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Strenge Bundeswehr: Plagiatoren, wegtreten!

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Verteidigungsminister Guttenberg will im Amt bleiben - obwohl die Uni Bayreuth seinen Doktortitel kassiert hat. Härter trifft es Studenten an den Bundeswehr-Unis: Wer dort schummelt, muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen. In mehreren Fällen wurden Abschreiber degradiert.

Soldaten beim Beförderungsappell: An Bundeswehrunis herrscht ein strenges Regiment Zur Großansicht
dapd

Soldaten beim Beförderungsappell: An Bundeswehrunis herrscht ein strenges Regiment

Nur mit den besten Erinnerungen blicke er auf seine Zeit beim Bund zurück, hat Karl-Theodor zu Guttenberg einmal gesagt. Von der Kameradschaft bei den Gebirgsjägern in Mittenwald schwärmte er und von der "sehr professionellen, fundierten Ausbildung".

Zwar weist ihn sein Lebenslauf als Stabsunteroffizier der Reserve aus, aber für eine militärische Karriere oder ein Studium an einer Bundeswehr-Uni war die Begeisterung dann doch nicht groß genug. Und das ist - mit Blick auf die Copy-und-Paste-Affäre - ein Glück für Guttenberg.

Denn mit Plagiatoren geht die Bundeswehr alles andere als zimperlich um.

Sprecher beider Bundeswehr-Universitäten bestätigten, dass Schummler mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen - und dass es solche Fälle bereits gegeben hat.

So wurde ein Oberleutnant, der an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg studiert hatte, degradiert, nachdem er als Plagiator aufgeflogen war. Er hatte den Angaben des Sprechers zufolge während seines Grundstudiums weite Teile einer Seminararbeit abgeschrieben. Der Schein für diese Arbeit galt als Prüfungsleistung und Voraussetzung zum Vordiplom. Als das nach Ende seines Studiums herauskam, wurde der inzwischen beförderte Offizier zurückgestuft zum Leutnant. Dieses Vorgehen sei vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden, sagte der Sprecher. Der Fall liegt einige Jahre zurück.

Es kommt auf die Schwere der Täuschungsversuche an

An der Bundeswehr-Universität in München habe es einen ähnlichen Fall gegeben, sagte ein Sprecher: Vor etwa zwei Jahren ist demnach ein Soldat im Dienstgrad zurückgestuft worden, weil er bei einer Arbeit geschummelt habe. Allerdings geschehe das nur in schweren Fällen. Normalerweise würden akademische Regelverstöße auch nur akademisch geahndet - etwa damit, dass eine Prüfung als nicht bestanden gilt. Ähnlich ist es in Hamburg: Es komme auf die Schwere der Täuschungsversuche an.

An den Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München studieren Soldaten. Allerdings sind deren Professoren keine dienstrechtlichen Vorgesetzten. Wenn es zu Degradierungen kommt, muss der Verstoß so schwer wiegen, dass die akademischen Mitarbeiter die militärische Ebene informieren. Der Sprecher der Hamburger Bundeswehr-Universität vergleicht es mit dem Öffentlichen Dienst: "Für bestimmte Laufbahnen brauchen Sie bestimmte Abschlüsse." Wenn ein Uniabschluss aberkannt würde, könne das Auswirkungen auf die Laufbahn haben.

Für sich selber strebt der Minister offensichtlich eine andere Lösung an: Obwohl ihm die Universität Bayreuth den Titel mittlerweile aberkannt hat, will er sein Amt weiter ausüben - auch wenn die Opposition ihn im Bundestag scharf attackiert. Im Parlament hat Guttenberg am Mittwoch erneut jede Täuschungsabsicht bestritten.

Die Empörung über Guttenbergs Vorgehen ist auch an den Hochschulen groß, die Kritik wird immer lauter. Betrugsfälle dürften "nicht verharmlost" werden, sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel: "Es handelt sich um schwerwiegende Vergehen, die entsprechende Konsequenzen haben müssen." Der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter sagte, Guttenberg habe wohl selbst mit der Entziehung des Doktortitels gerechnet und deshalb auf den Titel verzichtet - eine reine Scheinmaßnahme, so Falter in der "Passauer Neuen Presse": "Man kann sich nicht entpromovieren."

