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Studentenzorn in Köln Mit Note 2 zu schlecht für den Master

Master-Sorgen: Wenn der Bachelor zur Sackgasse wird
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dpa

2. Teil: Aussortiert: Vom gefeierten Studenten zum Uni-Heimatlosen

215 Masterstudienplätze im Fach BWL hat die Uni Köln zum kommenden Wintersemester vergeben, heißt es bei der Fachschaft. Die Uni selbst will keine Zahlen nennen. Interessenten gab es aber dreimal so viele, also rund 650. Für die Kölner Bachelor-Absolventen galt am Ende der gleiche Schlüssel, wie für alle andere auch: Zwei von drei Bewerbern fanden eine Absage in ihrem Postfach.

Gestartet war das Masterprogramm bereits im vergangenen Wintersemester - da noch ausschließlich mit externen Bachelors. Schon damals sei das Programm fast voll gewesen, erinnert sich Oliver Jesper von der WiSO-Fachschaft. Auch Student Thilo Heyer war sich bewusst, dass es knapp werden könnte. "Ich ging aber davon aus, dass die Uni sich etwas einfallen lassen wird, um die eigenen Absolventen durchzuschleusen."

Merle Hettesheimer, Sprecherin der Uni Köln, betont, dass man vor allem darauf bedacht gewesen sei, ein objektives Bewertungskriterium zu schaffen. Die Studienplätze sollten für jedermann offen sein. Das Problem: Die Uni entschied sich, die Bachelor-Note als einziges Kriterium einzuführen. Sonstiges Engagement, Praktika, Auszeichnungen - alles unwichtig.

"Da sind richtig Tränen geflossen"

Bachelor-Absolvent Marius*, 23, hatte drei Semester zuvor noch den Dean's Award der Uni Köln bekommen. Der Preis wird an die besten zehn Prozent eines Jahrgangs vergeben. Als "Elite und Repräsentanten unserer Einrichtung" waren die Studenten bei der Preisverleihung gelobt worden, erinnert sich Marius. Sein Bachelor-Schnitt lag am Ende bei 2,0 - eine Kölner Masterplatz bekam er nicht.

"Ich war geschockt und fassungslos", sagt er über den Moment in dem er die E-Mail las. Es war besonders die "Arroganz der Universität", die den Studenten erschreckte. Er rief seine Kölner BWL-Freunde an. Alle hatten die selbe Mitteilung bekommen. "Da sind richtig Tränen geflossen", sagt Marius. Für ihn ist es unverständlich, dass die Uni Köln die eigenen guten Bachelor-Absolventen vor die Tür setzt.

Werner Mellis, der Prodekan für Lehre, Studium und Forschung weist die Verantwortung von sich. Im Rahmen des Hochschulgesetzes und der europäischen Gleichstellungsgesetze sei es nicht möglich, Kölner Bachelor-Absolventen gegenüber anderen zu bevorzugen. "Wir bewegen uns in einem sehr eng gesteckten Rahmen aus Gesetzen und Verordnungen."

Marius und Thilo stören am Verfahren ihrer ehemaligen Uni vor allem zwei Dinge: Dass Köln ausschließlich nach Note auswählte - während die Uni zugleich ungleich strenger bewerte als andere Hochschulen.

Köln bewertet härter - schlecht, wenn man in den Master will

Dass es in der Kölner BWL härter zur Sache geht als an anderswo, davon sind beide überzeugt. Eine ältere Erhebung des Wissenschaftsrates belegt die besondere Kölner Strenge für 2005. Mit einem Schnitt von 2,33 war Köln im deutschlandweiten BWL-Diplom-Vergleich damals Drittletzter. Und auch Uni-Sprecherin Merle Hettesheimer deute an: "Dass Absolventen anderer Hochschulen deutlich bessere Abschlüsse gemacht haben, könnte daran liegen, dass dort die Kriterien einfacher waren als in Köln."

Weiterer Kritikpunkt für Thilo und Marius: Auslandserfahrung und Engagement blieben bei der Master-Zulassung außen vor. Thilo hatte sich in Asta und Fachschaft engagiert, zwei Praktika in London und Köln absolviert. Auch Marius war nicht gerade faul. Er war ein Semester in Barcelona und arbeitete als Werkstudent bei einer Wirtschaftsprüfung.

Im April hatte sich Marius gleich an mehreren Unis beworben - und dabei gemerkt, wie unterschiedlich das Kölner Verfahren im Vergleich zu anderen deutschen Unis ist. Frankfurt, Münster und München verlangten ein Motivationsschreiben. In München fand sogar ein Einstufungstest und ein Auswahlgespräch statt. In Köln forderte die Uni nur einen einfachen Notenüberblick.

Auch die Uni fürchtet, dass ihr Neuzugänge den Schnitt verhageln

Genauer hinzuschauen war offenbar zu aufwendig für die Kölner Wirtschaftsfakultät. "Das Problem liegt in der Unterfinanzierung der Hochschulen", begründet Prodekan Werner Mellis die Auswahl rein nach Note. Thilo und Marius glauben nun, dass die Absolventen andere Hochschulen die Leistungen im Master verhageln werden. Eine Sorge, die Prodekan Werner Mellis teilt, auch wenn er vorsichtig formuliert: "Die Politik riskiert, dass der Schnitt an der Uni Köln sinkt."

