Studienanfänger-Tagebuch: Gott, Mama, Asta

4. Teil: Marc als Fachschafter: die Jagd nach dem generischen Maskulinum

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Jasmin Hagedorn

Die Fachschaft Politikwissenschaft begleitet mich schon mein ganzes kurzes Uni-Leben lang: Sie organisierte am Semesteranfang die Orientierungswoche, ist mit uns durch die Stadt und Kneipen gezogen. Damals hat mich beeindruckt, wie viel Mühe sich die Fachschaft gemacht hat, um mir den Uni-Einstieg zu erleichtern - schließlich fand die Orientierungswoche statt, als alle anderen noch Semesterferien hatten. Seitdem wollte ich wissen, was die Fachschaft sonst noch so macht und was ihre Mitglieder antreibt.

Also saß ich schon in meiner ersten Vorlesungswoche bei einem Fachschaftstreffen. Etwa 15 Studierende (auf die Vermeidung der rein maskulinen Form Studenten legen hier alle großen Wert) versammeln sich einmal wöchentlich im Fachschaftsraum der Uni. Dabei sprechen sie über Uni-Gremien-Sitzungen, sie organisieren Film- und Vortragsreihen, Partys und diskutieren über aktuelle Probleme: etwa die Prüfungssituation mit den vielen Klausuren, in denen wir nur Gelerntes reproduzieren sollen, anstatt in Hausarbeiten richtig wissenschaftlich zu arbeiten.

Bislang kannte ich nur die Schülervertretung, die aber nur wenig mitbestimmen durfte. Dagegen überraschte mich die Vielfalt der studentischen Initiativen: Ich konnte mir unter einer Fachschaft zunächst nichts vorstellen, hatte keine Ahnung, was die Abkürzungen der vielen linken Hochschulgruppen bedeuten und hätte nie gedacht, dass sogar Studentenverbindungen im Parlament vertreten sind.

Gibt es in Diskussionsrunden eine männliche Dominanz?

Mir gefällt, dass die Initiativen ihre Ideen mit viel Elan verfolgen und dass sich hier Menschen treffen, die etwas verändern wollen. So setzt sich meine Fachschaft beispielsweise für eine Zivilklausel ein, mit der sich die Uni verpflichtet, ausschließlich für friedliche Zwecke zu forschen.

Einmal im Wintersemester findet ein Fachschaftswochenende am Edersee in Nordhessen statt. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen, schließlich will ich alle kennenlernen und mich richtig ins Fachschaftsleben einfinden.

30 Studierende nahmen teil, darunter auch viele aus höheren Semestern und sogar ein paar Master-Studierende, die ich sonst im Uni-Alltag nicht so oft zu sehen bekomme. Mich beruhigte ihre entspannte Sichtweise - zum Beispiel im Hinblick auf die bevorstehenden Klausuren: Das werde alles "halb so wild".

Wir kochten gemeinsam, spielten Karten, gingen spazieren - und natürlich diskutierten wir viel, einmal sogar bis spät in die Nacht. Dabei sprachen wir auch über uns. Wir verstehen uns als basisdemokratisches Projekt, möglichst ohne Hierarchien, völlig gleichberechtigt. So weit sind sich alle einig. Aber wie soll das umgesetzt werden? Gibt es in Diskussionsrunden eine männliche Dominanz und wenn ja: Sollte sie durch eine quotierte Redeliste gebremst werden? Das wollen wir jetzt stärker beobachten und gegebenfalls eine Quotierung testen.

