Student mit HIV: Leichtsinn des Seins

Von Christoph Wöhrle

Eine HIV-Infektion endet mit dem Tod - aber inzwischen kann der Ausbruch von Aids bei vielen Patienten über Jahrzehnte verhindert werden. Auch der Berliner Sozialpädagogik-Student Lars, 25, hat sich das Virus eingefangen, für immer. Man kann damit leben. Nur: Wie gut?

Lars mit Lektüre: Es geht nicht um Heilung, es geht um Hoffnung Zur Großansicht
Dawnin Meckel / Ostkreuz

Lars mit Lektüre: Es geht nicht um Heilung, es geht um Hoffnung

Vielleicht ist es in der Sauna passiert. Einer Schwulensauna, da geht es leicht: Flirt beim Schwitzen, und dann geht's ab ins Séparée, oft bevor man den Namen des anderen kennt. Alles eine Sache von Minuten. So genau kann Lars* also nicht sagen, von wem er es hat. "Klar habe ich mich meistens geschützt", sagt er. Aber eben nicht immer. Ohne Safer Sex kannst du dir was einfangen, das ist die Hypothek, die auf der Zwanglosigkeit liegt.

Und bei Lars ist es so gekommen.

Wenn er in einer Berliner Fachhochschule im Seminar sitzt, ist er ein Student unter vielen im sechsten Semester Sozialpädagogik. 25 Jahre alt, schmalbrüstig, Glatze, ein sorgfältig getrimmter Vollbart. Dazu Adidas-Shirt und enge Jeans. Heute steht Sozialrecht auf dem Lehrplan, 34 Leute sitzen im Raum. Von Zeit zu Zeit meldet sich Lars, sagt etwas, diskutiert. Er ist ein fleißiger Student mit guten Noten, und keiner hier ahnt, dass er HIV-positiv ist. Nur ein paar Kommilitonen aus seiner Lerngruppe wissen es.

Sollen sie doch denken, was sie wollen

Lars ist behütet aufgewachsen, in einem Kaff in Baden-Württemberg. Der Vater ist Klempnermeister, die Familie lebt auf dem Land. Sie haben viele Tiere: Hunde, Katzen, Pferde und Schildkröten. Mit den anderen Dorfkindern spielt Lars oft auf den Feldern und im Wald. Da ist das Leben noch sorglos und alle Bedrohung weit, weit weg.

Lars sitzt von Kindesbeinen an auf dem Pferderücken. Später wird er Dressurreiter. Er lässt sein Pferd durch die Manege trippeln und andere Kunststücke vorführen. Es ist ein bisschen wie Fahrradfahren lernen: Irgendwann fährt man freihändig. Lars trainiert jeden Tag drei Stunden und ist erfolgreich, gewinnt Turniere. "Mein Vater war so stolz, er hat mich immer zu den Wettkämpfen begleitet", erzählt Lars. Mit 16 hört er auf mit dem Sport. Er will ausgehen, trinken, rumknutschen - was Jugendliche eben so machen.

Da weiß er schon lange, dass er schwul ist. Mit 15 hat er es seiner älteren Schwester erzählt, ein Jahr später der Mutter und schließlich dem Vater. Vor dessen Reaktion hat er sich am meisten gefürchtet. Er sagt zu ihm ganz beiläufig etwas von seinem "Ex-Freund", und der Vater versteht sofort. Nimmt es locker auf, fragt ihn voller Neugier danach, wie das eigentlich genau funktioniert, wenn Männer sich lieben, so ganz praktisch. HIV kommt in dem Gespräch nicht vor.

Furcht vor Mitleid, das mit Ekel beträufelt ist

Im Dorf outet sich Lars zunächst nicht, aber so etwas macht schnell die Runde, spätestens als er mit dem Studium beginnt. Sollen sie doch denken, was sie wollen.