Uni gibt Entscheidung bekannt

Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann, gab am Mittwochabend bekannt, dass die Hochschule Guttenberg den Doktorgrad aberkennt. Bormann sagte, Guttenberg habe "wissenschaftliche Standards objektiv nicht eingehalten". Die wörtliche und sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens.

Die entscheidende Frage, nämlich ob es sich bei der Doktorarbeit des Ministers um ein Plagiat handelt, ließ Bormann bewusst unbeantwortet. Man habe die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes dahinstehen lassen können. "Wir brauchen nicht zu prüfen, ob die ganze Arbeit ein Plagiat ist", sagte der Uni-Präsident wörtlich.

Guttenberg hatte in einem Brief an die Universität zuvor bereits "gravierende handwerkliche Fehler" beim Verfassen seiner Dissertation eingeräumt. Am Mittwoch tagte bereits die Promotionskommission der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Hochschule.

Zumindest die Öffentlichkeit reagiert nachsichtig auf die Angelegenheit. Der CSU-Mann Guttenberg hat einer Umfrage zufolge durch seine Doktortitel-Affäre nichts an Beliebtheit in der Bevölkerung eingebüßt. Im Gegenteil: 73 Prozent seien mit seiner politischen Arbeit zufrieden - zu Monatsbeginn seien es 68 Prozent gewesen, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für die ARD-Sendung "Hart aber fair". 72 Prozent seien der Ansicht, dass Guttenbergs Verzicht auf den Doktorgrad ausreiche, um sein Ministeramt weiterzuführen. 24 Prozent finden, er müsste zurücktreten.

Im Bundestag wies Guttenberg Rücktrittsforderungen zurück und bestritt erneut jede Täuschungsabsicht. Den Untergebenen an den Bundeswehruniversitäten würde eine solche Erklärung nicht helfen.

Mit Material von dpa

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1. Das
Hovac 23.02.2011
sind ja auch nur normale Menschen und keine in transatlantischen Bündnissen verstrickte Adlige mit der Berufung zur Durchsetzung von Kapitalinteressen.
2. Äpfel und Birnen
noeufmaison 23.02.2011
Zumindest in rechtlicher Hinsicht vergleicht der Artikel Äpfel mit Birnen. StudentInnen der Bundeswehrhochschulen studieren im Rahmen ihres Soldatenverhältnisses und unterliegen in diesem Verhältnis auch den Vorschriften des Soldatengesetzes. In diesem Rahmen - und nur in diesem Rahmen - kann ein Verstoß gegen universitäre Bestimmungen - wie etwa das Plagiieren - zugleich einen Verstoß gegen soldatische Bestimmungen darstellen, der disziplinarrechtlich geahndet werden kann. Bundesminister unterliegen derartigen Rechtsnormen - wie sie etwa auch für Polizeianwärter oder solche des gehobenen Dienstes gelten -nicht. Dies sagt indes nichts über eine moralische Vergleichbarkeit aus.
3. -
Willie, 23.02.2011
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg will seinen Doktortitel abgegeben - dafür aber im Amt bleiben. Härter trifft es Studenten an den Bundeswehr-Unis: Wer dort schummelt, muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen. In mehreren Fällen wurden Abschreiber degradiert. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747293,00.html
Das betrifft ja auch wieder nur jene dort, die beim schummeln erwischt werden. Guttenberg war aber an keiner BW Uni, sondern auf einer zivielen Univerisaet, die offensichtlich keine Schummelei entdeckt hat, sondern seine Arbeit fuer so gut hielt, dass sie ihm gar noch ein scl dafuer gab. Also etwas ganz anderes. Bleibt noch die Frage welche Aussage genau in welchem der abgeschriebenen Texte denn nun auschlagend fuer das scl war. Das wuerde mich mal interessieren. Denn wenn die abgeschriebenen Texte dafuer irgendwie relevant sind, dann muss das auch aufgezeigt werden koennen. Meiner Meinung nach.
4. Sauerei
xp447 23.02.2011
Na und - wer kein Dienstgrad hat kann auch nicht degradiert werden. Irgendwann muss auch mal Schluss sein - wirkt langsam richtig erbärmlich wie hier wirklich noch versucht wird dieses Thema am Leben zu halten.
5.
Hans58 23.02.2011
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg will seinen Doktortitel abgegeben - dafür aber im Amt bleiben. Härter trifft es Studenten an den Bundeswehr-Unis: Wer dort schummelt, muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen. In mehreren Fällen wurden Abschreiber degradiert. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747293,00.html
Und noch eine Runde zum Thema Guttenberg? Die 11. glaube ich jetzt. Zu was soll man denn Guttenberg "degradieren"? Zum Freiherrlein? Die studierende Offiziere bzw. Offizieranwärter sind Soldaten, denen durch das Soldatengesetz ganz andere Rechtsnormen auferlegt werden als sie einem Abgeordneten oder Minister "auferlegt" werden. In der Bw gilt seit 1956 der disziplinare Grundsatz "Wer bescheißt, wird bestraft". Also, der Vergleich hinkt bzw. man vergleicht Glühbirnen mit Williams-Christ-Birnen. P.S. Den Ausdruck "degradieren" kennt die Wehrdisziplinarordnung übrigens nicht. Dort heißt es: http://bundesrecht.juris.de/wdo_2002/__62.html
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Guttenbergs Kehrtwende
Erst bezeichnete er die Vorwürfe als "abstrus", später gab er dann doch Fehler in seiner Doktorarbeit zu. Karl-Theodor zu Guttenberg hat in den vergangenen Tagen äußerst unterschiedliche Aussagen zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn gemacht. Eine chronologische Übersicht über die Kehrtwende des Ministers.
Schriftliche Erklärung am Mittwoch, 16. Februar:
"Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten, und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Und sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."
Mündliche Erklärung am Freitag, 18. Februar:
"Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung, und sie gab es auch nicht. Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden, und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.

Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth.

Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches, ich betone: ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.

Ich werde mir keine anderen Maßstäbe anlegen, als ich bei anderen angesetzt hätte. Jede weitere Kommunikation über das Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen. Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch. Wir stehen vor einer historischen Bundeswehrreform. Und ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis an dem heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt."
Rede bei einer CDU-Veranstaltung in Kelkheim am Montag, 21. Februar:
"Meine Damen und Herren, es hat ja so ein bisschen gemunkelt an der einen oder anderen Ecke: Kommt er denn überhaupt, drückt er sich? Soweit kommt es noch, meine Damen und Herren, dass man sich nach einem solchen Sturm drücken würde. Soweit kommt's noch. Und hier oben steht zu Ihrer aller Versicherung auch das Original und nicht das Plagiat (...).

Mir ist in diesen Tagen auch einfach noch mal wichtig zu sagen, dass ich nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen bin (...), sondern als Bundesminister der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland, als Freund, als Nachbar (...) und insbesondere als einer, der in diesen Tagen auch deutlich macht, dass eine oberfränkische Wettertanne solche Stürme nicht umhaut.

(...) Da verlässt man nicht irgendwelche Schiffe, sondern da bleibt man an Deck und hält die Dinge entsprechend durch, und wenn es gelegentlich etwas absurd wird, dann hält man die Dinge auch einfach aus. Auch das ist, glaube ich, eine Erwartungshaltung, die Sie an jemanden haben, der in Verantwortung steht. Und so soll's auch sein.

Ich möchte das Thema gerne aufgreifen, weil es dieser Tage doch sehr, sehr interessiert, und ich weiß, dass man auch den Anspruch hat, dass jemand, der sich in die Öffentlichkeit begibt, dann auch in der Öffentlichkeit zu gewissen Dingen Stellung nimmt.

Und ich mache das mit großer Freude und von Herzen gerne vor Ihnen heute Abend - und nicht alleine vor der Hauptstadtpresse in Berlin. Sondern bewusst und gerne vor Ihnen, weil dieser Bezugspunkt, glaube ich, einer ist, der deutlich macht, dass uns die Öffentlichkeit als Öffentlichkeit wichtig ist. Und dass Sie erfahren können aus erstem Munde, was mir am Herzen liegt und in meinen Augen mitteilenswert ist und Sie nicht erst wieder durch Kommentierung letztlich erreicht. (...)

Ich habe in der - wenn man so will: "Affäre" um Plagiat: ja oder nein - an diesem (...) besonders gemütlichen Wochenende mir auch die Zeit nehmen dürfen, nicht das zu lesen und anzusehen, was da alles so geschrieben wurde und gesendet wurde, sondern mich auch noch einmal mit meiner Doktorarbeit zu beschäftigen. Ich glaube, dass war auch geboten und richtig, das zu tun. Und nach dieser Beschäftigung, meine Damen und Herren, habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde.

Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen. Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht, ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren: Wie konnte das geschehen? Und wie konnte das passieren?

Und so ist es, nach einem Blick, den man zurückwirft, dass man feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der ein oder anderen Stelle, an der ein oder anderen Stelle auch zu viel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.

Das ist eine Feststellung, die darf man treffen, und die muss man treffen. Und dann gibt es ganz besonders peinliche Beispiele dabei, etwa dass die "Frankfurter Allgemeine" so prominent in der Einleitung einer Doktorarbeit erscheint, das ist im Umfeld von Frankfurt am Main natürlich eher schmeichelhaft, meine Damen und Herren, aber es ist weniger schmeichelhaft in einer Doktorarbeit.

Und das sind selbstverständlich Fehler. Und ich bin selbst auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Und deswegen stehe ich auch zu diesen Fehlern. Und zwar öffentlich zu diesen Fehlern, meine Damen und Herren. Und ich bin auch ganz gerne bereit, dies in die hier stehenden Kameras zu sagen, die ja de facto heute hier wegen einer Kommunalwahl gekommen sind.

Und ich sage ebenso und mit der notwendigen (...) und mir in diesen Tagen gerne abgesprochenen Demut (...), dass ich mich von Herzen bei all jenen entschuldige, die ich mit Blick auf die Bearbeitung dieser Doktorarbeit verletzt habe. Das ist eine Entschuldigung, die von Herzen kommt und die als solche auch zu sehen ist. (...)

Die Entscheidung, meinen Doktortitel nicht zu führen, schmerzt, insbesondere wenn man sechs, sieben Jahre seines Lebens daran gearbeitet hat und insbesondere wenn man weiß, was die Familie da auch durchgemacht hat. Ich kann auch eines sagen: Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, weil: Ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe. Ich habe sie selber geschrieben. (...)

Von daher ist das eine schmerzliche Entscheidung. Aber es ist eine wichtige Entscheidung, weil es auch gleichzeitig darum geht, dass man auch bereits eingetretenen Schaden, etwa für eine Universität, eingetretenen Schaden beim honorigen, hochgeschätzten Doktorvater, beim Zweitkorrektor zu begrenzen weiß. (...)

Dass wir am vergangenen Freitag in der Bundesrepublik, wenn man den Fernseher eingeschaltet hatte oder wenn man sich am nächsten Tag die gesamte Medienlandschaft in diesem Land angesehen hat, den Hauptaugenmerk mit Sondersendungen und allem Pipapo auf die gegebenen oder nicht gegebenen Fußnoten in einer ministeriellen Doktorarbeit gelegt haben und gleichzeitig der Umstand, dass in Afghanistan drei Soldaten gefallen sind und zehn Soldaten mitunter schwer verwundet worden sind und immer noch zwei mit dem Leben ringen, dieser Umstand zur Randnotiz verkommen ist, ist in meinen Augen kein wirkliches Beispiel für exzellenten Journalismus."

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Die Plagiats-Affäre

Sollte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktreten?

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Software gegen Plagiate: Was taugen die Schummel-Schnüffler?

Plagiate - wissenschaftliches Diebesgut
Veröffentliche oder verrecke
"Copy & paste" gilt als Trendsport bei Studenten, die sich Seminar- oder Abschlussarbeiten mitunter aus dem Internet zusammenräubern. Wie sauber aber arbeiten Professoren? "Publish or perish" verlangt die akademische Tradition: Als erfolgreich gilt, wer viele bedeutsame Fachartikel veröffentlicht. Da können auch gestandene Hochschullehrer der Versuchung erliegen, Ideen oder Texte zu klauen.
Sünder im Verborgenen
Geistiger Diebstahl bleibt der Natur der Sache nach verschwiegen und wird nur ausnahmsweise aufgedeckt. Vor allem das Internet verlockt als unendliches Dokumentengrab Hochschullehrer wie Studenten zu Grabräubereien. Heraus kommt das am ehesten durch Bestohlene, die auf den Widerhall ihres Werkes achten, oder Kollegen im selben Arbeitsbereich, häufig belesene Doktoranden. Immer wieder werden schlechte Beispiele von wissenschaftlichen Promis bekannt: aus der Philosophie und Theologie, der Mathematik und Medizin, den Rechts- wie den Wirtschaftswissenschaften.
Spielarten des geistigen Diebstahls
Ein Plagiat ist genaugenommen die geklaute Kopie eines fremden Textes, ohne Angabe der Fundstelle - von einzelnen Passagen bis zu kompletten Texten. Schwerer nachweisbar ist der bloße Ideenklau im kollegialen Austausch. Im Hochschulbetrieb ist anonymes Ghostwriting für einen anderen unzulässig, aber kaum auszurotten. Alles andere als selten ist auch die bloße "Ehrenautorschaft" eines Chefs, der sich von seinen Wasserträgern, den wahren Autoren, huckepack nehmen lässt, obwohl er bei der Publikation selbst keinen Finger gerührt hat - nach der alten Devise "Der Geist des Instituts schreibt immer mit".

