Studienanfänger-Tagebuch: Erstis Allgemeine Verunsicherung

Fabienne kann nicht schlafen: Verpennt zum Griechisch-Seminar

Fabienne auf dem Weg zur Uni: Die Landschaft wurde immer ländlicher Zur Großansicht
Maren Volk

Fabienne auf dem Weg zur Uni: Die Landschaft wurde immer ländlicher

Verschlafen! Ich springe aus dem Bett, dann fällt mir auf, dass es stockdunkel ist. Schon als Kind schreckte ich vor ersten Schultagen mitten in der Nacht hoch und begriff erst nach einer Weile, dass ich noch ein paar Stunden länger schlafen konnte. Mein Unterbewusstsein hat meinen ersten Uni-Tag wohl mit ersten Schultagen gleichgesetzt - auch wenn meine Klassenkameraden nun Kommilitonen heißen.

Als es endlich hell wird, fühle ich mich wie gerädert. Dreimal kontrolliere ich, ob ich Block und Stifte in meinem Rucksack habe. Dann mache ich mich mit einem Zeitpuffer von einer halben Stunde auf zur Haltestelle, wo ich zielsicher die falsche Bahn nehme. Als die Landschaft immer ländlicher wird, fällt mir das auch endlich auf. Ich steige um Richtung Dresdner Innenstadt und komme gerade noch rechtzeitig. Der Seminarraum ist fast voll, nur in den vorderen zwei Reihen ist noch was frei.

Mir wird schnell klar, dass meine beiden Pflichtsemester Altgriechisch nicht leicht werden. Fünfmal anfangen bringe nichts, sagt die Altgriechisch-Professorin. Wer nicht das nötige Sitzfleisch mitbringe, na, der sei hier eben falsch. Zum Glück hat die Kommilitonin neben mir schon die Kurs-Unterlagen ausgedruckt, denn es geht sofort los: Mit der Teilnehmerliste in der Hand ruft die Professorin gut 40 Studenten nacheinander zum Vorlesen auf. Gar nicht so einfach, schließlich liegt vor uns ein komplett neues Alphabet voller Symbole, die ich nur teilweise aus Mathe und Physik kenne.

15 Studenten und noch mal so viele Senioren

Danach folgen die ersten Grammatik- und Akzent-Regeln - in der Schule hätten wir sicher in den ersten fünf Stunden nur Plakate gemalt. Nach 90 Minuten ist das Seminar vorbei, und ich muss mich beeilen: In einem anderen Gebäude, zwei Bushaltestellen weiter, beginnt in knapp 20 Minuten meine Christologie-Vorlesung.

Bei der Einführungsveranstaltung der Philosophischen Fakultät hat uns der Dozent ein Balkendiagramm gezeigt, wie viele Studenten welches Fach an der Fakultät studieren. Am längsten war der Balken in Geschichte. Durch Farben war aufgegliedert, wie viele auf Bachelor, Master oder Lehramt studierten. Der Balken bei Katholische Theologie war so klein, dass ich die farblichen Unterschiede kaum erkennen konnte. Bei der Einführungsveranstaltung meines Instituts waren wir etwa zehn Erstsemester.

Bei meiner ersten richtigen Vorlesung sind wir circa 15 Studenten und noch mal so viele Senioren als Gasthörer. Ich finde es spannend, was uns der Prof über seinen Fachbereich, die Systematische Theologie, erzählt. "Theologie ist ein kritisches Geschäft. Also, meine Damen und Herren: Glauben Sie mir nicht. Hinterfragen Sie!", sagt er und nimmt mir so meine letzten Zweifel, im Studium nur auf absolute Papstverfechter zu stoßen.

Zum Glück habe ich montags nur zwei Lehrveranstaltungen. Nach der Vorlesung hetze ich in die "Spiesser"-Redaktion, wo ich jetzt als Teilzeit-Redakteurin arbeite, und nach Feierabend fahre ich mit dem Fahrschulauto auf die Autobahn. Danach liege ich müde im Bett. Mit "Alpha, Beta, Gamma, Delta, …", murmle ich mich in den Schlaf.