Lars lebt seine Sexualität, findet sein Leben aufregend, niemand, der ihm wichtig ist, schränkt ihn ein. 2003 macht er den ersten HIV-Test. Das Ergebnis: negativ. Er ist erleichtert. 2005 dann der nächste Check. Nach einer Woche kommt er ins Gesundheitsamt und wartet auf sein Ergebnis. Diesmal hat er Angst, so richtig. Er war in letzter Zeit öfter krank, bekam Herpes, hatte einen rötlichen Hautausschlag. "Ich hab irgendwie schon gespürt, dass ich es habe."

Er wird hereingerufen. Die Ärztin schaut ihn an, sehr direkt, sie nimmt eine Akte hoch und bittet ihn dann, mitzukommen. Da weiß er es. Denn beim letzten Mal schaute der Arzt nur auf eine Liste, suchte seine Nummer und sagte: alles okay.

Diesmal ist nicht alles okay. Die Ärztin nimmt ihn mit zu einer Sozialarbeiterin. Die soll ihn beruhigen und über die guten Behandlungsmöglichkeiten von HIV aufklären. So soll verhindert werden, dass sich Menschen etwas antun, die von ihrer Infektion erfahren.

"Ich lasse mir mein Leben davon doch nicht vermiesen"

Lars bleibt cool. Am nächsten Morgen erzählt er es seinem besten Kumpel Ingo, der ihn in den Arm nimmt und fast mehr weint als Lars selbst. Ansonsten behält Lars es für sich, fürchtet Mitleid, das mit Ekel beträufelt ist. Dass manche Leute sich umbringen wollen, wenn sie von ihrer HIV-Infektion erfahren, versteht Lars nicht: "Ich lasse mir mein Leben davon doch nicht vermiesen." Schließlich sei das HI-Virus doch heute nur noch eine chronische Krankheit - wie Diabetes. Was er nicht sagt: Auch dieser Tage sterben viele Menschen weltweit an den Folgen ihrer Infektion.

Lars' Wohnung in Berlin. Draußen rauscht die Großstadt, bläst ein schneidend kalter Wind, hier im Hinterhaus ist es ruhig. Auf die Wand hat er in braunen Lettern einen Ausspruch Oscar Wildes gepinselt: "Erfahrung! Diesen Namen geben Menschen ihren Fehlern". Ein schicker Laptop steht aufgeklappt auf dem Tisch, seine beiden Frettchen "Sky" und "Mia" flitzen durchs Zimmer.

Michael ist da, Lars' Freund. Auch Michael, 38, ist positiv, auch er hat eine Glatze und trägt einen Vollbart. Aber er überragt Lars um ein gutes Stück und hat ein Lausbubengesicht. "In unserem Umfeld ist fast jeder betroffen", sagt er. Bis vor kurzem hat er in einer Schwulensauna gearbeitet. Vor fast einem Jahr haben Lars und er sich dort kennengelernt. An ihrem Jahrestag werden sie essen gehen zu ihrem Lieblingsitaliener und sich Blumen schenken. Es ist die große Liebe, sagen sie, sie wollen für immer zusammenbleiben und sich treu sein - der große Traum in der volatilen Schwulenwelt.