Bernd Wegner, Chefredakteur des internationalen "Zentralblatt MATH", erzählt SPIEGEL ONLINE Beispiele aus dem schmuddeligen Nähkästchen der Naturwissenschaften: "Unabgeschlossene Diskussionsbeiträge, Pre-Prints, von einer öffentlichen Internetplattform kopieren und dann damit schneller als der wahre Autor in Druck gehen; oder als Gutachter fremde Arbeiten ablehnen und die dann selber, natürlich 'verbessert', zur Veröffentlichung einreichen; oder eine Arbeit auf Russisch in englischer Version als Innovation zu verkaufen - das sind die wirklich harten Fälle!"

Amtliche Aufklärung
An manchen Hochschulen werden studentische Prüfungsschriften automatisch mit einer handelsüblichen Plagiat-Software durchleuchtet. An jeder Hochschule gibt es einen Ansprechpartner für wissenschaftliches Fehlverhalten, außerdem einen bundesweit tätigen Wächterrat (www.ombudsman-fuer-die-wissenschaft.de). Diese Prüfstellen zielen auf eine gütliche Einigung zwischen den Streitparteien. Ansonsten steht der Rechtsweg offen, ein Hinweis an den Disziplinarvorgesetzten eines Hochschullehrers und eine Straf- oder Betrugsanzeige bei der Polizei.
Der Schaden der Opfer
Der geistige Dieb betrügt an zwei Stellen - dort, wo er klaut, und dort, wo er den Text weiter verhökert. Der wahre Autor oder sein Verlag können gerichtlich durchsetzen, dass als Buch veröffentlichtes Diebesgut nicht länger im Handel bleibt. Der Verlag, der das Plagiat zurückholen und vernichten muss, kann für seinen finanziellen Schaden den Plagiator selber haftbar machen. Es bleibt der immaterielle Schaden des Bestohlenen: Sein eigener Text, etwa eine Doktorarbeit, spukt oft im Internet unter dem Namen des Diebes weiter - und wird von ahnungslosen anderen mit der falschen Autorenangabe zitiert.
Strafen für die Täter
An der Uni Münster wurde 2009 ein Examenskandidat wegen Plagiats rechtskräftig exmatrikuliert. In Nordrhein-Westfalen müssen abschreibende Studenten mit bis zu 50.000 Euro Geldstrafe rechnen. Neuerdings verfolgen Staatsanwaltschaften plagiierte Doktorarbeiten "im öffentlichen Interesse", ganz ohne Anzeige eines Betroffenen; die Strafe liegt durchweg bei drei Monatsgehältern oder 90 Tagen Haft. Beamteten Hochschullehrern drohen Disziplinarstrafen von der (gängigen) Ermahnung bis zur (theoretischen) Entlassung aus dem Dienst, Angestellten böse Briefe von der Abmahnung bis zur außerordentlichen Kündigung. Gleichwohl gilt der geistige Diebstahl unter Professoren oft noch als Kavaliersdelikt. Deswegen ist noch niemand aus dem Deutschen Hochschulverband, der Standesvertretung der Uni-Dozenten, ausgeschlossen worden.
Weitere Infos
Zum Schutze der persönlichen Autorenrechte gelten an allen Hochschulen Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Rechtsprofessor Volker will neu auftauchende Missbrauchsfälle laufend auf einer eigenen Webseite dokumentieren: www.wissenschaftsplagiat.de