Studienanfänger-Tagebuch: Erstis Allgemeine Verunsicherung

Marc unter Ahnungslosen: Wann geht die Uni los?

Marc vor der "PhilFak": Was soll in so einem einladenden Gebäude schiefgehen? Zur Großansicht
Tamilwai Kolowa

Marc vor der "PhilFak": Was soll in so einem einladenden Gebäude schiefgehen?

Eigentlich kenne ich das Uni-Gebäude, ich habe es mir schon im Juni angesehen - damals noch als Abiturient. Es ist ein neues, ungewohntes Gefühl, es als richtiger Student zu betreten. In der vergangenen Woche begann die Einführungswoche mit einer Veranstaltung im Hörsaal. Mit mir drängten sich 120 Politik-"Erstis" ins Auditorium - und doch fühlte ich mich in dem Moment etwas allein.

Aber das änderte sich, nachdem eine Professorin und Mitglieder der Fachschaft uns begrüßt hatten: Wir wurden in Kleingruppen aufgeteilt, damit wir uns kennenlernen. Danach fühle ich mich schon etwas weniger auf mich allein gestellt.

Mit zwei "Teamern", also zwei älteren Studenten, verbrachten wir die ganze Einführungswoche in diesen Gruppen. Lisa und Bernd studieren im dritten und fünften Semester Politikwissenschaft, sie sagten uns, welche Seminare interessant sind und zeigten uns Marburg. Gemeinsam besuchten wir Einführungsveranstaltungen, machten Stadt-Rallyes und trafen uns abends in der Kneipe oder auf Partys.

Alle sagen: Lasst euch Zeit!

Danach kenne ich viele neue Leute, mein Stundenplan steht auch, und ich fühle mich eigentlich gut vorbereitet. Doch dann klicke ich mich am Sonntagabend, bevor die Uni richtig losgeht, noch mal durch das elektronische Vorlesungsverzeichnis. In der Einführungswoche geisterte das Gerücht herum, dass die Seminare noch nicht beginnen würden. Im Verzeichnis steht jetzt etwas anderes. Ich chatte mit meinen ebenfalls ahnungslosen neuen Kommilitonen und beschließe, dass ich nicht schon am ersten Tag fehlen will.

Am Montagmorgen fahre ich zur Uni und tatsächlich: Das Seminar findet statt. Rund 40 Studenten hatten sich angemeldet, nur 20 sitzen jetzt im Raum. Das sei eine überraschend kleine Gruppe, mit der sich gut arbeiten ließe, sagt der Dozent. Ich glaube, er freute sich - ohne zu wissen, dass die meisten unfreiwillig schwänzen.

Erst erklärt der Dozent den Seminarplan und vergibt die Referatsthemen, danach diskutieren wir über die Rolle der Medien im politischen System der Bundesrepublik. Der angenehme Unterschied zur Schule: Damals hätte die Hälfte bei diesem Thema gleich abgeschaltet, hier sitzen nur Leute, die es wirklich interessiert.

Leider sind die Veranstaltungen nicht immer so angenehm leer. Vor allem die Angebote um die Mittagszeit herum sind hoffnungslos überlaufen, und Freitagabend will natürlich kaum jemand ein Tutorium besuchen. Für manche Tutorien werden direkt nach der Vorlesung Listen ausgelegt, in die wir uns eintragen sollen. Einige Studenten springen dann über Bänke, um als Erster die Liste zu erreichen. Ich hatte bisher immer Glück.

So langsam finde ich mich auch im Dschungel der Uni-Organisationen und in der Prüfungsordnung zurecht. Als Anfänger ist es gut zu wissen, dass ich nicht sofort alles wissen und können muss - denn das von Professoren und älteren Studierenden beschworene Geheimnis lautet: Lasst euch Zeit!

