Studenten-Pisa: Killerfragen für Möchtegern-Schlaumeier

Von Markus Verbeet

Wer ist Deutschlands teuerster Maler und Europas mächtigster Mann - und wo liegt noch mal Kenia? SPIEGEL ONLINE zeigt Fragen, an denen die Studentenpisa-Teilnehmer verzweifelten. Hätten Sie's gewusst?

Der Test hieß Studenten-Pisa, aber davon ließ sich Ilse Rasmussen nicht schrecken. 79 Jahre alt ist sie alt, seit 17 Jahren im Ruhestand, ihre Studentenzeit liegt lange zurück. Aber warum nicht einfach mal mitmachen?

Die Rentnerin hatte ihre Freude: "Der Pisa-Test hat Spaß gemacht und ich danke Ihnen für die Chance, sehen zu dürfen, dass ich nach all der Rast nicht völlig verrostet bin", schreibt sie der Spiegel-Redaktion - und schließt ihre E-Mail "mit freundlichen Grüßen aus der Prärie".

Rasmussen ist in Deutschland aufgewachsen und lebt seit mehr als einem halben Jahrhundert in Wichita im US-Bundesstaat Kansas. Die Pisa-Fragen schockten sie nicht. "Geschichte war nicht besonders schwer, weil ich ja (leider!) viel davon miterlebt habe", schreibt Rasmussen. Geografie und Naturwissenschaften seien ihr immer schon leicht gefallen. Die Fragen zu Film und Fernsehen hätten ihr Probleme bereitet, weil sie beides meide. "Am schwersten fand ich es, die Fotos gewisser Leute zu identifizieren. Ich finde immer, dass sich Politiker irgendwie gleichsehen. Psssst! :-)"

Was zählt Wissen, wenn alles nur einen Klick weg ist?

So stehe es also um ihren alten Kopf, schreibt Rasmussen. Ihr Erfolgsgeheimnis verrät sie auch: "Morgens SPIEGEL ONLINE lesen, dann weiß ich immer schon, was in der Welt los ist, ehe wir's hier im TV sehen." Rasmussen hat lange als Lehrerin gearbeitet und mag eines nicht verhehlen: ihre Enttäuschung über das Abschneiden jüngerer Teilnehmer.

Es "sollte doch nicht nötig sein, acht Jahrzehnte Geschichte am eigenen Leben erleben zu müssen, um sich ein paar Fakten anzueignen", meint die 79-Jährige. "Ob Google und Wikipedia da eine Rolle spielen? Findet man es unnötig, überhaupt etwas im Kopf zu haben haben, wenn das ,Wissen' nur einen Klick weit weg ist?"

Das ist eine der spannenden Fragen, die der Studentenpisa-Test von SPIEGEL und studiVZ aufgeworfen hat. Es ist der vermutlich größte Test des Allgemeinwissens, den es jemals in Deutschland gegeben hat. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde er auf den Seiten von SPIEGEL ONLINE aufgerufen, mehr als 600.000 Menschen versuchten sich an 45 Fragen aus den fünf Wissensgebieten Politik, Geschichte, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Kultur.

Über die Ergebnisse berichtet DER SPIEGEL ausführlich in seiner aktuellen Ausgabe. "Es sind erschreckende wie erstaunliche darunter", befindet das Magazin. In dem Artikel wird auch die Frage diskutiert, die Ilse Rasmussen sich stellt: Was ist Faktenwissen heute noch wert? Der Bildungsforscher Ulrich Trautwein, Professor in Tübingen, erklärt im SPIEGEL-Bericht, warum man schon ein wenig Ahnung haben sollte: "Ohne Wissen ist Kritik nur ärgerlich und dumm."

Bei Schulwissen punkten jüngere Teilnehmer

Was aber waren die schwersten und die leichtesten Aufgaben? SPIEGEL ONLINE präsentiert eine Hitliste: fünf besonders leichte Fragen, die mehr als drei Viertel aller Teilnehmer beantworten konnten, und fünf besondere schwierige Fragen, an den mehr als drei Viertel aller Teilnehmer scheiterten.

Von Barroso über Bierflaschen bis zur Bildungsministerin - in der Fotostrecke sehen Sie die Liste der populären Irrtümer und der bekannten Wahrheiten.

Nachdem die Gesamtergebnisse bereits in zahlreichen Rankings verglichen worden sind, zeigt eine Analyse einzelner Antworten nun auch die Stärken und Schwächer bestimmter Teilnehmergruppen. Jüngere Menschen etwa schneiden zwar generell schlechter ab als ältere, bei typischem Schulwissen aber sind sie überlegen. Etwa: Was ist die Summe der Innenwinkel eines Dreiecks? 89 Prozent der Teilnehmer unter 20 Jahren tippten auf die richtige Antwort (180 Grad) - einen solch guten Wert erreichte keine andere Altersgruppe.

SPIEGEL-Redakteur stellt sich der Diskussion

Im Durchschnitt wussten die Teilnehmer 24,5 der 45 Fragen zu beantworten, also ungefähr die Hälfte. Frauen schneiden im Studenten-Pisa schlechter ab als Männer, im Durchschnitt lösten sie 21,5 Fragen richtig, Männer hingegen 26,5. Ältere Teilnehmer punkteten stärker als jüngere, Spitzenwerte erreichten neben den Rentnern auch die Doktoranden. Sie kamen im Mittel auf 30 richtige Antworten, auf 26 die Studenten.

In welchen Fächern sich besonders viele Schlaumeier versammeln, zeigen die Tabellen unten. Den kompletten Parcours fehlerfrei zu bewältigen, das gelang nur 26 der über 600.000 Teilnehmer - also gerade einmal 0,0043 Prozent.

Über die Ergebnisse des Studentenpisa diskutiert SPIEGEL-Redakteur Markus Verbeet in dieser Woche auf den Seiten des Kooperationspartners studiVZ. Er stellt sich mehrfach den Fragen der studiVZ-Nutzer: am Dienstag (11 bis 14 Uhr, 20 bis 22 Uhr) und am Donnerstag (15 bis 17 Uhr, 20 bis 22 Uhr).

Hier finden Sie alle Fragen und Antworten aus den fünf Wissensgebieten. Holen Sie sich einen Kaffee, lassen Sie Ihr Gehirn vorglühen, gewähren Sie Ihrem Wissen Auslauf:

Politik - Vom "Deutschen Herbst" bis zur "Achse des Bösen"
Geschichte - Benediktiner, Napoleon und die alten Römer
Wirtschaft - Ölmultis, Derivate und Bio-Siegel
Kultur - Tatort, Feuchtgebiete und Palazzo prozzo
Naturwissenschaften - Vögel, Ultraschall, Chemie

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