Studienabbrecher Günther Jauch: Das ganze Leben ist ein Quiz

Von Henryk Hielscher

Versucht hat er es wirklich. Gleich zweimal nahm Moderator Günther Jauch Anlauf an der Uni, schmiss aber in Berlin und München sein Studium. Am Ende war der Sog der Medienwelt einfach stärker. Bereut hat er die Entscheidung nie - Millionär wurde Jauch trotzdem.

Aus dem beruhigenden Klangteppich wird ein hektisches Pulsieren, die Zuschauer verschwinden im Hintergrund, Kandidat und Showmaster erstrahlen im Scheinwerferlicht. Dann die Quizfrage für, sagen wir, 16.000 Euro: Welchen Abschluss hat Günther Jauch?

A: Bachelor
B: Diplom
C: Staatsexamen
D: keinen

Karriere schlug Studium: Quizmaster Jauch
DPA

Karriere schlug Studium: Quizmaster Jauch

Dreißig Sekunden Nachdenken, die Zeit läuft: Für A ist er mit seinen 48 Jahren zu alt - Studium irgendwann Ende der Siebziger, da gab's noch keinen Bachelor. Diplom? Hm, der Jauch mit seiner "Wer-wird-Millionär"-Masche sieht eher nach Staatsexamen aus: Fiese Fragen stellen, Stirn in Falten legen, linke Augenbraue hochziehen. Da scheint doch der typische Lehrer durch. Deutsch und Geschichte wahrscheinlich - irgendwas Unpraktisches, aber mit viel Potenzial zum Eindruck schinden. Klare Entscheidung: C.

Klare Fehlanzeige. Die Musik dudelt die Melodie des Scheiterns, und es ploppt die richtige Antwort auf: D. Der Vorzeigemoderator hat lieber Karriere gemacht als die Uni zu beenden. Gleich zwei Mal brach er sein Studium ab - und das ist gerade bei Medienmenschen ja ziemlich verbreitet.

Dabei sah anfangs alles noch nach einer grundsoliden Hochschullaufbahn aus. Sofort nach dem Abitur in Berlin ging es los mit Jura, einem Fach, dem laut Abbrecherstatistik viele die Treue halten. Und wäre Jauch dabei geblieben, wer weiß, vielleicht würde er heute als Richter durch den Fernsehnachmittag tingeln. Es kam anders.

Parallel zum Studium hatte sich Jauch für eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München beworben und bestand, wie er selbst sagt "überraschend", den Aufnahmetest. Doch im Nachhinein überrascht da wenig. Schließlich ist die DJS bekannt für ihren Prüfungsmix aus Talk und Quiz - inklusive Fragen zum Allgemeinwissen und Talentshow vor streng dreinblickender Journalisten-Jury: optimale Voraussetzungen für den Quotenstar in spe.

Studium interruptum - prominente Studienabbrecher


Also schmiss Jauch sein Jura-Studium, für das er ohnehin erst ein paar Scheine gemacht hatte, und ging nach München, um als Teilnehmer der 15. DJS-Lehrredaktion sein Handwerkszeug zu lernen. Und er lernte es. Zumindest lässt der Abschlussfilm zum Ausbildungsende bereits seine wahren Stärken erkennen. Ausstaffiert mit reichlich Lametta, Perücke und schrillem Anzug durfte er darin als "Showmaster Freddy" eine fiktive Quizshow bespaßen. Da war Mitschülern und Dozenten wohl längst klar, worauf es bei ihrem Günther hinauslaufen würde. Nur er selbst verweigerte sich standhaft seinem Schicksal und spekulierte weiter auf akademische Weihen.

Spagat zwischen Uni und Radio

Unmittelbar nach Ende der Ausbildung war es soweit, Jauch startete in die zweite Uni-Runde. Der Nachwuchsjournalist hatte damals gerade als Sportmoderator beim Hörfunk des Bayerischen Rundfunks (BR) angeheuert und durfte vorzugsweise nachts und am Wochenende auf Sendung. Doch die für altgediente BR-Insassen ausgesprochen ungemütlichen Arbeitszeiten freuten den Frischling. Endlich hatte er wieder Zeit zum Studieren. Diesmal versuchte sich Jauch in Politik und Neuerer Geschichte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Morgens Uni, abends Radio - das ging vier Semester lang gut. Dann störte mal wieder die Karriere den ordnungsgemäßen Studienverlauf. Jauch wechselte zum Zeitfunk des BR und übernahm dort andere Schichten: "Ein geregeltes Studium war nicht mehr möglich, und ich musste die Doppelbelastung zugunsten des BR beenden." Karriere statt Studium, bereut hat er es nicht. "Im Nachhinein bin ich froh, mich für den Beruf entschieden zu haben", sagt er heute.

Kein Wunder, Jauch ist einer der höchstbezahlten Moderatoren im Lande. Sein Jahressalär wird auf über drei Millionen Euro geschätzt. Beim Publikum gilt er mit großem Vorsprung als glaubwürdigster Werbeträger und nach einer Umfrage des Fachorgans "Frau im Spiegel" inzwischen als "beliebtester Deutscher", einer Bremer Schülerbefragung zufolge wäre er gar der Traumkanzler der Jungwähler. Reich, berühmt, beliebt, aber ohne Abschluss - es gibt härtere Schicksale.

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  • Dienstag, 10.10.2006 – 18:24 Uhr
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