Erste Studenten haben bereits Klage gegen die Universität Köln eingereicht. Thilo Heyer verbringt die letzen Tage seines Urlaubs auf Sylt mit der Suche nach Alternativen für das nächste Semester. Der 22-Jährige hatte sich darauf verlassen, eine Zusage von der Uni Köln zu bekommen und sich nicht für andere Masterstudiengänge beworben. Wie es jetzt weitergehen soll, weiß der BWL-Student nicht, denn die meisten Bewerbungsfristen sind abgelaufen. Thilo Heyer wird wohl auf das Wintersemester 2011/2012 warten müssen. Dann wird er sich an mindestens fünf Unis bewerben.

Und es gibt noch ein Fünkchen Hoffnung: Entgegen der Ankündigung in der automatischen Mail wird es doch ein Nachrückverfahren geben - die Sekretärin hatte sich bei der Absage per Massen-Mail an gut über 400 Bewerber vertan.

*Name geändert

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insgesamt 229 Beiträge
L0k3 16.08.2010
Tjaja so ist das heutzutage. Versager braucht kein Mensch. Nur die besten der besten haben eine Chance eine 1a Ausbildung zu erhalten der Rest soll doch zusehen wie er zu Rande kommt. aber sich dann wundern wenn die Bevölkerung [...]
Tjaja so ist das heutzutage. Versager braucht kein Mensch. Nur die besten der besten haben eine Chance eine 1a Ausbildung zu erhalten der Rest soll doch zusehen wie er zu Rande kommt. aber sich dann wundern wenn die Bevölkerung immer mehr verblödet und man keinen geeigneten 1er Nachwuchs mehr hat. :D
rewerb 16.08.2010
aber es war doch klar, daß das passiert oder nicht? Die einzige Lösung ist die Rückkehr zum alten System. Mit dem Bologna-Quatsch hat man ein bewährtes und weltweit anerkanntes System ohne Not einem merkwürdigen [...]
aber es war doch klar, daß das passiert oder nicht? Die einzige Lösung ist die Rückkehr zum alten System. Mit dem Bologna-Quatsch hat man ein bewährtes und weltweit anerkanntes System ohne Not einem merkwürdigen Internationalisierungswahn geopfert.
PastorBach 16.08.2010
Ich selbst finde den eingeführten Numerus Clausus in Ordnung. Somit ist - aus neutraler Sicht - sicher gestellt, das nur die Studenten für dne Master zugelassen werden, die bis dahin Top-Noten abliefern konnten. Natürlich ist eine [...]
Ich selbst finde den eingeführten Numerus Clausus in Ordnung. Somit ist - aus neutraler Sicht - sicher gestellt, das nur die Studenten für dne Master zugelassen werden, die bis dahin Top-Noten abliefern konnten. Natürlich ist eine 2,0 eine gute Note und so mancher würde sich wünschen, überhaupt eine 2,0 in seinem Leben zu erreichen. Insofern ist die Notengrenze durchaus diskussionswürdig. Aber hier geht es nicht nur um die individuellen Bedürfnisse Einzelner, sondern auch um das Fortkommen unseres Staates und unserer Gesellschaft als Ganzes. Und da brauchen wir Leute, die - zumindest schon mal auf dem Papier als "Eintrittskarte" - zu Spitzenleistungen (!) fähig sind. Gut ist manchmal nicht gut genug. So traurig das auch klingt. In vielen anderen Institutionen im Ausland wird das nicht anders gemacht. Will man als Student also mehr als nur den Bachelor, dann muss man richtig reinklotzen. Wer realitätsnaher am Berufsleben studieren will, dem kann ich nur ein berufsbegleitendes Studium an einer Fachhochschule empfehlen. Diese Studiengänge erfreuen sich in Unternehmen seit Jahren zunehmender Beliebtheit, da die Studenten dort doppelt ran müssen und durch eine harte Schule gehen.
Pacolito 16.08.2010
Es ist einfach nur schwachsinnig, so zu sieben. In vielen Studiengängen hat ein Bachelor einfach keinen Wert, man ist damit nicht voll ausgebildet und in der Wirtschaft fragt man den Bewerber (zurecht) "Ach, Bachelor? Wieso [...]
Es ist einfach nur schwachsinnig, so zu sieben. In vielen Studiengängen hat ein Bachelor einfach keinen Wert, man ist damit nicht voll ausgebildet und in der Wirtschaft fragt man den Bewerber (zurecht) "Ach, Bachelor? Wieso haben sie denn keinen Master gemacht? Dazu hats wohl nicht gereicht, was?" Da wird akademisches Kanonenfutter ausgebildet, mit geringer Halbwertzeit zum schnellen Verbrauch in der Wirtschaft. Bei solchen Quoten sollte man wirklich überlegen, ob einem persönlich nicht eine "ganze" Lehre mehr bringt als ein "halbes" Studium. Schade, Deutschland verschenkt mal wieder willkürlich Potential.
donfuan 16.08.2010
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