Hochschulpakte: HRK warnt vor Studenten-Ansturm

Die Hörsäle werden voller, den Unis fehlt Geld: Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, warnt vor Hunderttausenden fehlenden Studienplätzen. Sie zu schaffen, werde bis zu sieben Milliarden Euro kosten - auch weil zusätzliche Studenten aus dem Ausland kommen könnten.

Neue Schätzung: Zusätzliche Kosten von bis zu sieben Milliarden Euro Zur Großansicht
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Neue Schätzung: Zusätzliche Kosten von bis zu sieben Milliarden Euro

Der Studentenboom wird Bund und Länder nach Schätzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in den nächsten Jahren bis zu sieben Milliarden Euro zusätzlich kosten. "Da haben sich die Kultusminister klar verrechnet - der Zustrom an die Hochschulen ist fast doppelt so stark gestiegen, wie sie noch 2011 dachten", sagte der neue HRK-Präsident Horst Hippler dem "Handelsblatt". "Wir hatten 420 000 Anfänger erst für das Jahr 2013 erwartet. Stattdessen waren es schon im vergangenen Jahr 520 000."

Bereits im Februar hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) eingeräumt, dass sie ihre ursprüngliche Prognose aus dem Jahr 2009 massiv nach oben korrigieren müsse: Bis 2020 werden demnach 750.000 Studenten mehr erwartet als bislang angenommen.

Die HRK rechnet damit, dass bis zu 300.000 Studienplätze bis zum Jahr 2015 fehlen. Um das zu schaffen und bis zum Ende zu finanzieren, seien bis 2017/2018 fünf bis sieben Milliarden Euro nötig, so Hippler. Die Hochschulen bräuchten spätestens ab 2014 dauerhaft mehr Geld. Zumal auch danach noch mit deutlich höheren Studentenzahlen zu rechnen sei. Hippler rechnet nämlich mit einer steigenden Nachfrage nach deutschen Studienplätzen aus dem Ausland. "Gerade junge Leute aus den Krisenländern werden bei uns studieren wollen, weil sie hier auf einen Job hoffen."

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Kritik am "gedeckelten" Hochschulpakt

Die Forderung nach mehr Bundesmitteln für deutsche Hochschulen stellen Länder und Opposition immer wieder. Im Juni kündigte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) an den Etat für Studienplätzen um 668 Millionen Euro aufzustocken.

Als "Skandal" bezeichnete die Linkspartei die Prognosen. Die Bundesregierung verschließe davor weiterhin die Augen und verharre in Untätigkeit, kritisierte Nicole Gohlke, hochschulpoltische Sprecherin der Linken im Bundestag. Statt den Universitäten mehr Geld zu geben, halte die Koalition vielmehr an ihrem "stümperhaften und unterfinanzierten Hochschulpakt" fest.

Auch der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, forderte "mehr Mittel für Studienplätze mit qualitativ besseren Lernbedingungen". Er kritisierte außerdem, dass der Hochschulpakt weiterhin gedeckelt sei, sich Mehrausgaben in den vergangenen Jahren also negativ auf die aktuelle Studienplatzfinanzierung auswirken.

Ähnlich äußerten sich bereits im Sommer 2011 die Hochschulforscher des CHE in einer Zwischenbilanz des Hochschulpakts. Zwar lobten sie, dass sich trotz gestiegener Studienanfängerzahlen das Betreuungverhältnis an Hochschulen nicht verschlechtert habe. Kritisch sahen die Forscher allerdings ebenfalls die Deckelung des Hochschulpaktes. Sie führe dazu, dass die in der ersten Phase ausgeschütteten Mittel nun in der zweiten Phase fehlten. Urteil schon damals: Es sind deutlich mehr Mittel notwendig.

mab/dpa

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1. Jaja, die Bildung
Greybird 25.07.2012
Momentan sagen die Meinungsforscher und PR-Berater unseren Finanzministern, dass das Wahlvolk mehr Lust auf Konsolidierung als auf Wachstum (=Bildung) hat. Denn das Wachstum aus Bildung (und damit mehr Steuereinnahmen) kommt erst der nächsten bzw. (über-)übernächsten Regierung zu Gute. Bis dahin stehen gute Universitäten erstmal nur auf der Kostenseite. Nach den gängigen empirischen Schätzungen sind Unterschiede in Bildung und Forschung der Hauptfaktor für Einkommensunterschiede zwischen Ländern. Aber wenn uns unsere Elterngeneration kaputtsparen will, während wir deren Schulden und höhere Renten- und Krankheitskosten abbezahlen dürfen, hatten die sogar noch höhere Reallöhne als wir, wie wir gestern wieder mal erfahren durften. Dankeschön. :)
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