Studentenzorn in Köln: Mit Note 2 zu schlecht für den Master

Von Christina Kufer

Umzugskisten packen heißt es derzeit für viele Kölner BWLer. Weil ihre Uni nur Bewerber bis Note 1,9 für den Master zuließ, können zwei Drittel der eigenen Bachelor-Abgänger ihr Studium nicht in der Domstadt fortsetzen. Die Aussortierten fühlen sich von ihrer Ex-Uni im Stich gelassen.

Master-Sorgen: Wenn der Bachelor zur Sackgasse wird Fotos
dpa

Auf den Nordseeurlaub in Sylt hatte sich der Kölner BWL-Bachelor Thilo Heyer, 22, lange gefreut. Die Abschlussarbeit war fertig, die letzten Klausuren überstanden, die Online-Bewerbung für den Masterstudiengang abgeschickt. Den Sommer zwischen Bachelor und Master wollte der Absolvent am Meer genießen und ausspannen.

Doch das Schreiben, das Thilo Heyer Anfang August in seinem E-Mail-Postfach fand, wirbelt nicht nur den Urlaub, sondern seine gesamte Zukunftsplanung durcheinander.

"Sehr geehrte Bewerberin, sehr geehrter Bewerber,

wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihnen leider kein Studienplatz
in einem Masterstudiengang an der WiSo-Fakultät (...) zugeteilt wurde. Keine Ihrer Präferenzen konnte berücksichtigt werden. Ein Nachrückverfahren ist nicht vorgesehen.

Für Ihre weitere berufliche und akademische Zukunft wünschen Ihnen alles
Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Geschäftsstelle des Zulassungsausschusses"

Thilo Heyer verstand die Welt nicht mehr. Eine Absage hatte er nicht auf der Rechnung gehabt. Fassungslos saß er vor seinem Laptop in der Sylter Ferienwohnung. Mit einem Bachelor-Schnitt von 2,0 gehört er zu den besten 20 Prozent seines Jahrgangs. "Ich war mir relativ sicher, dass ich genommen werde", sagt er. Doch die automatisch generierte Absage-Mail beendete Thilos Zukunftsplanung. Und nicht nur Thilos Wünsche sind geplatzt: Die Uni Köln nimmt zum Wintersemester 2010/2011 gerade einmal ein Drittel ihrer eigenen Bewerber in die fünf verschiedenen Masterprogramme im Fach BWL auf.

"Das Problem zieht sich durchs ganze Land"

Elf Jahre nach dem Start der Bologna-Reform tritt nun ein, was Mahner schon befürchtet hatten als die Mammut-Reform 1999 beschlossen wurde: Der Bachelor kann für Studenten zur Sackgasse werden, sie müssen in Massenfächern wie BWL an eine Feld-Wald-und-Wiesen-Hochschule umziehen, wenn sie keine gute bis sehr gute Bachelor-Note haben.

2003 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass der Bachelor der Regelabschluss ist. Wer drei Jahre alle Credits für den Bachelor gesammelt hat, ist nicht wie früher in der Mitte sondern am Ende seines ersten Studiums. Und das Angebot an Masterplätzen ist geringer als die Zahl der Bachelor-Absolventen an einer Hochschule. Das ist politisch so gewollt.

Bereits im vergangenen Jahr sorgte das Übergangs-Dilemma an der Uni Potsdam für Aufregung. In den Bio-Wissenschaften legte die Universität eine Notengrenze von 2,6 für den Master fest. Viele Bachelor-Studenten waren wütend, dass sie jetzt umziehen sollten.

"Das Problem zieht sich durchs ganze Land", sagt Anja Graf-Gadow vom Freien Zusammenschluss StudentInnenschaften (fzs). Der fzs hatte auf der von Bund und Ländern groß inszenierten Bologna-Konferenz im Mai konkrete Zahlen von Universitäten und Landesministerien gefordert - doch die rücken keine raus, sagt Graf-Gadow.

