Von Christina Kufer
215 Masterstudienplätze im Fach BWL hat die Uni Köln zum kommenden Wintersemester vergeben, heißt es bei der Fachschaft. Die Uni selbst will keine Zahlen nennen. Interessenten gab es aber dreimal so viele, also rund 650. Für die Kölner Bachelor-Absolventen galt am Ende der gleiche Schlüssel, wie für alle andere auch: Zwei von drei Bewerbern fanden eine Absage in ihrem Postfach.
Gestartet war das Masterprogramm bereits im vergangenen Wintersemester - da noch ausschließlich mit externen Bachelors. Schon damals sei das Programm fast voll gewesen, erinnert sich Oliver Jesper von der WiSO-Fachschaft. Auch Student Thilo Heyer war sich bewusst, dass es knapp werden könnte. "Ich ging aber davon aus, dass die Uni sich etwas einfallen lassen wird, um die eigenen Absolventen durchzuschleusen."
Merle Hettesheimer, Sprecherin der Uni Köln, betont, dass man vor allem darauf bedacht gewesen sei, ein objektives Bewertungskriterium zu schaffen. Die Studienplätze sollten für jedermann offen sein. Das Problem: Die Uni entschied sich, die Bachelor-Note als einziges Kriterium einzuführen. Sonstiges Engagement, Praktika, Auszeichnungen - alles unwichtig.
"Da sind richtig Tränen geflossen"
Bachelor-Absolvent Marius*, 23, hatte drei Semester zuvor noch den Dean's Award der Uni Köln bekommen. Der Preis wird an die besten zehn Prozent eines Jahrgangs vergeben. Als "Elite und Repräsentanten unserer Einrichtung" waren die Studenten bei der Preisverleihung gelobt worden, erinnert sich Marius. Sein Bachelor-Schnitt lag am Ende bei 2,0 - eine Kölner Masterplatz bekam er nicht.
"Ich war geschockt und fassungslos", sagt er über den Moment in dem er die E-Mail las. Es war besonders die "Arroganz der Universität", die den Studenten erschreckte. Er rief seine Kölner BWL-Freunde an. Alle hatten die selbe Mitteilung bekommen. "Da sind richtig Tränen geflossen", sagt Marius. Für ihn ist es unverständlich, dass die Uni Köln die eigenen guten Bachelor-Absolventen vor die Tür setzt.
Werner Mellis, der Prodekan für Lehre, Studium und Forschung weist die Verantwortung von sich. Im Rahmen des Hochschulgesetzes und der europäischen Gleichstellungsgesetze sei es nicht möglich, Kölner Bachelor-Absolventen gegenüber anderen zu bevorzugen. "Wir bewegen uns in einem sehr eng gesteckten Rahmen aus Gesetzen und Verordnungen."
Marius und Thilo stören am Verfahren ihrer ehemaligen Uni vor allem zwei Dinge: Dass Köln ausschließlich nach Note auswählte - während die Uni zugleich ungleich strenger bewerte als andere Hochschulen.
Köln bewertet härter - schlecht, wenn man in den Master will
Dass es in der Kölner BWL härter zur Sache geht als an anderswo, davon sind beide überzeugt. Eine ältere Erhebung des Wissenschaftsrates belegt die besondere Kölner Strenge für 2005. Mit einem Schnitt von 2,33 war Köln im deutschlandweiten BWL-Diplom-Vergleich damals Drittletzter. Und auch Uni-Sprecherin Merle Hettesheimer deute an: "Dass Absolventen anderer Hochschulen deutlich bessere Abschlüsse gemacht haben, könnte daran liegen, dass dort die Kriterien einfacher waren als in Köln."
Weiterer Kritikpunkt für Thilo und Marius: Auslandserfahrung und Engagement blieben bei der Master-Zulassung außen vor. Thilo hatte sich in Asta und Fachschaft engagiert, zwei Praktika in London und Köln absolviert. Auch Marius war nicht gerade faul. Er war ein Semester in Barcelona und arbeitete als Werkstudent bei einer Wirtschaftsprüfung.
Im April hatte sich Marius gleich an mehreren Unis beworben - und dabei gemerkt, wie unterschiedlich das Kölner Verfahren im Vergleich zu anderen deutschen Unis ist. Frankfurt, Münster und München verlangten ein Motivationsschreiben. In München fand sogar ein Einstufungstest und ein Auswahlgespräch statt. In Köln forderte die Uni nur einen einfachen Notenüberblick.
Auch die Uni fürchtet, dass ihr Neuzugänge den Schnitt verhageln
Genauer hinzuschauen war offenbar zu aufwendig für die Kölner Wirtschaftsfakultät. "Das Problem liegt in der Unterfinanzierung der Hochschulen", begründet Prodekan Werner Mellis die Auswahl rein nach Note. Thilo und Marius glauben nun, dass die Absolventen andere Hochschulen die Leistungen im Master verhageln werden. Eine Sorge, die Prodekan Werner Mellis teilt, auch wenn er vorsichtig formuliert: "Die Politik riskiert, dass der Schnitt an der Uni Köln sinkt."
Erste Studenten haben bereits Klage gegen die Universität Köln eingereicht. Thilo Heyer verbringt die letzen Tage seines Urlaubs auf Sylt mit der Suche nach Alternativen für das nächste Semester. Der 22-Jährige hatte sich darauf verlassen, eine Zusage von der Uni Köln zu bekommen und sich nicht für andere Masterstudiengänge beworben. Wie es jetzt weitergehen soll, weiß der BWL-Student nicht, denn die meisten Bewerbungsfristen sind abgelaufen. Thilo Heyer wird wohl auf das Wintersemester 2011/2012 warten müssen. Dann wird er sich an mindestens fünf Unis bewerben.
Und es gibt noch ein Fünkchen Hoffnung: Entgegen der Ankündigung in der automatischen Mail wird es doch ein Nachrückverfahren geben - die Sekretärin hatte sich bei der Absage per Massen-Mail an gut über 400 Bewerber vertan.
*Name geändert
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