Solche Diskussionen können ganz schön anstrengen, weil es ein langer Prozess ist, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. Trotzdem hat mich das Wochenende darin bestätigt, dass dieses Engagement sehr wichtig ist - schließlich sollten wir die Entscheidungen an der Uni nicht nur den Profs überlassen.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. also wenn...
martyorleo 23.12.2011
es ein studiengang gibt der total überflüssig ist, dann theologie!
2. freies Ur/heiden-christentum vom Grundrecht der Religionsfreiheit ausgeschlossen
kalumeth 23.12.2011
Zitat von sysopWas zählt im Studium? Fabienne kommen Zweifel, ob sie das*unter Theologen herausfinden*wird. Für Larissa ist die zentrale Aufgabe erst einmal das Elternmanagement und Marc diskutiert*über Frauen-Quoten auf Redelisten.*Die Erstsemester-Kolumnisten*im UniSPIEGEL*zeigen: Jeder findet seinen Weg. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,804830,00.html
solange kirchenchristlicher Glaube einerseits immer noch durch frühkindlich-UNBEWUSSTE Zwangstaufe durch Eltern verbreitet, und später dann bischöflicherseits durch Androhung von Gehaltseinbussen auch evangelischen Pfarrern eine freigeistige Spiritualität verboten wird, leben wir immer noch -nur unwesentlich weichgespülter- in Zeiten der Inquisition. Wahren heidnisch-christlichen Urglauben findet man hingegen in den Sternen von Bethlehem und Leonardo da Vincis 12 astrologischen Abendmahlsprinzipien google61e1160cf001c8a0.html Ein Weg entsteht indem man ihn geht - Hildeg.v.Bingen, 13.Jhdt (http://pathfinder.oyla14.de)Solches kulturelles Wissen verschweigen die theologischen Fakultäten immer noch "wieder besseren (verlorengegangenen) Wissens".
3. .....
ichbinsdiesusi 23.12.2011
Zitat von sysopWas zählt im Studium? Fabienne kommen Zweifel, ob sie das*unter Theologen herausfinden*wird. Für Larissa ist die zentrale Aufgabe erst einmal das Elternmanagement und Marc diskutiert*über Frauen-Quoten auf Redelisten.*Die Erstsemester-Kolumnisten*im UniSPIEGEL*zeigen: Jeder findet seinen Weg. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,804830,00.html
ich kenne linke studentenvertretungen und fachschaften noch als ansammlung von dreiundzwanzigstsemestern, die ihr studium mit protest gegen die missstände verbracht haben und ob der misstände schon mal gar nicht mehr weiterstudiert haben... gehandelt wurde selten, gemeckert dafür mehr.... studierendenvertretungen waren nie ansprechpartner für probleme, so denn man eine lösung erwartet hat. vielmehr wurden probleme gleich zum politikum gemacht, was dazu führte, dass man die wahl hatte, sich entweder mitzuengagieren und ich in den kreis der 23.-semester einzuordnen oder einen anderen schnellen weg zu finden..... anständig angezogen mit gepflegtem äußeren und mit netten worten ist man als einzelner studi bei höheren ordnungen komischerweise schnell zum ziel gekommen. platz im seminar nicht bekommen? hin zum dekan, fall vorgetragen und schon saß man drin. fachschaften sind erstaunlicherweise auch nur noch partyorganisierer. meine letzten sammelmails, die ich als studi vom fachschaftsrat bekommen habe, beinhalteten folgende angaben: filmabend: knabberzeug besorgen wir, booze müsst ihr selber besorgen. pubcrawl: wenn ihr bei uns 2 euro hinterlegt, bekommt ihr den ganzen abend shots für 50 cent. weihnachtsfeier: booze-wichteln --> packt eine flasche hochprozentigen alkohol eurer wahl in ein paket und dann wird ausgelost. sommerfeier: als studi bekommt ihr shots zum halben preis, so wird die stimmung auch bei regen sommerlich warm.
4.
Andreas Rolfes 23.12.2011
Zitat von ichbinsdiesusiich kenne linke studentenvertretungen und fachschaften noch als ansammlung von dreiundzwanzigstsemestern, die ihr studium mit protest gegen die missstände verbracht haben und ob der misstände schon mal gar nicht mehr weiterstudiert haben... gehandelt wurde selten, gemeckert dafür mehr.... studierendenvertretungen waren nie ansprechpartner für probleme, so denn man eine lösung erwartet hat. vielmehr wurden probleme gleich zum politikum gemacht, was dazu führte, dass man die wahl hatte, sich entweder mitzuengagieren und ich in den kreis der 23.-semester einzuordnen oder einen anderen schnellen weg zu finden..... anständig angezogen mit gepflegtem äußeren und mit netten worten ist man als einzelner studi bei höheren ordnungen komischerweise schnell zum ziel gekommen. platz im seminar nicht bekommen? hin zum dekan, fall vorgetragen und schon saß man drin. fachschaften sind erstaunlicherweise auch nur noch partyorganisierer. meine letzten sammelmails, die ich als studi vom fachschaftsrat bekommen habe, beinhalteten folgende angaben: filmabend: knabberzeug besorgen wir, booze müsst ihr selber besorgen. pubcrawl: wenn ihr bei uns 2 euro hinterlegt, bekommt ihr den ganzen abend shots für 50 cent. weihnachtsfeier: booze-wichteln --> packt eine flasche hochprozentigen alkohol eurer wahl in ein paket und dann wird ausgelost. sommerfeier: als studi bekommt ihr shots zum halben preis, so wird die stimmung auch bei regen sommerlich warm.
Jaja, "studentische Selbstverwaltung" = "Selbstbereichung kleiner Gruppen von Weltverbesserern". Flachschaft und Hasta-la-vista-AStA braucht keiner!
5. Nicht meckern...
nbwDocSnyder 23.12.2011
Zitat von Andreas RolfesJaja, "studentische Selbstverwaltung" = "Selbstbereichung kleiner Gruppen von Weltverbesserern". Flachschaft und Hasta-la-vista-AStA braucht keiner!
...selber machen! Unsere Fachschaft z.B. setzt sich seit Jahren aktiv für ihre Studenten ein, indem sie an der Entwicklung der Studiengänge mitwirkt, Betreuung/Nachhilfe anbietet und auch sonstige Dienste bereit stellt - ohne das die Leute die das tun dafür bezahlt werden (außer für die Nachhilfestunden). Es stimmt schon, dass sich gewisse (linke und rechte) Gruppen gerne mal über die Maßen an studentischen Geldern bedienen. Aber dagegen hilft es nicht, nur zu meckern und gleich die Abschaffung jeglicher Selbstverwaltung zu fordern. Da muss man sich halt mal selbst mit einbringen und über den Tellerrand gucken. Ist ja eigentlich gefragt heute, aber den meisten Studis ist es schon zuviel Aufwand, ein Mal im Jahr wählen zu gehen...
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