Privathochschule EBS: Der Ex schlägt zurück

Von Heike Sonnberger

Eigentlich hatte er seine Kündigung schon akzeptiert. Doch jetzt bricht der Streit zwischen der Privathochschule EBS und ihrem Ex-Präsidenten Christopher Jahns wieder auf: Die Hochschule habe falsch gespielt, sagt Jahns - und will sich zurück ins Amt klagen.

Ehemaliger EBS-Präsident Jahns: "Arglistig getäuscht worden" Zur Großansicht
dapd

Ehemaliger EBS-Präsident Jahns: "Arglistig getäuscht worden"

Die European Business School (EBS) ist eine private Hochschule für Wirtschaft und Recht, die in Wiesbaden und Oestrich-Winkel "Menschen inspirieren und Persönlichkeiten gestalten" will. So steht es auf ihrer Webseite nachzulesen. Die EBS sieht sich als Ausbildungsstätte für Spitzenkräfte - doch das Selbstbild der elitären Kaderschmiede hatte unter Finanzproblemen und Personalquerelen im Jahr 2011 stark gelitten.

Dafür sorgte besonders das anhaltende Hickhack um die Personalie Christopher Jahns, ehemaliger Präsident der EBS, und seinem unfreiwilligen Abschied aus der Leitung der Hochschule. Nun sieht es so aus, als geht die Fehde zwischen Jahns und seinen Nachfolgern in eine neue Runde.

Mehrere Kündigungen hatte die EBS bereits im April 2011 gegen ihren Chef ausgesprochen. Ihm wurde vorgeworfen, einen Dienstwagen mit Fahrer privat genutzt und Geld der Hochschule veruntreut zu haben. Jahns wehrte sich dagegen vor Gericht und stimmte schließlich einem Vergleich zu: Er schied gegen eine Abfindung von 380.000 Euro aus dem Amt.

Davon will Jahns, Anfang 40, nun aber nichts mehr wissen: Er ficht den Vergleich vom September 2011 an und will sich zurück auf den Präsidentenposten klagen. Die EBS habe dem Gericht wichtige Dokumente vorenthalten, teilte Jahns Sprecher Dirk Metz am Freitag mit. Daraus gehe hervor, dass die Hochschule bereits seit Anfang 2010 wusste, dass Jahns den Dienstwagen und Fahrer auch privat in Anspruch nahm - und nicht, wie behauptet, erst einige Tage vor der Kündigung davon erfuhr.

Jahns habe deswegen vergangene Woche Anzeige gegen EBS-Geschäftsführer Georg Garlichs wegen Prozessbetrugs erstattet. "Mein Mandant ist - wie natürlich auch das Gericht - arglistig getäuscht worden", teilt Jahns Sprecher dazu mit. Auf den Vergleich habe sich Jahns nur eingelassen, weil er keinen Zugriff auf die Beweismittel gehabt habe. Er sei bis heute arbeitslos und werde die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft ziehen. "Zugleich wird er alles tun, um seine Reputation wiederherzustellen." Ob Jahns mit dem Vorwurf auch Schadensersatzforderungen verbinde, wollte der Sprecher nicht sagen.

EBS-Sprecher: Jahns' Forderungen sind "unverfroren"

Die Hochschule wehrte sich gegen die Darstellung, dass die private Nutzung des Dienstwagens für die Kündigung ausschlaggebend gewesen sei. Das sei nur einer von vielen Gründen gewesen, sagte EBS-Sprecher Martin Bommersheim. Jahns' Vorwürfe und die Forderung, weiter an der EBS beschäftigt zu werden, nannte die Hochschule "unverfroren und rechtlich haltlos".

Jahns steht auch im Verdacht, Rechnungen von Firmen, an denen er selbst beteiligt war, mit Geld der Hochschule beglichen zu haben. 180.000 Euro soll er von der EBS ohne Gegenleistung an die Firmen transferiert haben. Er wurde im April vor einem Jahr vorübergehend festgenommen, die Staatsanwaltschaft Wiesbaden erhob Anklage wegen möglicher Untreue. Das Verfahren vor dem Wiesbadener Landgericht läuft noch. Jahns hat die Vorwürfe stets zurückwiesen.

