche Bafög ist das Gegenstück zu den Stipendien-Programmen im Ausland, oder sehe ich das falsch?
2. Zusammenhang? Verbindung?
avollmer 10.10.2010
Zitat von ZorpheusDas deutsche Bafög ist das Gegenstück zu den Stipendien-Programmen im Ausland, oder sehe ich das falsch?
Bafög bekommt, wessen Eltern bestimmte Einkommenskriterien erfüllen, eine soziologisch definierte Förderung zur sozialen Kompensation. Der Student selbst ist nur von geringem Belang. Stipendien bekommt, wer eine Erfolgs- und Leistungsperspektive bietet und Kriterien, die an der Person des Studenten orientiert sind, erfüllt. Hier sind allfällige soziale Nöte der Eltern ein sekundäre Kriterium. Das Ziel ist das gleiche, aber die Startpunkte für den Weg liegen diametral gegenüber. Bafög ist ein anonymer monetärer Automatismus, Stipendien sind auch Wertschätzung und Anerkennung. Von Gegenstück kann man in diesem Fall nicht wirklich reden, dazu ist der Zusammenhang und die Verbindung, Geld für Studenten, zu banal und oberflächlich. Man zieht diesen Vergleich auch nicht bei Pferd und Fahrrad, nur weil sie eine einzelne Person transportieren können.
3. Höhe der Stipendien ist nicht alles
Chris-Gardner 10.10.2010
Schön, wenn man 1000 € in GB bekommt, aber das Semester auch X-Tausend € Semestergebühren verschlingt. Damit relativieren sich die hohen Stipendienbeträge für das Ausland. Das häufig völlig kostenfreie Studium in D ist auch eine Art Stipendium und ein großes Glück für die Studenten in D. Ich will keine amerikanischen Verhältnisse, wo nur extrem Begabte und wohlhabende studieren können...
4. Die boesen USA, das boese Grossbritannien
HALHAL 10.10.2010
Zitat von Chris-GardnerSchön, wenn man 1000 € in GB bekommt, aber das Semester auch X-Tausend € Semestergebühren verschlingt. Damit relativieren sich die hohen Stipendienbeträge für das Ausland. Das häufig völlig kostenfreie Studium in D ist auch eine Art Stipendium und ein großes Glück für die Studenten in D. Ich will keine amerikanischen Verhältnisse, wo nur extrem Begabte und wohlhabende studieren können...
"Am deutschen Wesen..." Das Erststudium in Grossbritannien kostet an keiner Uni mehr als £3490 im Jahr; der im Artikel erwaehnte Betrag bezieht sich auf eine monatliche Zahlung. Der Zusammenhang zwischen Elterneinkommen und Bildungserfolg ist im Uebrigen in keinem OECD-Land so ausgepraegt wie in Deutschland - amerikanische Zustaende waeren, wo es um Teilhabe an akademischer Bildung geht, mehr als wuenschenswert!
5. Warum kostenlos?
pacnw 10.10.2010
Zitat von Chris-GardnerSchön, wenn man 1000 € in GB bekommt, aber das Semester auch X-Tausend € Semestergebühren verschlingt. Damit relativieren sich die hohen Stipendienbeträge für das Ausland. Das häufig völlig kostenfreie Studium in D ist auch eine Art Stipendium und ein großes Glück für die Studenten in D. Ich will keine amerikanischen Verhältnisse, wo nur extrem Begabte und wohlhabende studieren können...
Das ist Unsinn. In den USA kann ein Studium mittels Kreidten finanziert werden, wenn die Eltern nicht die finanziellen Mittel haben oder ihren Sproessling nich unterstuetzen wollen. Ich bin der Meinung, jeder sollte sein Studium allen bezahlen aus mehereren Gruenden: - es gibt endlich wieder einen Ansporn schnell und mit guten Ergebnissen zu studieren. Keine Langzeitstudenten mehr die dem Steuerzahler auf der Tasche haengen. - die Unis wuerden besser weredn aufgrund des Wettbewerbs. Wenn Leute bezahlen muessen, dann wird die Uni sicher genauestens gewaehlt und unter die Lupe genommen. - warum soll ein Facharbeiter (und alle anderen) dem Arzt das Studium finanzieren? Damit der Arzt dann das zigfache verdient? - es ist die einzigste Loesung, ein weiteres (grosses) Problem aus der Welt zu schaffen: dass Studierte (z.B. Aerzte) auf Kosten des deutschen Steuerzahlers studieren und dann ins Ausland gehen (aufgrund besserer Bezahlung, zum Beispiel), und dort Steuern zahlen anstatt in D. - der Wasserkopf waere weg oder reduziert (Geldeinsparung). Die Voraussetzung ist dass festverzinste Kredite verfuegbar sind, sodass jeder die Chance hat zu studieren. Ziemlich einfach. Womit lasst sich "kostenloses" Studieren eigentlich begruenden? Wennjemand Arzt werden will und gute Leisyungen zeigt, wird er spaeter keine Probleme haben, einen Kredit zurueckzuzahlen. Warum sollen andere duefuer herhalten? (ich habe selber studiert, in D und in den USA. Habe ein deutsches Diplom und ein amerikanisches Masters Degree)
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