Studenten unter Druck: Hirndoping ist kein Massenphänomen
Fit im Kopf, meist ohne Drogen: Etwa jeder zwanzigste Student putscht sich mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auf, jeder zehnte nimmt Mittel zur Leistungssteigerung, wie eine repräsentative Studie zeigt. Die allermeisten aber haben vom Pharma-Turbo nur gehört.
Was ist nicht alles geschrieben worden über die Studentengeneration, die jetzt in den Hörsälen sitzt! Da reihen Lebenslaufoptimierer Praktikum an Praktikum, da verkümmert das Studium zur hektischen Punktesammelei, da zerbrechen Überflieger am Leistungsdruck, da greifen unzählige Nachwuchsakademiker zu Dopingmitteln, um noch mehr in noch weniger Zeit zu schaffen.
Aber was ist dran an den Generationsetiketten?
Zumindest zum letzten Punkt, zum Hirndoping, gibt es jetzt nicht mehr nur gefühlte Fakten, sondern ein bisschen Empirie: Einer repräsentativen Umfrage zufolge nimmt nur etwa jeder zwanzigste Student verschreibungspflichtige Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel, um die eigene Leistungsfähigkeit zu halten oder zu steigern. Und das auch eher selten. Es laufen also offenbar nicht massenhaft Ritalin-Junkies durch die Hochschulflure.
Die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), beauftragt vom Bundesgesundheitsministerium, hat rund 8000 Studenten aus dem Wintersemester 2010/2011 zum Thema Hirndoping befragt. Demnach greifen weitere fünf Prozent zu weicheren Mitteln als verschreibungspflichtigen Medikamenten, etwa zu Vitaminpräparaten, Koffein oder homöopathischen Substanzen.
Mediziner klagen am häufigsten über Leistungsdruck
Auffällig ist, dass sehr viele Studenten schon vom Hirndoping gehört haben, der Studie zufolge 84 Prozent. Doch die meisten, 70 Prozent, kennen niemanden persönlich, der sich aufputscht.
Der Studie zufolge dopen sich am häufigsten Studenten der Veterinärmedizin (18 Prozent) und der Sportwissenschaft (14 Prozent). Dagegen nutzen Mathematiker, Informatiker sowie Physiker verschreibungspflichtige, leistungsfördernde Mittel kaum (je 3 Prozent). Kaum einen Unterschied gibt es zwischen Männern und Frauen.
Von den Hirndopern nimmt jeder zweite die verschreibungspflichtigen Medikamente zur Vorbereitung auf eine Prüfung. Fast genauso viele verwenden sie jedoch auch bei generellem Stress. In der Prüfung selbst werden sie von wenigeren Hochschülern genutzt. Viele von den Nutzern sind nervös, angespannt, unsicher und reagieren stärker auf Stress als der Durchschnitt. Die Studenten versprechen sich vom Hirndoping, Lampenfieber und Nervosität in den Griff zu bekommen. Erst an zweiter Stelle steht der Wunsch, die geistige Leistung zu steigern.
Ein Schlaglicht wirft die Umfrage auch auf das generelle Stressempfinden der Studenten. So empfinde ein knappes Drittel des Befragten "sehr starken" Leistungdruck, die Hälfte bezeichnet ihn immerhin als "stark". Vor allem bei den Medizinstudenten und angehenden Gesundheitswissenschaftlern gibt es viele, die den Druck als sehr stark empfinden; bei künftigen Sozialwissenschaftlern, Pädagogen und Psychologen sind es besonders wenige. Die meisten, die Druck empfinden, klagen über die Menge des Lernstoffs.
Offenbar fällt es Hirndopern schwerer, sich effizient auf Prüfungen vorzubereiten und diszipliniert zu lernen. Und unter ihnen sind besonders viele, die Geldprobleme haben.
otr/AFP/dpa
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