"Hier werden Zukunftspläne verbaut, wenn nicht gar zerstört", sagt Oliver Jesper von der Fachschaft der Kölner Wirtschaftsstudenten. Den Grund für die verpatzte Vergabe der Masterstudienplätze sieht Jesper in "fehlgeschlagenem Protektionismus". Die Universität hatte im Vorfeld der Bewerbungen bestimmte Zugangsvoraussetzungen festgelegt. Um sich bewerben zu können, mussten Bachelor-Absolventen beispielsweise bestimmte Mindestpunktzahlen in BWL und VWL erreichen. "Die Uni dachte, dass dadurch sowieso nicht alle Studierenden von Fachhochschulen und Universitäten die Möglichkeit haben, sich zu bewerben", erklärt Jesper. Offenbar ein Trugschluss.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 229 Beiträge
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1. ...
L0k3 16.08.2010
Tjaja so ist das heutzutage. Versager braucht kein Mensch. Nur die besten der besten haben eine Chance eine 1a Ausbildung zu erhalten der Rest soll doch zusehen wie er zu Rande kommt. aber sich dann wundern wenn die Bevölkerung immer mehr verblödet und man keinen geeigneten 1er Nachwuchs mehr hat. :D
2. Schade für die Studenten...
rewerb 16.08.2010
aber es war doch klar, daß das passiert oder nicht? Die einzige Lösung ist die Rückkehr zum alten System. Mit dem Bologna-Quatsch hat man ein bewährtes und weltweit anerkanntes System ohne Not einem merkwürdigen Internationalisierungswahn geopfert.
3. Ich finde es in Ordnung
PastorBach 16.08.2010
Ich selbst finde den eingeführten Numerus Clausus in Ordnung. Somit ist - aus neutraler Sicht - sicher gestellt, das nur die Studenten für dne Master zugelassen werden, die bis dahin Top-Noten abliefern konnten. Natürlich ist eine 2,0 eine gute Note und so mancher würde sich wünschen, überhaupt eine 2,0 in seinem Leben zu erreichen. Insofern ist die Notengrenze durchaus diskussionswürdig. Aber hier geht es nicht nur um die individuellen Bedürfnisse Einzelner, sondern auch um das Fortkommen unseres Staates und unserer Gesellschaft als Ganzes. Und da brauchen wir Leute, die - zumindest schon mal auf dem Papier als "Eintrittskarte" - zu Spitzenleistungen (!) fähig sind. Gut ist manchmal nicht gut genug. So traurig das auch klingt. In vielen anderen Institutionen im Ausland wird das nicht anders gemacht. Will man als Student also mehr als nur den Bachelor, dann muss man richtig reinklotzen. Wer realitätsnaher am Berufsleben studieren will, dem kann ich nur ein berufsbegleitendes Studium an einer Fachhochschule empfehlen. Diese Studiengänge erfreuen sich in Unternehmen seit Jahren zunehmender Beliebtheit, da die Studenten dort doppelt ran müssen und durch eine harte Schule gehen.
4. Hmm...
Pacolito 16.08.2010
Es ist einfach nur schwachsinnig, so zu sieben. In vielen Studiengängen hat ein Bachelor einfach keinen Wert, man ist damit nicht voll ausgebildet und in der Wirtschaft fragt man den Bewerber (zurecht) "Ach, Bachelor? Wieso haben sie denn keinen Master gemacht? Dazu hats wohl nicht gereicht, was?" Da wird akademisches Kanonenfutter ausgebildet, mit geringer Halbwertzeit zum schnellen Verbrauch in der Wirtschaft. Bei solchen Quoten sollte man wirklich überlegen, ob einem persönlich nicht eine "ganze" Lehre mehr bringt als ein "halbes" Studium. Schade, Deutschland verschenkt mal wieder willkürlich Potential.
5.
donfuan 16.08.2010
Wenn wir eins nicht mehr brauchen, dann noch mehr BWLer. Insofern...
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