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insgesamt 83 Beiträge
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1. welchen Job...
derlabbecker 20.10.2011
... will dieses Mädchen mit dem Altgriechisch Kurs mal machen.... Diplom Arbeitslose?
2. Marc unter Ahnungslosen
mauimeyer 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Ist ja ganz nett geschrieben! Wenn ich mir so den verschmierten Eingang der geisteswissenschaftlichen Fakultät anschaue, dann komme ich eher auf Schweinestall! Das sich Studenten darüber nicht maßlos beschweren und Vorschläge machen, wie man Staats(Gemein-)eigentum erhält! Politologie ist ja nicht schlecht, bringt aber später keinen EURO exportfähiges Bruttosozialprodukt!!! So etwas studiert man nebenbei nach Feierabend! Mir wird bange, wie eine ganze Generation (38%) gepampert wird! Erst mal schauen, wie die Stadt so ist, sich ein wenig eingewöhnen u.s.w. Zur gleichen Zeit sind die Lehrlinge eines Handwerks- oder Industriebetriebs bei der Arbeit und verdienen sich ihren Lebnsunterhalt selbst! Und später zahlen sie Steuern während die Politologen nch 4 Jahren noch eine "adäquate" Beschäftigung suchen! Es würde reichen, wenn 15% der besten studieren und zwar nur in den "harten" Fächern ohne jede neumodische Spezialisierung, wie z.B. Dipl.-Medienwirt!? Aber das ist auch die Generation die mit Stützrädern am Kinderfahrrad groß geworden ist! Heute haben sie schon den Sturzhelm auf dem Laufrad auf......Weicheier!! Kauri
3. Tunnelblick im Dauerzustand
el-gato-lopez 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Mal eine allgemeine Frage an die lieben Unispiegel-Schreiber: Ist euch eigentlich jemals aufgefallen, dass es auch noch Studiengänge in der Nat. Wiss. Ecke gibt, dazu noch die Juristerei, Medizin, Wiwi etc. etc. Nicht? Hm? Ich fände es ganz interessant, wenn der Studierendenalltag mal nicht aus der Ecke "Kultur/Medien/Phil etc. - diplomierte zukünftige Taxifahrer/Voluntäre und Kaffeehaus-Arte-Intellektuelle" betrachtet würde. Mich reizte es mal zu wissen, was ein Erstsemester-Chemiker so treibt oder wie das Studium für eine Informatikerin (in einer "Männerdomäne") abläuft... Aber nee, hier gehts wohl eher für die Unispiegelredatkeure darum, die eigene "Nachfolgergeneration" zu beleuchten und in allten Erinnerungen zu schwelgen... Tut euch einen gefallen und schlagt mal den Begriff "Silo Thinking" nach. Ja, ist so ein böser englischer BWL Ausdruck, aber eben - ein Blick über den 'Auskenner'-Tellerrand würde mal nicht schaden...
4. ..
sagichned 20.10.2011
Ich bin jetzt im 9 Semester Physik, ich hatte heute von 8 bis 16 Vorlesungen und Übungen. Ich bin hundemüde nach Hause gekommen und wollte mich nur noch ins Bett werfen und dann muss ich so einen Mist hier lesen. Wie können Leute neben dem Studium im ersten SEMESTER (!) überhaupt Zeit haben um Tagebücher zu schreiben!
5.
Kaygeebee 20.10.2011
Die ersten Tage sind immer die schwersten. Alles ist neu (Wohnung, Stadt, Uni, Leute), man kennt sich nicht aus und evtl. kommen auch Zweifel am Studium auf (Ist es das richtige? Vielleicht doch das Fach wechseln? Was ist wenn ich es nicht schaffe?). Nach einer Woche ist man schon recht gut an die Uni gewöhnt, nach zwei setzt schon die Routine ein. Nach einem Monat wird man denken das man schon zwei Jahre auf der Uni ist, so vertraut ist man mit dem Studentenalltag.
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