* Name von der Redaktion geändert

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1. Und bezahlen dürfen die anderen
mats123 03.02.2010
Der Artikel ist mir insgesamt zu unkritisch. Es handelt sich bei den Schwulen um erwachsene Menschen, die auch entsprechend Verantwortung für ihr leichtsinniges Handeln übernehmen sollten und dies auch offen zugestehen sollten. Aber damit zu kokettieren, dass man eben eine Barebacker gewesen sei (d.h. ungeschützten schwulen Sex bevorzugt habe), sich jetzt aber die teuren Medikamente ein Leben lang von der Allgemeinheit bezahlen lässt, ist doch ziemlich egoistisch und unreif. Eine HIV-Behandlung kostet pro Jahr etwa 20.000 Euro, in 40 Jahren damit 800.000 Euro. Für beide zusammen macht das 1,6 Mio. Euro. Das muss die Allgemeinheit dafür auf den Tisch legen, dass zwei Schwule leichtsinnig in Schwulensaunas ungeschützten Sex hatten, obwohl sie auch ein Kondom hätten nehmen können. Ich meine, der SPIEGEL sollte das auch mal sagen. Wozu machen wir denn die ganzen AIDS-Kampagnen, wenn hier im SPIEGEL dann suggeriert wird, dass schon alles in Ordnung sei, dass ja letztlich die Allgemeinheit für die Kosten aufkommt (steigende Krankenkassenbeiträge) und man auch mit HIV heute noch einen Bausparvertrag abschließen könne. Vielen anderen kranken Menschen (Krebskranke usw.) werden bestimmte Medikamente und Behandlungen verweigert, weil das Gesundheitssystem klamm ist. Aber für die HIV-Infizierten, die sich selbstverschuldet den Virus eingefangen haben, ist das Geld da, die müssen ja behandelt werden.
2. A former AIDS patient speaks out on TV
derweltbuerger 03.02.2010
http://www.youtube.com/watch?v=tCGVZ6oWoTA
3. Verharmlosung
Tuckerzoertchen 03.02.2010
Mein Verlobter war HIV-positiv und ist letztes Jahr im August verstorben. Nicht an AIDS, sondern an Krebs. Die Ärzte, die ihn behandelt und bis in seinen Tod begleitet haben, schilderten uns, dass die Krebsrate bei HIV-Patienten weitaus höher ist als bei Nichtinfizierten. Ob es eine Folge der Infektion selbst oder evtl. Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie seien, könne man nocht nicht sagen; hier stecke die Forschung noch in den Anfängen. Bis zum Schluß war bei meinem Lebensgefährten die Virenlast unter der Nachweisgrenze; in der Hinsicht waren die Medikamente, die er schon seit 12 Jahren genommen hat, wirklich hervorragend auf ihn abgestimmt und wäre der Krebs nicht "dazwischen gekommen", hätte er auch gut und gerne ein Alter von 60 oder 70 erreichen können. Er wurde nur 42. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man HIV auf die leichte Schulter nehmen und sich auf den Therapiefortschritten ausruhen kann. Die Einschränkungen, die man in Kauf nehmen muß, die Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie, die ja auch die Leber und die Nieren nicht unbeschadet lässt, die immer noch stattfindende Ausgrenzung... Ist das nicht Grund genug, sich zu schützen? Ich wünsche jedem Infizierten, dass er ein langes, glückliches und weitestgehend gesundes Leben führt. Aber verharmlosen wie in diesem Artikel darf man die Krankheit nicht. HIV ist tödlich, HIV ist nicht heilbar, gegen HIV kann man sich nicht impfen lassen und HIV wird einen schleichend immer stärker einschränken.
4. Gebot der Menschlichkeit
topomoos 03.02.2010
Zitat von mats123Der Artikel ist mir insgesamt zu unkritisch. Es handelt sich bei den Schwulen um erwachsene Menschen, die auch entsprechend Verantwortung für ihr leichtsinniges Handeln übernehmen sollten und dies auch offen zugestehen sollten. Aber damit zu kokettieren, dass man eben eine Barebacker gewesen sei (d.h. ungeschützten schwulen Sex bevorzugt habe), sich jetzt aber die teuren Medikamente ein Leben lang von der Allgemeinheit bezahlen lässt, ist doch ziemlich egoistisch und unreif. Eine HIV-Behandlung kostet pro Jahr etwa 20.000 Euro, in 40 Jahren damit 800.000 Euro. Für beide zusammen macht das 1,6 Mio. Euro. Das muss die Allgemeinheit dafür auf den Tisch legen, dass zwei Schwule leichtsinnig in Schwulensaunas ungeschützten Sex hatten, obwohl sie auch ein Kondom hätten nehmen können. Ich meine, der SPIEGEL sollte das auch mal sagen. Wozu machen wir denn die ganzen AIDS-Kampagnen, wenn hier im SPIEGEL dann suggeriert wird, dass schon alles in Ordnung sei, dass ja letztlich die Allgemeinheit für die Kosten aufkommt (steigende Krankenkassenbeiträge) und man auch mit HIV heute noch einen Bausparvertrag abschließen könne. Vielen anderen kranken Menschen (Krebskranke usw.) werden bestimmte Medikamente und Behandlungen verweigert, weil das Gesundheitssystem klamm ist. Aber für die HIV-Infizierten, die sich selbstverschuldet den Virus eingefangen haben, ist das Geld da, die müssen ja behandelt werden.
Das sind die üblichen homophoben Argumente. Was wäre denn die Alternative? Behandlung verweigern, wenn das jemand nicht selbst bezahlen kann? Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Es ist einfach ein Gebot der Menschlichkeit, zu helfen.Punkt. Ich zahle auf jeden Fall lieber für die Behandlung von HIV-Positiven als für kriminelle Banken, Uniformierte in Afghanistan, Autobahnen, Irrsinnsprojekte à la Stuttgart 21 usw.
5. Dummheit!
Carrie 03.02.2010
So ein grottenblöder Leichtsinn! Was muss mich eigentlich reiten, im Wissen um AIDS und wenn ich mich in einer Szene bewege, in der die Ansteckungsgefahr deutlich erhöht ist, mich nicht zu schützen? Generell mich nicht zu schützen, wenn ich mit irgendeiner Zufallsbekanntschaft aus der Sauna ins Separee springe? Ist ja nicht nur AIDS, was man sich da an Unappetitlichkeiten einfangen kann. Und dann noch munter andere anstecken, weil Safer Sex ist ja nix gefühlsechtes Für sowas habe ich null verständnis! Krass gesagt: diese Menschen kosten das Gesundheitssystem massig Kohle, und das aus purem Leichtsinn. eigentlich müssten diese Leute ihre Behandlung aus eigener Tasche zahlen (gerne auch Raucher, Trinker etc.) Achja ich hör schon das Geschrei...aber so ist es!
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  • Mittwoch, 03.02.2010 – 09:10 Uhr
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Heft 6/2009 Warum der Profi-Kicker Tobias Rau lieber studiert

