Studienanfänger-Tagebuch: Erstis Allgemeine Verunsicherung

Larissa in der Mensa: Mittagessen mit Luther, Wahrheiten über Goethe

Larissa und ihr Vintage-Bike: Das rosa Studentenrädchen gehörte vorher der Oma Zur Großansicht
Lena Heitzenröder

Larissa und ihr Vintage-Bike: Das rosa Studentenrädchen gehörte vorher der Oma

Seit zwei Wochen lebe ich in Tübingen und hatte bisher keine Zeit, irgendjemanden zu vermissen. Ich war gerade in mein WG-Zimmer eingezogen, da quartierte ich schon meine Kindergarten-Freundin Ellen ein. Sie studiert auf Lehramt, hat allerdings noch keinen Schlafplatz gefunden.

Kaum steht Ellens Koffer in meinem Zimmer und ihre Zahnbürste im Bad, muss ich weg. Stadt-Ralley, Kneipentour, Ersti-Kaffee, Campus-Führung - und das Ganze mal zwei, denn die Fachschaften meiner beiden Fakultäten strengen sich richtig an, um uns Uni-Anfängern den Einstieg leicht zu machen.

Bei der Stadtführung klären die älteren Semester auch das ein oder andere Tübinger Mysterium. An vielen Tübinger Hauswänden hängen Blechschilder mit der Aufschrift "Hier kotzte Goethe", jetzt habe ich auch zwei Erklärungen, warum: Johann Wolfgang von Goethe soll hier zwölf Tage lang zu Besuch gewesen sein und sich aus dem Fenster übergeben haben. Der Alkohol, sagen die einen. Andere behaupten, Goethe konnte meine liebgewonnene Studentenstadt Tübingen nicht leiden.

Der Stundenplan sieht so leer aus...

Nebenbei lerne ich bei den "Ersti-Veranstaltungen" auch die andere "Erstis" kennen, etwa den U-19-Basketball-Bundesligisten Stefan, der mich aus 2,03 Metern Höhe angrinst. Beim Medienwissenschafts-Mittagessen begegne ich Martin Luther, ich frage, was ihn immer alle fragen - und er heißt wirklich so. Gleich darauf begegne ich auch noch meiner Doppelgängerin: Eine Larissa mit genau der gleichen Fächerkombination. Irgendwann quillt mein Handy-Telefonbuch vor neuen Nummern über, und ich fange an, den Gesichtern falsche Namen zuzuordnen.

Zeit zum Entspannen bleibt keine, schließlich muss ich als leidenschaftliche Schwimmerin und Joggerin Tübingens Schwimmbäder erkunden, die besten Laufwege am Neckar testen, an Bibliotheksführungen teilnehmen und meinen Stundenplan zusammenpuzzeln.

Fünf Wochentage, Seminare, Tutorien, Vorlesungen, Intensivphasen und mittendrin: ich ohne Plan. Aber meine erfahrenen Mitbewohnerinnen und "Ex-Erstis" Lena und Sandra retten mich. Nach einigem Hin- und Herrücken, Rumspielen und Schieben steht er: mein erster Uni-Stundenplan, der auf den ersten Blick so leer aussieht…

