Studienanfänger-Tagebuch: Wikipedia verursacht Ausschlag

Fabienne und der böse Gott: "Auf wen kann ich mich verlassen?"

Referatspremiere: Diskussionen über die Existenz des Bösen Zur Großansicht
Maren Volk

Referatspremiere: Diskussionen über die Existenz des Bösen

"Wollen wir uns heute in der Slub treffen?", bettle ich meine ehemalige Klassenkameradin Maren an, die jetzt in Dresden Kunstgeschichte studiert. Ich kenne mich: Wenn jemand neben mir konzentriert lernt, schmeiße auch ich meinen Kram nicht so schnell wieder hin. Widerwillig gibt Maren nach, und wir verabreden uns in der Sächsischen Landes- und Unibibliothek, der Slub eben.

Maren war immer die Ehrgeizigere und Fleißigere, hatte stets alles pünktlich fertig und machte schlussendlich auch ein Einser-Abi, während ich mich mit Mathe, Französisch, Hausaufgaben und Abgabeterminen verhedderte. Jetzt sitzen wir in der Bibliothek, und es scheint genau umgekehrt: Im Grundkurs-Seminar habe ich mir den ersten Termin geschnappt, um es schnell hinter mich zu bringen. Ich habe deshalb nur wenige Tage Zeit für mein Referat zum Thema "Gnostizismus und Theodizee".

Doch als ich vor den riesigen Bücherregalen stehe, bereue ich, keine Bibliotheksführung mitgemacht zu haben. Wie soll ich mich zurechtfinden? Ich habe keine Ahnung, ob die Bücher nach Autor, Thema oder Titel sortiert sind. Eher zufällig stoße ich auf Theologie-Lexika. Gnostiker gehen davon aus, religiöses Geheimwissen zu besitzen. Sie teilen die Welt in Gut und Böse, in ihr herrscht folglich ein guter und ein böser Gott. Die Theodizee umfasst die Frage, warum Gott, wenn er doch gut und allmächtig ist, überhaupt Leid zulässt.

Während ich mich in mein Thema einarbeite, liest Maren Kunstbände über Caspar David Friedrich und Bernini, um zu entscheiden, über welches Werk sie ein Essay schreibt. Nach einer Stunde schaut sie immer wieder auf die Uhr und fragt, ob ich noch lange brauche.

In der Schule wusste ich, auf wen ich mich verlassen kann

Je mehr ich lese, desto spannender finde ich das Referatsthema. Einen Tag vor dem Termin habe ich viel zu viel Material, das ich in 20 Minuten Vortragszeit pressen muss. Vor dem Seminar bin ich nervös. In der Schule wusste ich immer genau, auf wen ich mich während des Referats verlassen konnte: wer tolle Fragen stellt, wen ich besser nicht dran nehme, was der Lehrer sehen will. Jetzt kenne ich vielleicht die Hälfte der anwesenden Kommilitonen überhaupt beim Namen.

Der Anfang läuft ziemlich gut, dann aber kollidiert die Zahl meine Themenschwerpunkte mit der knappen Zeit und meinen diskussionsfreudigen Kommilitonen: Der Philosophie-Student hängt sich an Definitionen auf, eine Lehramtsstudentin zweifelt die Existenz des Bösen an, aus dem Augenwinkel sehe ich meinen Dozenten unruhig werden. Letztlich zahlt es sich aus, dass ich so viel gelesen habe: Ich kann alle Fragen beantworten und bekomme die Bestnote. Ganz perfekt lief es zwar nicht, aber ich kann ja noch viel üben.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. mint?
dijle 16.11.2011
schoene Geschichten und irgendwie ganz normale Studienanfaengergeschichten, aber warum nur Geisteswissenschaftler? Warum nicht Grundpraktikum Elektrotechnik statt Seminar ueber das ueber das Boese in der Welt? Warum nicht Logik fuer Informatiker, wo schon auf der 1. Seite von 30 der 1. Beweis steht, wo uns doch frueher der Mathelehrer beim beweisen immer das Haendchen gehalten hat, statt Klage ueber Fachtermini? Ist MINT zu unsexy, angst das es da keine fotogenen, spannenden Menschen gibt? Glauben Sie mir, ist unbegruendet.
2. Korrekt.
crewteam85 16.11.2011
Hallo dijle, da stimme ich Ihnen aber mal sowas von zu!
3. ...
pappnose 16.11.2011
Zitat von dijleschoene Geschichten und irgendwie ganz normale Studienanfaengergeschichten, aber warum nur Geisteswissenschaftler? Warum nicht Grundpraktikum Elektrotechnik statt Seminar ueber das ueber das Boese in der Welt? Warum nicht Logik fuer Informatiker, wo schon auf der 1. Seite von 30 der 1. Beweis steht, wo uns doch frueher der Mathelehrer beim beweisen immer das Haendchen gehalten hat, statt Klage ueber Fachtermini? Ist MINT zu unsexy, angst das es da keine fotogenen, spannenden Menschen gibt? Glauben Sie mir, ist unbegruendet.
ich mag mich irren, aber ich denke mal, dass Spon mehrheitlich von Geisteswissenschaftlern gelesen wird, man könnte jetzt richtig weit ausholen und darüber nachdenken, weshalb hier im Forum eher ein ... hmm naja ... sagen wir mal "linker" Ton angeschlagen wird ;-) ach ist noch zu früh sich hier über Germanisten, Theologie (HAHA!) "Wissenschaftler" und Philosophen lustig zu machen. Obwohl, eigentlich nicht
4. .
Pitlord 16.11.2011
Das Theman hatten wir hier schon die letzten Wochen und durch das Gemecker wird sichd as jetzt auch nicht mehr ändern. Eventuell sind die dre ausgewählt worden, weil sie bereits vorher für den Spiesser geschrieben haben. Es ist nunmal so, dass Studenten der Geisteswissenschaften dinge niederschreiben, während MINT-Studenten oft praktischer veranlagt sind, das zeigt sich halt auch schon in der Schulzeit und der Schülerzeitungsredaktion. Im übrigen dürfte der Studienablauf und das Chaos ziemlich ähnlich sein, egal was man studiert.
5. Vorurteile helfen nicht
dijle 16.11.2011
Zitat von PitlordDas Theman hatten wir hier schon die letzten Wochen und durch das Gemecker wird sichd as jetzt auch nicht mehr ändern. Eventuell sind die dre ausgewählt worden, weil sie bereits vorher für den Spiesser geschrieben haben. Es ist nunmal so, dass Studenten der Geisteswissenschaften dinge niederschreiben, während MINT-Studenten oft praktischer veranlagt sind, das zeigt sich halt auch schon in der Schulzeit und der Schülerzeitungsredaktion. Im übrigen dürfte der Studienablauf und das Chaos ziemlich ähnlich sein, egal was man studiert.
die Wiederholung von Vorurteilen hilft nix. Das Problem ist wohl eher, dass garnicht erst gesucht wird. Klar muss man mal 3 minuten ausserhalb seines eigenen Denkens schaun. Schauen Sie mal in der Welt der Blogs, da finden sie sicher genug MINT-Studenten und auch schon Schueler die Schreiben. Und uebrigens zum "praktisch veranlagt" zumindest M und I zu weiten Teilen auch N verlangt verlangt enormes Abstraktionsvermoegen. Das wiederholte Fordern von veraenderung hilft hingegen schon. Ich glaub nicht, dass spon nochmal eine serie wie diese macht ohne wenigstens einen alibi mathematiker.
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