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Studentenproteste: Frankreichs Traditionsuni dichtgemacht

Rien ne va plus, nichts geht mehr: An der Pariser Sorbonne wurden heute die Hörsäle zugesperrt. Die Behörden haben die älteste Uni Frankreichs wegen Zusammenstößen zwischen Studenten vorübergehend geschlossen. Streikaktivisten waren mit Streikbrechern aneinander geraten.

Die einen wollten studieren, die anderen protestieren: 15 Studenten blockierten den Eingang zum Campus der Pariser Universität Sorbonne und hinderten andere Studenten daran, in die Vorlesung zu gehen. Seit mehreren Tagen versperrten die Studenten den Eingang zum Gebäude, sie hätten Kommilitonen angegriffen, die Seminare besuchen wollten, erklärte die Hochschulverwaltung. Schließlich sei entschieden worden, die Uni bis Montag aus Sicherheitsgründen zu schließen.

Universität Sorbonne: Bis Montag dicht
AP

Universität Sorbonne: Bis Montag dicht

Schon seit drei Wochen rebellieren in Frankreich Studenten gegen die Reformpolitik von Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Vor allem linksgerichtete Studentenorganisationen lehnen sich gegen die Umsetzung der Hochschulgesetze auf, die im Sommer verabschiedet wurden. Diese sollen den Hochschulen mehr Autonomie geben und die Werbung von Drittmitteln erleichtern.

Die Neuregelungen sehen höhere Einschreibegebühren vor; die Universitäten sollen mehr Autonomie bekommen und stärker an Unternehmen angebunden werden. Nach Ansicht der Studentenvereinigungen entsteht durch dieses Gesetz eine Zwei-Klassen-Uni-Landschaft, in der nur einige wenige Eliteinstitutionen gefördert werden. Außerdem befürchten sie, dass die Wirtschaft zu starken Einfluss auf die Fakultäten bekommen könnte. Seit Wochen blockieren Studenten daher Dutzende der 85 Universitäten des Landes ganz oder teilweise.

Die Universität Sorbonne ist älteste Universität Frankreichs. Sie stand 1968 im Mittelpunkt der Studentenrevolution. Wochenlang hielten die Studenten ihre "Alma mater" damals besetzt. Im Frühjahr 2006 gab es dann wieder ähnliche Bilder. Studenten verbarrikadierten sich in der Uni aus Protest gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Arbeitnehmer unter 26 Jahren.

Doch anders als bei früheren Protesten ist die Position der Studenten diesmal nicht einheitlich. Nur eine Minderheit fordert die vollständige Rücknahme des neuen Hochschulgesetzes. Die Mehrheit, darunter die größte Organisation UNEF, pocht dagegen auf zusätzliche Garantien. Diese sollen sicherstellen, dass durch einen größeren Wettbewerb unter den Hochschulen keine Fakultäten benachteiligt werden. Zudem fürchten sie um die Chancengleichheit unter den Studenten, wenn die Unis ihre Kandidaten auswählen und Gebühren erheben können.

kat/AP/reuters

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