Er beschuldigt seinerseits die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, ihn in der Öffentlichkeit vorverurteilt und ihm damit "schweren sozialen und beruflichen Schaden zugefügt" zu haben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte sich den Medien gegenüber wiederholt zu dem Fall geäußert. Jahns fordert deshalb nun Schadenersatz vom Land Hessen. Die mündliche Verhandlung sei für den 28. November angesetzt, teilte das Landgericht Wiesbaden mit.

Das Image der EBS ist schwer ramponiert. Vor einem Jahr hatte das Land Hessen mehrere Hunderttausend Euro Fördergeld von der EBS zurückgefordert, weil sie die Beträge nicht ordentlich abgerechnet und eingesetzt haben soll. "Es kostet noch viel Zeit und Arbeit, wieder Vertrauen herzustellen", hatte der neue Präsident Rolf Cremer im Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es ist unglaublich, wie hier von Seiten der Staatsanwaltschaft Wiesbaden vorgegangen
MeineMeinungist... 11.08.2012
Seit 16 Monaten liegt ein Unschuldsbeweis der angeblichen Dienstwagenaffäre bei der Staatsanwältin Türmer. Diese hatte versucht dem Beschuldigten Prof. Jahns und seinem RA Prof. Dierlamm eine Einsichtnahme mit juristischen Winkelzügen zu verwehren. Trotz des Wissen um die ganzen Vorgänge besaß sie die Unverfrorenheit in der Sache Dienstwagenaffäre, weitere Anklagen gegen Prof. Jahns vorzubereiten und vorzutragen. Ein unglaublicher Vorgang in der Rechtsgeschichte der Bundesrepublik. Erst ein Richter hatte den Mut, die Unterlagen, die der Staatsanwaltschaft seit langem vorlagen, anzufordern und Prof. Jahns sowie Prof. Dierlamm zur Einsichtnahme vorzulegen. Es schaudert mich, welche Macht und Willkür von einer Staatsanwaltschaft ausgehen kann. In diesem Fall sind m. E. die Grundrechte mit Füssen getreten worden. Um weiteren Schaden von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden abzuwenden muss der Justizminister von Hessen endlich ein Machtwort sprechen und diesem Spuk ein Ende bereiten. Das ganze Verfahren gehört jetzt in die Hände einer unabhängigen Justiz, die auch ihren Namen zu Recht trägt und nicht an einen Klüngelverein von Staatsanwälten, wo eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Es gibt in diesem Fall nur Verlierer. Ein Beklagter der sich rechtlich gesehen nichts hat zu Schulden kommen lassen. Eine Uni die mit ihren Stundenten und Mitarbeitern am Abgrund angelangt ist (vielleicht schon darüber). Eine Staatsanwaltschaft, die in Misskredit geraten ist. Politiker, die nicht frühzeitig gehandelt haben. Eine Stadt, die an Ansehen verloren hat. Intrigante Mitarbeiter, die sich auf Schadenersatzklagen in Millionen Höhe einstellen müssen. Ein Kanzler der Universität, dem arglistische Täuschung nach den vorliegenden Berichten unterstellt wird. Ein Präsident der Universität, der überfordert scheint und dem erhebliche Einnahmen von Sponsoren weggebrochen sind. Der Steuerzahler, der einen erheblichen Anteil der durch Staatsanwälte verursachten Kosten zahlen muß. Die Familien aller Beteiligten. Nicht zuletzt auch Journalisten, die der nachgeplapperten tendiziellen Berichterstattung einen Bärendienst erwiesen haben. Ich kann nur hoffen, dass die Hintermänner und -Frauen alle zur Rechenschaft gezogen werden und dass sich so etwas nicht so schnell wiederholen wird. Sehr bedrohlich finde ich auch die Tatsache, dass durch Intigranten es ermöglicht wurde, einen Menschen für wenige Stunden in Haft zu nehmen und was in letzter Konsequenz daraus entstanden ist. hbommy
2. langsamwach
zberg 11.08.2012
