Studentenproteste in Kanada: Unis sollen höhere Gebühren wettmachen 

Seit Monaten protestieren Studenten im kanadischen Québec gegen höhere Studiengebühren. Jetzt haben sie sich mit der Regierung geeinigt: Die Unis sollen die massive Erhöhung aus eigener Tasche ausgleichen. Die Streiks gehen trotzdem erst mal weiter.

Gewaltsame Proteste: Am Freitag gerieten Polizei und Studenten in Québec aneinander Zur Großansicht
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Gewaltsame Proteste: Am Freitag gerieten Polizei und Studenten in Québec aneinander

Kanadische Studenten haben wochenlang massiv gegen höhere Studiengebühren protestiert und stundenlang mit der Regierung der Provinz Québec verhandelt - am Wochenende erreichten sie schließlich eine Einigung. Demnach sollen die Studiengebühren in den kommenden sieben Jahren wie geplant jährlich um 254 kanadische Dollar (195 Euro) steigen. Gleichzeitig sollen die Universitäten aber ihre eigenen Gebühren um den gleichen Betrag senken.

Studenten zahlen in Québec jährlich rund 600 Euro zusätzlich an die Hochschulen, unter anderem für Verwaltung und nicht-akademische Angebote, berichtete die kanadische Tageszeitung "The Globe and Mail". Eine Kommission aus Studenten, Lehrern, Hochschulleitern und Politikern soll in den kommenden Monaten ermitteln, wo die Universitäten sparen können.

"Das Gute ist, dass die Rechnung für die Studenten nicht steigt", sagte Gabriel Nadeau-Dubois von der Studentenbewegung CLASSE, die in der französischsprachigen Provinz im Osten Kanadas mehr als die Hälfte der rund 170.000 streikenden Studenten vertritt. Das Ergebnis zeige, dass der Streik nicht umsonst gewesen sei.

Die Abmachung soll die Hochschulen zum Sparen zwingen und der Regierung ermöglichen, ihr Haushaltsloch zu stopfen. "Es gibt eine Einigung. Alle sind erleichtert", sagte Québecs Premierminister Jean Charest am Samstag. Die Studiengebühren sind in Québec mit derzeit umgerechnet knapp 1700 Euro pro Jahr deutlich niedriger als in anderen Teilen Kanadas und in den USA.

Der Anfang vom Ende der Streiks

Seit Mitte Februar boykottieren Studenten den Hochschulunterricht in Québec, um gegen höhere Gebühren zu streiken. Am Freitag waren die Proteste in Gewalt ausgeartet. Mehr als 2000 Demonstranten, darunter Studenten, Professoren und Gewerkschafter, waren zunächst friedlich durch die Stadt Victoriaville rund 170 Kilometer östlich von Montréal gezogen, wo eine Versammlung der in der Provinz regierenden Liberalen Partei Québecs (PLQ) stattfand.

Vor dem Tagungsort gerieten Polizisten und gewalttätige Demonstranten aneinander. Letztere griffen das Kongresszentrum mit Wurfgeschossen an, zerstörten Fenster und durchbrachen die Absperrungen vor dem Gebäude. Die Polizei versprühte Reizgas. Neun Menschen kamen ins Krankenhaus, mehr als hundert wurden festgenommen.

Bei den Krawallen erblindete ein junger Mann auf einem Auge, wie Ärzte mitteilten. Ein anderer Student erlitt nach Angaben von Augenzeugen schwere Schnittwunden am Ohr. "Die Polizisten haben die nötige Gewalt angewendet, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten", sagte der Chef der Provinzpolizei, Jean Finet, am Samstag. Das Treffen der PLQ war aus Angst vor Studentenprotesten extra von Montréal nach Victoriaville verlegt worden.

Studentenvertreter kündigte an, dass die Streiks trotz der Einigung fortgesetzt werde, bis das Ergebnis von allen geprüft worden sei. "Das ist nicht das Ende des Streiks. Es ist der Anfang vom Ende des Konflikts", sagte Studentenvertreter Martine Desjardins.

son/AFP

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1. Falsch informiert lieber Spiegel
sylvie_krauss 15.05.2012
Der Streik der Studenten ist keinesfalls beendet - im Gegenteil: nahezu alle Studentenvertretungen haben das "Angebot" der Regierung massiv und klar zurückgewiesen. Und zurecht, denn die Regierung versucht die Studenten und die gesamte Bevölkerung an der Nase herumzuführen. Mangelnder Respekt gegenüber einer gesamten Generation ruft nun immermehr Frust hervor. Nicht nur die Studenten sondern auch "normale Berufstätige" gehen inzwischen auf die Strasse, um gegen eine korrupte, verlogene, respektlose Regierung zu protestieren und ihren Rücktritt zu fordern. Und um eines hier richtigzustellen: gewaltätig sind in erster Linie die Polizeikräfte, nicht die Demonstranten ! Bitte informieren Sie sich besser, ich empfehle Ihnen französischsprachige Zeitungen, Le Devoir oder La Presse. Vielen Dank !
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