Student und Fiskus: So rechnet man sich unter die Steuergrenze

Von Sebastian Siegloch

Stefan mit seinem Bürojob, Klopsbrater Tim, Kellnerin Sarah - auch jobbende Studenten müssen sich durch das Dickicht des deutschen Steuersystems schlagen. SPIEGEL ONLINE zeigt, was 2006 wichtig ist bei Steuern, Kindergeld und Sozialversicherung.

Studieren ist teuer. Ob Lehrbücher, Skripte oder eine neue Druckerpatrone - schon die direkten Kosten fürs Studium sind hoch. Dazu kommen in vielen Universitätsstädten horrende Mieten. Kein Wunder, dass immer mehr Studenten neben dem Studium arbeiten müssen. Aus einer aktuellen Sozialerhebung des Deutsche Studentenwerks (DSW) geht hervor, dass fast 70 Prozent jobben um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Einkommensteuer: Den Verdienst kleinrechnen
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Einkommensteuer: Den Verdienst kleinrechnen

Das im Job verdiente Geld kann aber schnell zum Problem werden: Arbeiten die künftigen Akademiker zu viel, hält auch Vater Staat die Hand auf. Der jährliche Steuerfreibetrag von 7664 Euro ist schnell überschritten, und dann heißt es Steuern zahlen - wenn man nicht geschickt die Sonderregeln, Freibeträge und Ausnahmen im deutschen Steuersystem nutzt.

Stefan studiert Betriebswirtschaft in Bonn und jobbt nebenbei in einer Unternehmensberatung. Der 25-Jährige verdient 9750 Euro im Jahr und zahlt trotzdem keinen Cent Lohnsteuer. Denn er weiß: Für den Fiskus kann er sein Einkommen deutlich herunterrechnen.

Werbungskosten ohne Werbung

Zum Beispiel mit Werbungskosten: Die haben - anders als der Name suggeriert - nichts mit Werbung zu tun. Sie bezeichnen Ausgaben des Arbeitnehmers, die im Zusammenhang mit seinem Job entstehen - zum Beispiel Arbeitskleidung oder Fachliteratur. Da Stefan im Büro des Chefs arbeitet, fallen diese Kosten gering aus. Trotzdem kann er sein Einkommen durch den Arbeitnehmerpauschbetrag um 920 Euro drücken. "Diesen Betrag kann jeder Arbeitnehmer absetzen, egal, wie niedrig seine Ausgaben für den Job tatsächlich sind", erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine.

Bis zu einem bestimmten Höchstbetrag kann Stefan auch die Beiträge für die Sozialversicherungen sowie für die Haftpflicht- und Lebensversicherung anrechnen lassen. Obwohl Studenten in der Regel wenig in diese Versicherungskassen einzahlen, können sie auch hier ihr Jahreseinkommen deutlich herunterrechnen - dank der Vorsorgepauschale, das ist der Mindestbetrag für Vorsorgezahlungen.

"Dieser Betrag hängt von vielen Größen ab und wird vom Finanzamt für jeden individuell berechnet", sagt Nöll. Angenommen, Stefan müsste keine Sozialabgaben zahlen, beträgt die Vorsorgepauschale 1134 Euro.

Studienkosten absetzen

Für Studenten besonders interessant sind die sogenannten unbeschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben. "Hier können die Studienkosten abgesetzt werden, allerdings nur bis zu 4000 Euro pro Jahr", sagt Nöll vom Lohnsteuerhilfeverein. So kann Stefan den Semesterbeitrag von 130 Euro absetzen, dazu beispielsweise Fachbücher, Kopien, Exkursionen (und ebenso die Studiengebühren, die demnächst in Nordrhein-Westfalen erhoben werden). Berücksichtigt werden auch die Kirchensteuer oder Spenden.

Der Mindestbetrag für die unbeschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben beträgt 36 Euro. Wer ihn, wie Stefan, überschreitet. muss dies dem Finanzamt beweisen. Daher legt der 25-Jährige die Überweisungsquittung für den Semesterbeitrag seiner Steuererklärung bei.

Stefans Rechnung sieht so aus: 9750 Euro Jahreseinkommen minus 920 Euro Arbeitnehmerpauschbetrag, minus 1134 Euro Vorsorgepauschale, minus 130 Euro Semesterbeitrag - macht zusammen 7599 Euro. Somit bleibt er unter dem Grundfreibetrag von 7668 Euro und bekommt 2005 seine Lohnsteuer vom Finanzamt zurück.

Sparen im Minijob

Tim studiert Medizin in Hamburg und belegt nebenbei Burger in einem Fastfood-Restaurant. Der 19-Jährige übt eine sogenannte geringfügige Beschäftigung aus. Er hat einen Minijob und verdient genau 400 Euro pro Monat, das macht 4800 Euro im Jahr.

Für Minijobs auf 400-Euro-Basis gibt es mehrere Modelle der Versteuerung. Bei Tim läuft es so: Obwohl der 19-Jährige deutlich weniger Geld verdient als Stefan, wird sein Lohn versteuert - und zwar mit zwei Prozent pauschal und ohne Lohnsteuerkarte. Doch bezahlen muss er die acht Euro pro Monat nicht. Tims Arbeitgeber, der die Steuer an das Finanzamt abführt, zahlt das Geld aus der Firmenkasse.

