Die Fachschaft Politikwissenschaft begleitet mich schon mein ganzes kurzes Uni-Leben lang: Sie organisierte am Semesteranfang die Orientierungswoche, ist mit uns durch die Stadt und Kneipen gezogen. Damals hat mich beeindruckt, wie viel Mühe sich die Fachschaft gemacht hat, um mir den Uni-Einstieg zu erleichtern - schließlich fand die Orientierungswoche statt, als alle anderen noch Semesterferien hatten. Seitdem wollte ich wissen, was die Fachschaft sonst noch so macht und was ihre Mitglieder antreibt.
Also saß ich schon in meiner ersten Vorlesungswoche bei einem Fachschaftstreffen. Etwa 15 Studierende (auf die Vermeidung der rein maskulinen Form Studenten legen hier alle großen Wert) versammeln sich einmal wöchentlich im Fachschaftsraum der Uni. Dabei sprechen sie über Uni-Gremien-Sitzungen, sie organisieren Film- und Vortragsreihen, Partys und diskutieren über aktuelle Probleme: etwa die Prüfungssituation mit den vielen Klausuren, in denen wir nur Gelerntes reproduzieren sollen, anstatt in Hausarbeiten richtig wissenschaftlich zu arbeiten.
Bislang kannte ich nur die Schülervertretung, die aber nur wenig mitbestimmen durfte. Dagegen überraschte mich die Vielfalt der studentischen Initiativen: Ich konnte mir unter einer Fachschaft zunächst nichts vorstellen, hatte keine Ahnung, was die Abkürzungen der vielen linken Hochschulgruppen bedeuten und hätte nie gedacht, dass sogar Studentenverbindungen im Parlament vertreten sind.
Gibt es in Diskussionsrunden eine männliche Dominanz?
Mir gefällt, dass die Initiativen ihre Ideen mit viel Elan verfolgen und dass sich hier Menschen treffen, die etwas verändern wollen. So setzt sich meine Fachschaft beispielsweise für eine Zivilklausel ein, mit der sich die Uni verpflichtet, ausschließlich für friedliche Zwecke zu forschen.
Einmal im Wintersemester findet ein Fachschaftswochenende am Edersee in Nordhessen statt. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen, schließlich will ich alle kennenlernen und mich richtig ins Fachschaftsleben einfinden.
30 Studierende nahmen teil, darunter auch viele aus höheren Semestern und sogar ein paar Master-Studierende, die ich sonst im Uni-Alltag nicht so oft zu sehen bekomme. Mich beruhigte ihre entspannte Sichtweise - zum Beispiel im Hinblick auf die bevorstehenden Klausuren: Das werde alles "halb so wild".
Wir kochten gemeinsam, spielten Karten, gingen spazieren - und natürlich diskutierten wir viel, einmal sogar bis spät in die Nacht. Dabei sprachen wir auch über uns. Wir verstehen uns als basisdemokratisches Projekt, möglichst ohne Hierarchien, völlig gleichberechtigt. So weit sind sich alle einig. Aber wie soll das umgesetzt werden? Gibt es in Diskussionsrunden eine männliche Dominanz und wenn ja: Sollte sie durch eine quotierte Redeliste gebremst werden? Das wollen wir jetzt stärker beobachten und gegebenfalls eine Quotierung testen.
Solche Diskussionen können ganz schön anstrengen, weil es ein langer Prozess ist, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. Trotzdem hat mich das Wochenende darin bestätigt, dass dieses Engagement sehr wichtig ist - schließlich sollten wir die Entscheidungen an der Uni nicht nur den Profs überlassen.
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