Studienanfänger-Tagebuch: Wikipedia verursacht Ausschlag

Marc und Nora machen Nachtschicht: "Wikipedia verursacht Ausschlag"

Marc (mit Nora) in Marburg: Lernen in der PolBib, Schokoriegel kaufen im "Café Stammheim" Zur Großansicht
Tamilwai Kolowa

Marc (mit Nora) in Marburg: Lernen in der PolBib, Schokoriegel kaufen im "Café Stammheim"

Nach vier Vorlesungswochen kann ich immer mehr Gesichtern die passenden Namen zuordnen, ich weiß auswendig, wann ich in welchen Raum muss und wie ich am schnellsten dorthin komme. Auch den Studenten-Jargon beherrsche ich inzwischen: Die Bereichsbibliothek meines Instituts heißt "PolBib" und der von Gittern umgebenen Automaten-Kiosk nur "Café Stammheim".

Bisher machte ich vor allem eins: lesen, lesen, lesen. Zu jedem Seminar und zu jeder Vorlesung stehen Basistexte im Internet auf einer Lernplattform. Nicht selten über 30 Seiten lang und in sperrigster Wissenschaftssprache verfasst. In der Schule hat uns der Lehrer Fremdwörter meist übersetzt, der Dozent setzt sie voraus.

Meine Referate sind über das ganze Semester verstreut. Darauf habe ich geachtet, schließlich steckt hinter einem zehnminütigen Vortrag an der Uni viel mehr Arbeit als zu Schulzeiten. Damals reichte ein bisschen Googeln, heute sind selbst seriöse Internetquellen ungern gesehen. Ganz zu schweigen von Wikipedia - allein wenn sie das Wort hören, bekommen Dozenten Hautausschlag. Jetzt muss ich in der Bibliothek recherchieren, die Texte durchackern, richtig zitieren, Handout und Powerpoint-Präsentation erstellen.

Mit jeder Seite wurde ich nervöser

Mein erstes Referat hielt ich mit meiner Kommilitonin Nora. Sie ist schon im zweiten Semester, und das hat sehr geholfen. Am Semesteranfang habe ich zwar theoretisch gelernt, wie eine gute Fragestellung aussieht und wie ich nach Büchern aus der Bibliothek suche, aber in der Praxis raubt mir das Gesuche mehr Zeit und Nerven als ich dachte. Zu zweit geht es zwar schneller, aber ohne Nachtschicht hätten wir es nie rechtzeitig geschafft.

Am nächsten Morgen kopierte ich noch schnell das Handout, und mit jeder Seite, die aus dem Kopierer segelte, wurde ich ein bisschen nervöser. Kurz danach stand ich vorn und musste reden. Nach ein paar Sätzen war die Aufregung weg, und alles lief wie geplant. Selbst eine Nachfrage zu einem Thema, das ich nur angelesen hatte, konnte ich parieren. So viel Arbeit, und dann waren die 20 Minuten ganz schnell vorbei. Jetzt habe ich meine ersten zwei ECTS-Punkte sicher. Fehlen ja nur noch 178 bis zum Bachelor.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. mint?
dijle 16.11.2011
schoene Geschichten und irgendwie ganz normale Studienanfaengergeschichten, aber warum nur Geisteswissenschaftler? Warum nicht Grundpraktikum Elektrotechnik statt Seminar ueber das ueber das Boese in der Welt? Warum nicht Logik fuer Informatiker, wo schon auf der 1. Seite von 30 der 1. Beweis steht, wo uns doch frueher der Mathelehrer beim beweisen immer das Haendchen gehalten hat, statt Klage ueber Fachtermini? Ist MINT zu unsexy, angst das es da keine fotogenen, spannenden Menschen gibt? Glauben Sie mir, ist unbegruendet.
2. Korrekt.
crewteam85 16.11.2011
Hallo dijle, da stimme ich Ihnen aber mal sowas von zu!
3. ...
pappnose 16.11.2011
Zitat von dijleschoene Geschichten und irgendwie ganz normale Studienanfaengergeschichten, aber warum nur Geisteswissenschaftler? Warum nicht Grundpraktikum Elektrotechnik statt Seminar ueber das ueber das Boese in der Welt? Warum nicht Logik fuer Informatiker, wo schon auf der 1. Seite von 30 der 1. Beweis steht, wo uns doch frueher der Mathelehrer beim beweisen immer das Haendchen gehalten hat, statt Klage ueber Fachtermini? Ist MINT zu unsexy, angst das es da keine fotogenen, spannenden Menschen gibt? Glauben Sie mir, ist unbegruendet.
ich mag mich irren, aber ich denke mal, dass Spon mehrheitlich von Geisteswissenschaftlern gelesen wird, man könnte jetzt richtig weit ausholen und darüber nachdenken, weshalb hier im Forum eher ein ... hmm naja ... sagen wir mal "linker" Ton angeschlagen wird ;-) ach ist noch zu früh sich hier über Germanisten, Theologie (HAHA!) "Wissenschaftler" und Philosophen lustig zu machen. Obwohl, eigentlich nicht
4. .
Pitlord 16.11.2011
Das Theman hatten wir hier schon die letzten Wochen und durch das Gemecker wird sichd as jetzt auch nicht mehr ändern. Eventuell sind die dre ausgewählt worden, weil sie bereits vorher für den Spiesser geschrieben haben. Es ist nunmal so, dass Studenten der Geisteswissenschaften dinge niederschreiben, während MINT-Studenten oft praktischer veranlagt sind, das zeigt sich halt auch schon in der Schulzeit und der Schülerzeitungsredaktion. Im übrigen dürfte der Studienablauf und das Chaos ziemlich ähnlich sein, egal was man studiert.
5. Vorurteile helfen nicht
dijle 16.11.2011
Zitat von PitlordDas Theman hatten wir hier schon die letzten Wochen und durch das Gemecker wird sichd as jetzt auch nicht mehr ändern. Eventuell sind die dre ausgewählt worden, weil sie bereits vorher für den Spiesser geschrieben haben. Es ist nunmal so, dass Studenten der Geisteswissenschaften dinge niederschreiben, während MINT-Studenten oft praktischer veranlagt sind, das zeigt sich halt auch schon in der Schulzeit und der Schülerzeitungsredaktion. Im übrigen dürfte der Studienablauf und das Chaos ziemlich ähnlich sein, egal was man studiert.
die Wiederholung von Vorurteilen hilft nix. Das Problem ist wohl eher, dass garnicht erst gesucht wird. Klar muss man mal 3 minuten ausserhalb seines eigenen Denkens schaun. Schauen Sie mal in der Welt der Blogs, da finden sie sicher genug MINT-Studenten und auch schon Schueler die Schreiben. Und uebrigens zum "praktisch veranlagt" zumindest M und I zu weiten Teilen auch N verlangt verlangt enormes Abstraktionsvermoegen. Das wiederholte Fordern von veraenderung hilft hingegen schon. Ich glaub nicht, dass spon nochmal eine serie wie diese macht ohne wenigstens einen alibi mathematiker.
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    Larissa Rohr, 19, kommt aus Frankweiler in Rheinland-Pfalz und studiert seit Oktober Politik- und Medienwissenschaften in Tübingen.
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    Fabienne Kinzelmann, 19, schwor sich: nie Arzt wie Papa. Nach ihrem Abitur in Stuttgart studiert sie in Dresden Katholische Theologie im interdisziplinären Kontext.
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    Marc Becker, 20, studiert nach seinem Abi in Kassel seit Oktober in Marburg Politikwissenschaft. Später will er vielleicht mal als Journalist arbeiten. Oder bei einer NGO.

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