Er hätte noch zwei andere Möglichkeiten: Tim könnte seine Burger auch ganz normal "auf Steuerkarte" belegen. Die Höhe der Lohnsteuerabzüge richtet sich nach der Steuerklasse. Es gilt der normale Steuerfreibetrag von 7668 Euro. Bei einem Jahresverdienst von 4800 Euro hätte Tim auch hier keine Steuern zahlen müssen.

Die Versteuerung über Lohnsteuerkarte ist, je nach Steuerklasse, vor allem für Studenten interessant, die mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben und insgesamt mehr als 400 Euro im Monat verdienen. Denn ansonsten kann eine pauschale Lohnsteuer von 20 Prozent anfallen; dazu kommen noch der Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Lohnsteuer) und die Kirchensteuer.

Rücksicht auf das Budget der Eltern

Die Steuer ist nicht das Einzige, auf das jobbende Studenten achten müssen. "Meine Eltern machen immer wieder Stress, weil sie das Kindergeld nicht verlieren wollen", klagt Sarah. Die 22-Jährige studiert Jura in Bonn, jobbt in der Unibibliothek und kellnert an zwei Abenden pro Woche in einer Kneipe. Insgesamt verdient sie 8000 Euro im Jahr.

Kindergeld und Kinderfreibetrag
Je nachdem, wie viel die Eltern verdienen, ist das eine oder andere Modell der staatlichen Unterstützung für Studenten günstiger. Bei beiden Modellen gibt es jedoch kein Geld, wenn die Kinder mehr als 7680 Euro pro Jahr verdienen.

Zu Einkünften zählen unter anderem: Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Ausbildungsvergütung oder Einnahmen aus Kapitalvermögen. Zu den Bezügen zählen: der Bafög-Zuschuss (in der Regel 50 Prozent des Bafög), Krankengeld, Renten aus der Unfallversicherung. Nicht als Bezüge gelten: Unterhaltsleistungen der Eltern oder Leistungen der Pflegeversicherung.
Grundsätzlich haben Sarahs Eltern Anspruch auf Kindergeld und den steuerlichen Kinderfreibetrag, so lange ihre Tochter studiert, jünger als 28 Jahre ist und zweitens jährlich weniger als 7680 Euro verdient. Doch auch beim Kindergeld kann Sarah ihr Einkommen herunterrechnen, und zwar wieder mit dem Arbeitnehmerpauschbetrag.

Von ihren 8000 Euro Jahreseinkommen zieht Sarah also 920 Euro ab und verdient somit weniger als 7680 Euro. Darüber hinaus könnte sie auch noch die Ausgaben für das Studium und die gesetzlichen Sozialabgaben abziehen - da sie ohnehin schon unter der Grenze von 7680 Euro liegt, ist das aber nicht nötig.

Auch bei den Beitragszahlungen in die Sozialversicherungskassen heißt es genau kalkulieren. Für Krankenkasse und Pflegeversicherung gilt: Wer über die Familie versichert ist oder selbst eine studentische Krankenversicherung abgeschlossen hat, zahlt nur seine Pflichtbeiträge. Der Nebenjob bleibt versicherungsfrei.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Student während des Semesters nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. "Es ist wichtig, dass während der Vorlesungszeit das Erscheinungsbild 'Student' gewahrt wird", sagt Wolfgang Büser, Fachmann für das Sozialversicherungssystem und Rechtsexperte des ZDF. Auch bei der Arbeitslosenversicherung ist der Student von den Beiträgen befreit, sofern er unter der 20-Stunden-Grenze bleibt.

Für die Semesterferien gilt allerdings eine Ausnahmeregel. "In dieser Zeit können die Studenten so lange arbeiten, wie sie möchten. Sie müssen keine zusätzlichen Beiträge für die Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung zahlen", so Büser. Stefan nutzt diese Regelung: Während des Semesters arbeitet er nicht mehr als 15 Stunden pro Woche für die Unternehmensberatung, in den Semesterferien bis zu 30 Stunden wöchentlich.

Bei der Rentenversicherung kommen Stefan und Sarah jedoch nicht um die Zahlung der Beiträge herum. Nur wer durchschnittlich nicht mehr als 400 Euro pro Monat verdient, muss nicht in die Rentenkasse einzahlen. Auch eine Ausnahmeregel für die Semesterferien kann Stefan und Sarah hier nicht mehr retten. Nur Tim ist mit seinen 400 Euro pro Monat fein raus - und zwar auf den Cent genau.

In unserem Artikel fehlte zunächst die Einbeziehung eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Januar 2005, das sich auf den Kindergeldanspruch der Eltern auswirkt (Az: 2 BvR 167/02). Neben den Aufwendungen für die Ausbildung sind danach auch die Sozialabgaben des Kindes abzugsfähig. Folglich kann der Anspruch auf Kindergeld auch dann weiterbestehen, wenn die Einkünfte des Kindes die Summe aus Freibetrag von 7680 Euro und Werbungskostenpauschale überschreiten.

Wir haben den Text jetzt entsprechend korrigiert und bitten die Ungenauigkeit zu entschuldigen.

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