ja,ja unsre eliten. kaum sind die kassen leer verlieren diese anstand und nerven und bieten aufschlußreiche einblicke in den verlogenen wissenschaftsbetrieb übrigens mit spiegelveröffentlichungen und leserbriefen kann man keinen prozeß gewinnen
3. EBS und andere Kaderschmieden für Eliten
peter.bonin@yahoo.de 11.08.2012
Wann kommt man in DE einmal zur Vernunft und schafft diese Kaderschmieden einfach ab. An der EBS studieren können nur die Herrschaften, bei denen die Eltern einen dicken Geldbeutel haben - vollkommen Wurscht, wie beschränkt ihr Horizont auch sein mag. Und stehen diese dann in Lohn und Brot fördern sie über ihr "Netzwerk" andere Absolventen; reiner Nepotismus ! Und schauen wir uns dann unsere Eliten in Politik und Wirtschaft an, kommt man wahrlich nicht zu dem Schluss, dass hier die Besten an der Spitze stehen ;-) Also, her mit den öffentlichen Hochschulen und dann richtiger Wettbewerb; dann zeigt sich recht schnell, wer etwas auf dem Kasten hat .... und wer eben nicht. Das Beispiel von "zu Guttenberg" sollte uns allen zu denken geben.
4.
grubbi 12.08.2012
Zitat von peter.bonin@yahoo.deWann kommt man in DE einmal zur Vernunft und schafft diese Kaderschmieden einfach ab. An der EBS studieren können nur die Herrschaften, bei denen die Eltern einen dicken Geldbeutel haben - vollkommen Wurscht, wie beschränkt ihr Horizont auch sein mag. Und stehen diese dann in Lohn und Brot fördern sie über ihr "Netzwerk" andere Absolventen; reiner Nepotismus ! Und schauen wir uns dann unsere Eliten in Politik und Wirtschaft an, kommt man wahrlich nicht zu dem Schluss, dass hier die Besten an der Spitze stehen ;-) Also, her mit den öffentlichen Hochschulen und dann richtiger Wettbewerb; dann zeigt sich recht schnell, wer etwas auf dem Kasten hat .... und wer eben nicht. Das Beispiel von "zu Guttenberg" sollte uns allen zu denken geben.
Im Rheingau sieht man sie dann, die reichen Schnösel mit ihren von Papi gekauften Porsches, 3 iPads unter dem Arm und glatt gegelten Haaren in den Restaurants sitzen und telefonieren oder auffällig laut und unangenehm sein. Diese EBS ist eine widerliche Ansammlung von Stereotypen aus der Oberschicht, die hier den Reichtum ihrer Eltern mit Arroganz und gerümpfter Nase zur Schau tragen. Es gibt doch so tolle elitäre Städte wie Berlin, Hamburg oder München, wiese muss diese Ansammlung von Schnöseln den schönen Rheingau verunstalten?
5. Sozialneid
Urban Spaceman 12.08.2012
Wie kann man eigentlich auf die Idee kommen, dass man private Hochschulen abschaffen muss? Die öffentlichen sind ohnehin überfüllt. Private Hochschulen und auch Schulen sind eine Alternative zum öffentlichen System und genießen auch Schutz, solange sie die Standards einhalten. Über den derzeitigen Status der EBS kann ich nichts sagen. Dass man sich da "beschränkte" Kinder reicher Eltern einen Studienplatz kaufen konnten, ist schlicht falsch. Eine Aufnahme erfolgte nur nach einer ziemlich rigiden Prüfung. Einer meiner Verwandten hat bei der EBS studiert und auch sein Examen dort abgelegt. Der hat ein IQ von 150 und immer nur Höchstleistung gebracht. Muss der sich jetzt genieren, weil er einen reichen Vater hatte? Der Beitrag von "grubbi" ist unterste Schublade und hetzerisch. Wieso erwähnt er in seiner Aufzählung "elitärer" Städte nicht Frankfurt? Ich besitze Grundstücke im Rheingau. Wenn er schon glaubt, dass der Rheingau, den ich seit meiner Kindheit gut kenne von irgend welchen Leuten "verunstaltet" wird, dann kommen die eher aus Frankfurt. Aber solche Stereotypen sind Unsinn.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Business Schools
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
"Universitätsstadt": Wiesbaden erhält private Jura-Schmiede