Studentenproteste in Chile: Bildungsminister wirft hin

Chiles Studenten demonstrieren seit mehr als einem halben Jahr - und nun gibt schon der zweite Bildungsminister sein Amt auf. Staatspräsident Piñera ernannte einen Wirtschaftswissenschaftler zum Nachfolger für das Bildungsressort. Die Studenten beruhigt das nicht.

Ministerentlassung in Chile: Studentenwut trägt Früchte Fotos
REUTERS

In Chile ist Bildungsminister Felipe Bulnes während der andauernden Studentenproteste gegen die Bildungspolitik der konservativen Regierung zurückgetreten. Bulnes habe aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt eingereicht, sagte Regierungssprecher Andrés Chadwick am Donnerstag.

Als Nachfolger von Bulnes ernannte Präsident Sebastián Piñera den Wirtschaftswissenschaftler Harald Beyer. Der Akademiker Beyer kommt als Seiteneinsteiger in die chilenische Politik. Ein Grund für Bulnes' Rücktritt soll seine Enttäuschung darüber gewesen sein, dass ihm bei den Verhandlungen mit den protestierenden Studenten im September Grenzen gesetzt worden waren. Im Juli hatte Bulnes Vorgänger, Joaquín Lavín, sein Amt mit der Begründung aufgegeben, dass seine Legitimität durch Vorwürfe wegen seiner engen Kontakte zu einer Privatuniversität beschädigt sei.

Vor den Weihnachtsfeiertagen war es in Chile wieder zu Zusammenstößen von Bildungsdemonstranten und Polizeikräften in der Hauptstadt Santiago und in Valparaíso gekommen. Studenten und Schüler in dem südamerikanischen Land fordern seit mehr als sieben Monaten Reformen im Bildungswesen und mehr staatliche Mittel für die Bildung.

Studentenvertreter: Neue Politik, keine neuen Gesichter

Im OECD-Vergleich gibt kein Land weniger für die Bildung aus als Chile, zugleich ist der Anteil privat finanzierter Bildungsangebote besonders hoch. Viele Probleme im chilenischen Bildungswesen gehen zum Teil auf die Diktatur in den achtziger Jahren zurück, als der Staat anfing, massiv im öffentlichen Bildungswesen zu sparen.

Die konservative Piñera-Regierung hatte in einer kurzen Verhandlungsphase mit Studentenvertretern Ende September einige Zugeständnisse bei Studienkrediten und Stipendien gemacht. Die zentralen Forderungen der Studenten- und Schülervertreter - ein Ende der Studiengebühren, ein staatlich finanziertes Bildungswesen und ein Verbot von auf Gewinn ausgerichteten Privathochschulen - werden dagegen von der Regierung kategorisch abgelehnt.

Studentenvertreter nahmen die Ernennung Beyers zum Minister zurückhaltend auf. Noam Titelman, Präsident der Studentenvereinigung an Chiles bedeutendster katholischer Universität, sagte, es komme nicht darauf an, Gesichter auszutauschen, sondern die Politik zu verändern. Ende November waren viele Schüler und Studenten in die Hörsäle zurückgekehrt, nachdem die Regierung angedroht hatte, den staatlichen Universitäten die Finanzierung zu kürzen.

Die Studenten kündigten weitere Proteste für das neue Jahr an. Die Zustimmungswerte für Staatspräsident Piñera sind unterdessen erneut gefallen. Nur noch 23 Prozent der Chilenen sind mit der Arbeit ihres Staatsoberhauptes zufrieden.

cht/AFP/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das "Schlachten" hat dort unten Tradition
Sapientia 30.12.2011
Zitat von sysopChiles Studenten demonstrieren seit mehr als einem halben Jahr - und nun gibt schon der zweite Bildungsminister sein Amt auf. Staatspräsident Piñera ernannte einen Wirtschaftswissenschaftler zum Nachfolger für das Bildungsressort. Die Studenten beruhigt das nicht. Studentenproteste in Chile: Bildungsminister wirft hin - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,806383,00.html)
Umso mutiger und anerkennenswerter, wenn Studenten auf der Straße für sozialen Fortschritt kämpfen (müssen).
2.
RoRo Global 30.12.2011
Zitat von SapientiaUmso mutiger und anerkennenswerter, wenn Studenten auf der Straße für sozialen Fortschritt kämpfen (müssen).
Das Schlachten hat da unten Tradition??? Na, das ist mal wieder eine Aussage, die unverfrorener nicht sein kann. Wenigstens hat Chile keine 2 Weltkriege losgelöst, systematischen Genozid angefacht und zweimal innerhalb eines Jahrhunderts einen Kontinent in Schutt und Asche zurückgelassen... In Deutschland sollte man sich an der eigenen Nase packen und sich selbst um sozialen Fortschritt kümmern und nicht tatenlos zusehen, wie ganze Gesellschaftsschichten durch's soziale Raster rasseln anstatt anderen Voelker Schlachtermentalität zu unterstellen.
3. Na, na, na,
ecollama 31.12.2011
Zitat von RoRo GlobalDas Schlachten hat da unten Tradition??? Na, das ist mal wieder eine Aussage, die unverfrorener nicht sein kann. Wenigstens hat Chile keine 2 Weltkriege losgelöst, systematischen Genozid angefacht und zweimal innerhalb eines Jahrhunderts einen Kontinent in Schutt und Asche zurückgelassen... In Deutschland sollte man sich an der eigenen Nase packen und sich selbst um sozialen Fortschritt kümmern und nicht tatenlos zusehen, wie ganze Gesellschaftsschichten durch's soziale Raster rasseln anstatt anderen Voelker Schlachtermentalität zu unterstellen.
Es gab wohl auch ein paar tausend Tote und Todeskarawanen und Menschen die über dem Ozean aus den Maschinen geworfen wurden, oder? Aber ansonsten vollkommen in Ordnung der Kommentar, wir sollten uns wircklich um unsere eigene Gesellschaft kümmern.....
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