Nicht mehr ganz so leer ist mein karierter Block nach den ersten Seminaren und Vorlesungen. Darin stehen Termine für die ersten Protokolle, Kompaktphasen und Hausarbeiten. Zwischen den Seiten stapeln sich Blätter mit Seminarlisten, Literaturempfehlungen und Referatsthemen. Der Schein des leeren Stundenplans trügt. Ich glaube, so sieht der Uni-Alltag aus.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. welchen Job...
derlabbecker 20.10.2011
... will dieses Mädchen mit dem Altgriechisch Kurs mal machen.... Diplom Arbeitslose?
2. Marc unter Ahnungslosen
mauimeyer 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Ist ja ganz nett geschrieben! Wenn ich mir so den verschmierten Eingang der geisteswissenschaftlichen Fakultät anschaue, dann komme ich eher auf Schweinestall! Das sich Studenten darüber nicht maßlos beschweren und Vorschläge machen, wie man Staats(Gemein-)eigentum erhält! Politologie ist ja nicht schlecht, bringt aber später keinen EURO exportfähiges Bruttosozialprodukt!!! So etwas studiert man nebenbei nach Feierabend! Mir wird bange, wie eine ganze Generation (38%) gepampert wird! Erst mal schauen, wie die Stadt so ist, sich ein wenig eingewöhnen u.s.w. Zur gleichen Zeit sind die Lehrlinge eines Handwerks- oder Industriebetriebs bei der Arbeit und verdienen sich ihren Lebnsunterhalt selbst! Und später zahlen sie Steuern während die Politologen nch 4 Jahren noch eine "adäquate" Beschäftigung suchen! Es würde reichen, wenn 15% der besten studieren und zwar nur in den "harten" Fächern ohne jede neumodische Spezialisierung, wie z.B. Dipl.-Medienwirt!? Aber das ist auch die Generation die mit Stützrädern am Kinderfahrrad groß geworden ist! Heute haben sie schon den Sturzhelm auf dem Laufrad auf......Weicheier!! Kauri
3. Tunnelblick im Dauerzustand
el-gato-lopez 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Mal eine allgemeine Frage an die lieben Unispiegel-Schreiber: Ist euch eigentlich jemals aufgefallen, dass es auch noch Studiengänge in der Nat. Wiss. Ecke gibt, dazu noch die Juristerei, Medizin, Wiwi etc. etc. Nicht? Hm? Ich fände es ganz interessant, wenn der Studierendenalltag mal nicht aus der Ecke "Kultur/Medien/Phil etc. - diplomierte zukünftige Taxifahrer/Voluntäre und Kaffeehaus-Arte-Intellektuelle" betrachtet würde. Mich reizte es mal zu wissen, was ein Erstsemester-Chemiker so treibt oder wie das Studium für eine Informatikerin (in einer "Männerdomäne") abläuft... Aber nee, hier gehts wohl eher für die Unispiegelredatkeure darum, die eigene "Nachfolgergeneration" zu beleuchten und in allten Erinnerungen zu schwelgen... Tut euch einen gefallen und schlagt mal den Begriff "Silo Thinking" nach. Ja, ist so ein böser englischer BWL Ausdruck, aber eben - ein Blick über den 'Auskenner'-Tellerrand würde mal nicht schaden...
4. ..
sagichned 20.10.2011
Ich bin jetzt im 9 Semester Physik, ich hatte heute von 8 bis 16 Vorlesungen und Übungen. Ich bin hundemüde nach Hause gekommen und wollte mich nur noch ins Bett werfen und dann muss ich so einen Mist hier lesen. Wie können Leute neben dem Studium im ersten SEMESTER (!) überhaupt Zeit haben um Tagebücher zu schreiben!
5.
Kaygeebee 20.10.2011
Die ersten Tage sind immer die schwersten. Alles ist neu (Wohnung, Stadt, Uni, Leute), man kennt sich nicht aus und evtl. kommen auch Zweifel am Studium auf (Ist es das richtige? Vielleicht doch das Fach wechseln? Was ist wenn ich es nicht schaffe?). Nach einer Woche ist man schon recht gut an die Uni gewöhnt, nach zwei setzt schon die Routine ein. Nach einem Monat wird man denken das man schon zwei Jahre auf der Uni ist, so vertraut ist man mit dem Studentenalltag.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Studienstart
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 83 Kommentare
  • Zur Startseite
Die Studienstart-Kolumnisten
  • Patrick Leibach
    Larissa Rohr, 19, kommt aus Frankweiler in Rheinland-Pfalz und studiert seit Oktober Politik- und Medienwissenschaften in Tübingen.
  • Brian Bailey
    Fabienne Kinzelmann, 19, schwor sich: nie Arzt wie Papa. Nach ihrem Abitur in Stuttgart studiert sie in Dresden Katholische Theologie im interdisziplinären Kontext.
  • Marius Brede
    Marc Becker, 20, studiert nach seinem Abi in Kassel seit Oktober in Marburg Politikwissenschaft. Später will er vielleicht mal als Journalist arbeiten. Oder bei einer NGO.

Fotostrecke
Studienstart-Triathlon: Einpacken, auspacken, anfreunden

Fotostrecke
Studienstart-Fieber: Endloser Sommer vorbei, Semester beginnt!

Fotostrecke
Uni-Werbung: Aus dem Osten kommt das Licht