Studentenproteste in Kanada: "Wir wollen uns bilden, nicht verschulden"
Im kanadischen Québec gehen Studenten seit Wochen lieber zu Demos als in den Hörsaal. Sie wehren sich dagegen, dass die Studiengebühren drastisch steigen sollen. Die Provinzregierung will so ihr Haushaltsloch stopfen.
Zehntausende Studenten haben am Donnerstag in Montreal gegen die geplante massive Erhöhung der Studiengebühren in der kanadischen Provinz Québec protestiert. "Wir wollen uns bilden, nicht verschulden", riefen sie und legten das Leben im Zentrum der Stadt lahm.
Den Veranstaltern zufolge kamen etwa 200.000 Menschen zu der Demo, die friedlich blieb, berichtete die Zeitung "Calgary Herald" auf ihrer Internetseite. Ein Video zeigte tanzende, trommelnde und singende Demonstranten mit roten Postern und T-Shirts und mit rot bemalten Gesichtern.
Rot sei die Farbe der Studentenbewegung, die sich in den vergangenen Wochen gebildet habe, heißt es in dem Bericht. Seit Mitte Februar boykottieren Studenten den Hochschulunterricht in Québec. Sie wollen verhindern, dass die Studiengebühren in den kommenden fünf Jahren um 75 Prozent steigen sollen. Es kam dabei auch vereinzelt zu Ausschreitungen.
Studieren kostet noch viel weniger als in den USA
Die Gebühren sind im mehrheitlich französischsprachigen Québec mit derzeit umgerechnet knapp 1700 Euro pro Jahr noch viel niedriger als in anderen Teilen Kanadas und in den USA. Auch wenn sie wie geplant um rund 1200 Euro steigen würden, lägen sie deutlich unter denen in der Nachbarprovinz Ontario, wo Studenten pro Jahr etwa 5000 Euro zahlen - mehr als in jeder anderen kanadischen Provinz.
Die Regierung von Québec verteidigt die Erhöhung als unumgänglich. Um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, müssten staatliche Mittel für die Bildung gekürzt werden. Der Student Marc-André Levesque, der an der Demo teilnahm, sagte, die Erhöhung falle zu hoch aus und komme zu schnell.
Die Zeitung "The Chronicle Herald" zitierte einen Studenten aus British Columbia, der sich den Protesten angeschlossen hatte: Die Gebühren in Québec seien zwar niedrig, doch es lohne sich, dafür zu kämpfen. In seiner Heimat hätten Studenten auch versucht, sich gegen höhere Gebühren zu wehren. "Doch es kamen nicht so viele Menschen zusammen wie in Québec."
son/afp
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 23.03.2012 – 18:14 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Chilenische Studentenführerin: Lehr uns revoltieren, Comandante Camila! (30.01.2012)
- Studentenproteste in Chile: Bildungsminister wirft hin (30.12.2011)
- Bildungszoff in Kolumbien: Regierung beugt sich der Studentenwut (14.11.2011)
- Proteste in Kolumbien: Ich knutsch das System! (11.11.2011)
- Studieren in Kanada: Rückwärtssalti gegen den Uni-Stress (10.11.2011)
- Kanadas Militär-Hochschule: Nicht für die Uni, für den Krieg lernen wir (03.08.2010)
- Studieren in Kanada: "Du kannst nicht gehen, du hast hier Freunde" (04.08.2009)
- "Calgary Herald": Tuition protest by tens of thousands paralyzes downtown Montreal
- "The Chronicle Herald": Student rally extends for kilometres in Montreal
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT UNISPIEGEL
-
Wissenstest
Allgemeinbildung: Der große Check auf SPIEGEL ONLINE - wie gut sind Sie? -
Querweltein
Auslandsstudium: Hochschulen von exotisch bis arktisch - nichts wie weg -
Abbrecher
Prominente erzählen: Es gibt ein Leben ohne Uni-Abschluss -
Tools
Studienplätze, wohnen, Hausarbeiten, reisen: Alle UniSPIEGEL-Tools -
IQ-Test
Gehören Sie zur Grips-Elite? Superhirn-Suche auf SPIEGEL ONLINE

