Stotternde Studenten: "Als ob dir jemand die Luft abschnürt"

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Wer stottert und sich trotzdem an die Uni wagt, muss viel aushalten. Jedes Referat wird zur Tortur, manche Dozenten raten sogar, den Campus zu verlassen. Drei Stotterer erzählen, mit welchen Tricks sie sich überlisten - und warum das Studium sie selbstbewusster gemacht hat.

Die meisten Studenten ängstigen sich vor dem ersten Referat, dabei können sie ihren Namen sagen, ohne zu stocken. Doch was ist mit denen, die zwei Minuten brauchen, um sich vorzustellen? Denen danach kaum Zeit bleibt, den Stoff zu referieren? Die jedes Referat 25 Mal üben und dann doch versagen?

Menschen, die stottern, sind sprechbehindert, nicht psychisch gestört. Marilyn Monroe soll gestottert haben, Winston Churchill und Charles Darwin ebenfalls, wie auch Rowan Atkinson alias Mr. Bean. Bruce Willis wäre wohl ohne Stottern nie zum Film gekommen. Denn nur auf der Bühne konnte er reden, ohne zu stocken.

Etwa jeder hundertste Mensch stottert, mehr Männer als Frauen. Über die Ursachen wissen Forscher noch relativ wenig. Stotternde Menschen haben im Vergleich zu Menschen, die nicht stottern, etwa dreimal so oft stotternde Verwandte. Vermutlich geben also Eltern die Veranlagung an ihre Kinder weiter. Während kleine Kinder bis zu Pubertät häufig wieder völlig flüssig reden, können Erwachsene zwar phasenweise ihr Stottern überwinden, müssen aber immer wieder mit Rückfällen rechnen.

Einige Stotterer meiden die Öffentlichkeit, meiden Worte, die sie nicht aussprechen können. Andere zieht es trotz Handicap an den Ort, wo gutes Ausdrucksvermögen besonders geschätzt wird: an die Universität.

"Dann hängt es. Das dauert. Das dauert ewig" - Josephine, Matthias und Eva erzählen über ihre Nöte im Studium

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1. wer wagt, gewinnt.
rizzo 14.07.2010
Zitat von sysopWer stottert und sich trotzdem an die Uni wagt, muss viel aushalten. Jedes Referat wird zur Tortur, manche Dozenten raten sogar, den Campus zu verlassen. Drei Stotterer erzählen, mit welchen Tricks sie sich überlisten - und warum das Studium sie selbstbewusster gemacht hat. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,701597,00.html
Nunja, vieleicht auch nicht, man stößt dort oft auch auf Verständnis und für manche wirkt gerade die Konfrontation mit dem Problem wie eine Therapie. Ich selbst war früher Stotterer, während des Studiums legte sich das, ohne Therapie. Inzwischen bin ich Rechtsanwalt. Außer ganz gelegentlichen "Holperern" in Stressituationen bin ich vollständig "geheilt" (Die fallen aber anderen auch gar nicht auf, sondern nur mir selbst). Aber auch ohne "Spontanheilung" muss Stottern kein Karrierekiller sein. Vor einiger Zeit saß ich bei Vertragsverhandlungen in einer Runde u.a. mit dem Justiziar eines großen Untermehmens. Ich staunte nicht schlecht, als ich merkte, dass er ein starker Stotterer war. Aber am Ende zählten eben auch hier die Argumente, und nicht die Geschwindigkeit, in der sie vorgetragen wurden.
2. .
Kanzla87 14.07.2010
Für beide Parteien nicht einfach, das mit dem Stottern. Ich hatte mal eine Friseurin, die auch stotterte. Gerade in einem solch kommunikativen Beruf sicherlich eine große Herausforderung. Anfangs wusste ich nicht, wie ich richtig damit umgehen sollte, aber das hat sich mit der Zeit gut eingespielt... Gibt es medizinisch schon Hinweise, woran das Stottern liegt? Psychologisch eventuell?
3. stimme
air plane 14.07.2010
ein anderes, leider viel zu wenig beachtetes manko: eine leise, nicht modulierbare stimme. ein alptraum für jeden referenten. ständig die "lauter, lauter" zwischenrufe, dabei kann man aber gar nicht lauter. das ist, als ob man einem gehbehinderten zuruft, er solle schneller laufen. leute mit schwacher stimme aufgrund von stimmbandproblemen haben dazu dann auch noch schnell das image vom schüchternen leisetreter ohne selbstbewusstsein und ohne durchsetzungskraft weg. die besten argumente inhaltlich zählen nichts, wenn der "brustton der überzeugung" beim vortragen fehlt (siehe z. b. politiker wie altkanzler gerhard schröder, excellente stimme; was er sagt, ist eigentlich egal, man glaubt ihm und assoziiert kompetenz). das ist auf dauer extrem frustrierend.
4. Stottern
olafurO 14.07.2010
Ein sehr intersantes Thema und besten Dank dass Sie das bearbeitet haben. Ich habe als Kind und junger Mensch sehr viel gestottered, und dieses Gefühl "Als ob dir jemand die Luft abschnürt" kenne ich sehr gut. Ich habe aber mit ungefähr 20-22 Jahren das Problem in griff bekommen, zuerst damit dass ich "autgenes Training" angefangen habe und später auch Joga. Ich bin heute 59 und es kommt eventuell par mal im Jahr vor das ich erkenne das ich Probleme mit einem Satz haben werde, ich kann es aber gut beherschen und überspielen. Ich weiss naturlich nicht ob diese Technik für alle richtig ist, ich wollte nur mitteilen dass es mir nicht nur geholfen hat, es hat mein Leben vollkommen verändert. Heute ist öffentlich vorzulesen mein Tägliches Brot, das wäre früher vollkommen unmöglich gewesen. Grüße Olafur
5. Stottern ist eine Behinderung
teutoniar 14.07.2010
Daß Stotterer ihre Behinderung sich selbst gegenüber nicht als Behinderung anerkennen wollen, kann ich verstehen. Man liest das überraschend oft. Dennoch muß man sagen, daß es sich hierbei um eine Behinderung handelt, und zwar um eine gravierende. Ich sage immer: Jemand mit einem amputierten Bein ist weniger behindert als ein starker Stotterer, der sich nicht ins Leben traut.
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