Dauerüberwachung: US-Studentin hält Eltern gerichtlich auf Abstand

Sie schauten ihr via Skype beim Schlafen zu, standen immer wieder plötzlich vor der Tür: Die Eltern einer US-Studentin überwachten ihre Tochter rund um die Uhr. Nun zog die 21-Jährige vor Gericht - und bekam recht. Mom und Dad dürfen ihr nicht mehr näher als 150 Meter kommen.

Eltern, die am liebsten mit auf den Campus ziehen und jeden Schritt ihrer erwachsenen Kinder begleiten, nerven manche Studenten. Einer 21-Jährigen in den USA wurde es nun zu bunt: Sie wehrte sich gerichtlich gegen ihre Eltern.

Ein Gericht in der Nähe der University of Cincinnati, wo Aubrey Ireland Theater studiert, verfügte: Ihre Mutter und ihr Vater dürfen sich ihr nur noch auf höchstens 500 Fuß - umgerechnet 150 Meter - nähern und bis September 2013 keinen Kontakt mehr zu ihr aufnehmen. Das berichtet unter anderem die Zeitung "The Times".

"Sie dachten, dass sie meinen Alltag komplett kontrollieren können, weil sie meine Studiengebühren und meinen Lebensunterhalt bezahlen", sagte die Studentin dem Sender ABC News. Sie hätten Überwachungssoftware auf ihrem Computer und Handy installiert und seien fast tausend Kilometer von ihrem Zuhause in Kansas für unangemeldete Besuche nach Cincinnati in Ohio gefahren - auch um mit Aubreys Fakultätsleiter zu sprechen.

"Wir stören sie nicht"

Dem hätten sie erzählt, dass ihre Tochter psychisch gestört sei und behandelt werden müsse. Sie könne das zwar gut überspielen, aber es gebe in der Familie mehrere Fälle von psychischen Erkrankungen. Außerdem sollen die Eltern behauptet haben, dass ihre Tochter sexuelle Freizügigkeit praktiziere und Drogen nehme.

Die Universität stellte sich offenbar auf die Seite der Studentin. Die Verwaltung stellte Sicherheitsleute ein, um Mutter und Vater von Auftritten der Theaterstudentin fernzuhalten. Außerdem erhielt Aubrey ein Stipendium der Universität, als die Eltern ihr nichts mehr zahlen wollten.

Ihre Mutter habe schon immer übermäßig viel Anteil genommen, sagt Aubrey. "In manchen Nächten musste ich Skype die ganze Nacht anlassen und meine Mutter schaute mir praktisch beim Schlafen zu." Der Gang vors Gericht sei ihr letzter Ausweg gewesen, um wieder selbstbestimmt leben zu können.

ABC News zitiert die Mutter lediglich mit zwei Sätzen aus dem Gerichtssaal: "Wir stören sie nicht, wir stellen kein Problem dar."

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insgesamt 59 Beiträge
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1. Da fragt man sich,
rigo-de-hain 29.12.2012
wer hier psychisch krank ist. Wie kann man von seinen eigenen Eltern nur so diffamiert werden. Selbst wenn das stimmen sollte, tritt man das als eigen Fleisch und Blut doch nicht vor Fremden breit. Schön, wie die Uni reagiert hat.
2.
HuFu 29.12.2012
Hä? Wie solln das gehen "Eltern schauen ihr beim Schlafen zu"? Da muss ICH doch AKTIVwas DAFÜR machen, damit wer zuschauen kann. Mir scheint eher, die gute Tochter konnte sich nicht abnabeln und muss mit 21 noch "gutschi, gutschi" machen zu ihren Eltern. Warum sich für so einen Quatsch Gerichte beschäftigen müssen.... Und was hat das Kind daraus gelernt? Sicherlich nix. Eine Therapie wäre hier wohl hilfreicher, als den Eltern per Gericht was verbieten zu wollen.
3. Wisst Ihr, was Volljährigkeit bedeutet, Amis?
Gluehweintrinker 29.12.2012
Anscheinend nicht. Und - nehmt mal zur Kenntnis, dass Töchterlein das bei uns auch schon mit 18 hätte durchsetzen können. Wie lange lebt eigentlich noch diese unsägliche Vorstellung von "wir wollen doch nur dein Bestes."? Kinder müssen eigene Erfahrungen machen, Überbehütung führt ins Chaos. Schickt mal jemand diese Eltern in einen Elternkurs?
4.
david_2010 29.12.2012
Zitat von HuFuHä? Wie solln das gehen "Eltern schauen ihr beim Schlafen zu"? Da muss ICH doch AKTIVwas DAFÜR machen, damit wer zuschauen kann. Mir scheint eher, die gute Tochter konnte sich nicht abnabeln und muss mit 21 noch "gutschi, gutschi" machen zu ihren Eltern. Warum sich für so einen Quatsch Gerichte beschäftigen müssen.... Und was hat das Kind daraus gelernt? Sicherlich nix. Eine Therapie wäre hier wohl hilfreicher, als den Eltern per Gericht was verbieten zu wollen.
Ich glaube, sie verstehen es einfach nicht. Haben Sie so wenig Empathie, sich nicht in andere Menschen hineinversetzen zu können ? Dann tun Sie mir aber leid. Die Tocher wurde scheinbar genötigt, sich derart überwachen zu lassen. Aus dem Artikel geht hervor, dass die Eltern ihre Töchter über deren finanzielle Abhängigkeit wohl gefügig machen wollten. Ich vermute Ihre Aussage lässt sich eher mit folgendem Begriff beschreiben: Jugend-Bashing.
5. optional
lokisflatmate 29.12.2012
@ HuFu: das "Kind" hat offensichtlich gelernt, wie es das Abnabeln durchsetzen kann, wenn die andere Seite der Familie klammert. Die Therapie brauchen doch wohl eher die Eltern.
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