HIV/Aids - Die Fakten
Die Tücken der Krankheit
Über 30 Millionen Menschen tragen weltweit das HI-Virus in sich, das unbehandelt die tödliche Krankheit Aids auslöst. In Deutschland gibt es über 60.000 Infizierte. SPIEGEL ONLINE erklärt, wie gefährlich die heimtückische Krankheit ist und wie man sich am besten vor ihr schützt.
Die HIV-Infektion
Im Zusammenhang mit der tödlichen und bislang nicht heilbaren Immunschwächekrankheit wird zwischen der Infektion mit dem HI-Virus (für humane Immunschwäche) und dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome - erworbenes Immunschwäche-Syndrom) unterschieden.

Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Neben ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebensowenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids.

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Ende 2007 waren laut UNAIDS weltweit schätzungsweise 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen lag 2007 bei 2,7 Millionen, 2 Millionen starben im selben Zeitraum an Aids, davon drei Viertel allein im südlichen Afrika. Mit mehr als zwei Dritteln der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland lebten Ende 2008 nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 63.500 Menschen mit HIV/Aids. Rund 2800 diagnostizierte Neuinfektionen wurden dem Institut für das Jahr 2008 gemeldet, ähnlich viele Neuinfektionen wie 2007. Das RKI schätzt die Zahl der neuen Aids-Erkrankungen im Jahr 2008 auf 1100, etwa 650 HIV-Infizierte starben.

Von den Menschen, die Ende 2008 mit HIV oder Aids lebten, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 38.700 die größte Gruppe. Rund 7300 Menschen, die mit HIV/Aids leben, kommen aus sogenannten Hochprävalenzregionen und infizierten sich überwiegend in ihren Herkunftsländern bei heterosexuellen Kontakten. Schätzungsweise 20 Prozent der Neuinfizierten haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, etwa acht Prozent der neuen HIV-Infektionen gehen auf intravenösen Drogengebrauch zurück.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aids-Tod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aids-Medikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aids-Medikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert-Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.
Fotostrecke
Aids: Zelle infiziert Zelle


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