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insgesamt 83 Beiträge
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1. welchen Job...
derlabbecker 20.10.2011
... will dieses Mädchen mit dem Altgriechisch Kurs mal machen.... Diplom Arbeitslose?
2. Marc unter Ahnungslosen
mauimeyer 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Ist ja ganz nett geschrieben! Wenn ich mir so den verschmierten Eingang der geisteswissenschaftlichen Fakultät anschaue, dann komme ich eher auf Schweinestall! Das sich Studenten darüber nicht maßlos beschweren und Vorschläge machen, wie man Staats(Gemein-)eigentum erhält! Politologie ist ja nicht schlecht, bringt aber später keinen EURO exportfähiges Bruttosozialprodukt!!! So etwas studiert man nebenbei nach Feierabend! Mir wird bange, wie eine ganze Generation (38%) gepampert wird! Erst mal schauen, wie die Stadt so ist, sich ein wenig eingewöhnen u.s.w. Zur gleichen Zeit sind die Lehrlinge eines Handwerks- oder Industriebetriebs bei der Arbeit und verdienen sich ihren Lebnsunterhalt selbst! Und später zahlen sie Steuern während die Politologen nch 4 Jahren noch eine "adäquate" Beschäftigung suchen! Es würde reichen, wenn 15% der besten studieren und zwar nur in den "harten" Fächern ohne jede neumodische Spezialisierung, wie z.B. Dipl.-Medienwirt!? Aber das ist auch die Generation die mit Stützrädern am Kinderfahrrad groß geworden ist! Heute haben sie schon den Sturzhelm auf dem Laufrad auf......Weicheier!! Kauri
3. Tunnelblick im Dauerzustand
el-gato-lopez 20.10.2011
Zitat von sysopSo sieht also das Uni-Chaos aus:*Marc*kämpft um Seminarplätze, Larissa bietet*einer*obdachlosen Freundin ein Bett und Fabienne lernt ihre Ü60-Kommilitonen kennen. Für den UniSPIEGEL berichten die drei von ihrem Studienstart. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,792460,00.html
Mal eine allgemeine Frage an die lieben Unispiegel-Schreiber: Ist euch eigentlich jemals aufgefallen, dass es auch noch Studiengänge in der Nat. Wiss. Ecke gibt, dazu noch die Juristerei, Medizin, Wiwi etc. etc. Nicht? Hm? Ich fände es ganz interessant, wenn der Studierendenalltag mal nicht aus der Ecke "Kultur/Medien/Phil etc. - diplomierte zukünftige Taxifahrer/Voluntäre und Kaffeehaus-Arte-Intellektuelle" betrachtet würde. Mich reizte es mal zu wissen, was ein Erstsemester-Chemiker so treibt oder wie das Studium für eine Informatikerin (in einer "Männerdomäne") abläuft... Aber nee, hier gehts wohl eher für die Unispiegelredatkeure darum, die eigene "Nachfolgergeneration" zu beleuchten und in allten Erinnerungen zu schwelgen... Tut euch einen gefallen und schlagt mal den Begriff "Silo Thinking" nach. Ja, ist so ein böser englischer BWL Ausdruck, aber eben - ein Blick über den 'Auskenner'-Tellerrand würde mal nicht schaden...
4. ..
sagichned 20.10.2011
Ich bin jetzt im 9 Semester Physik, ich hatte heute von 8 bis 16 Vorlesungen und Übungen. Ich bin hundemüde nach Hause gekommen und wollte mich nur noch ins Bett werfen und dann muss ich so einen Mist hier lesen. Wie können Leute neben dem Studium im ersten SEMESTER (!) überhaupt Zeit haben um Tagebücher zu schreiben!
5.
Kaygeebee 20.10.2011
Die ersten Tage sind immer die schwersten. Alles ist neu (Wohnung, Stadt, Uni, Leute), man kennt sich nicht aus und evtl. kommen auch Zweifel am Studium auf (Ist es das richtige? Vielleicht doch das Fach wechseln? Was ist wenn ich es nicht schaffe?). Nach einer Woche ist man schon recht gut an die Uni gewöhnt, nach zwei setzt schon die Routine ein. Nach einem Monat wird man denken das man schon zwei Jahre auf der Uni ist, so vertraut ist man mit dem Studentenalltag.
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    Larissa Rohr, 19, kommt aus Frankweiler in Rheinland-Pfalz und studiert seit Oktober Politik- und Medienwissenschaften in Tübingen.
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    Marc Becker, 20, studiert nach seinem Abi in Kassel seit Oktober in Marburg Politikwissenschaft. Später will er vielleicht mal als Journalist arbeiten. Oder bei einer NGO.

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