Studienfinanzierung: Streit um Pinkwarts Stipendienmodell

NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) trommelt für sein Stipendienmodell für begabte Studenten. Die Sozialdemokraten wollen von dem neuen nationalen Fördersystem nichts hören. Sie setzen aufs Bafög und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Bafög, Stipendien oder doch alles auf Studienkredit? Die Bildungspolitiker der Länder streiten weiter über die richtigen Wege zur Studienfinanzierung. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach sich dabei erneut gegen ein nationales Stipendiensystem aus, das Studenten ausschließlich nach Leistung fördert.

SPD-Ministerin Stange setzt auf Bafög und Studienstiftung
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SPD-Ministerin Stange setzt auf Bafög und Studienstiftung

Wichtiger sei es, insgesamt mehr junge Menschen zum Studium zu bewegen. Ihr Land sei daher eher bereit, etwa die Studienstiftung des deutschen Volkes für die besten Abiturienten und auch das Bafög für Bedürftige besser auszustatten. Eine "dritte Säule im System" werde aber nicht gebraucht. Stange ist Bundesvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft Bildung.

Auslöser des Streits ist der erneute Vorstoß des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) für ein nationales Stipendiensystem. Die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern beraten in einer Arbeitsgruppe seit mehreren Monaten über das Projekt.

Von der Wirtschaft ist nicht viel zu erwarten

Pinkwart stellte in Düsseldorf klar, sein Vorschlag sehe ein "begabungsabhängiges, dezentrales Stipendienmodell" vor. Danach sollten künftig die besten zehn Prozent der Studenten mit jeweils insgesamt 300 Euro monatlich gefördert werden. Die Hälfte des Geldes soll aus der Wirtschaft oder von privaten Sponsoren eingeworben werden. Nach Angaben von Pinkwart liege der Zuschuss des Staates bei seinem Modell jährlich bei rund 225 Millionen Euro.

Für sein Stipendienmodell wirbt NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart mittlerweile seit knapp einem Jahr, die Initiative sah zu Beginn allerdings noch etwas anders aus: Mit einem Drittel Staatsgeld und zwei Dritteln aus Wirtschaftmitteln wollte Pinkwart dem deutschen Stipendiensystem ab 2009 auf die Sprünge helfen und die Ausgaben bis 2012 auf 388 Millionen Euro jährlich steigern.

Der Ruf nach mehr Stipendien in Deutschland ist nachvollziehbar, profitieren bislang doch nur zwei Prozent der deutschen Studenten von dieser Form der Studienfinanzierung. Geleistet wird die bislang von der Studienstiftung des Deutschen Volkes und den Stiftungen von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Arbeitgeberverbänden - getragen aber aus staatlichen Mitteln. Begeisterung auf Wirtschaftseite konnte Pinkwart bislang offenbar aber nicht entfachen und milderte seinen Entwurf mit einer Fifty-fifty-Lösung zu Ungunsten der Staatskasse ab.

Notfalls ein NRW-Alleingang

Sachsens Ministerin Stange bezweifelt außerdem, dass in allen Bundesländern die Wirtschaftskraft vorhanden ist, um das Pinkwart-Modell umzusetzen. Stange sagte der "Leipziger Volkszeitung", weil die Unternehmen bei dem Vorhaben die Hälfte der Kosten tragen sollten, sei dies "ein exklusives System für wirtschaftsstarke Länder". Im Osten sei das kaum umsetzbar.

Pinkwart warf der SPD vor, "doppelzüngig zu agieren". Auf der einen Seite beklage sie, dass es zu wenige Stipendien gebe - auf der anderen Seite wolle sie ein nationales System verhindern. Leider gebe es "noch immer einzelne Stimmen", die die Förderung ausschließlich abhängig vom Einkommen der Eltern gestalten wollen. "Natürlich brauchen wir ein Bafög, das Studenten aus einkommensschwächeren Familien den Lebensunterhalt sichert", sagte Pinkwart. Darüber hinaus werde aber auch eine begabungsabhängige Förderung benötigt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte am Montag erklärt, der Bund sei grundsätzlich bereit, sich an einem solchen System zu beteiligen.

Auch wenn ein nationales Stipendiensystem scheitert, will Pinkwart auf Landesebene einführen, was er für richtig hält: In NRW sollen ab dem kommenden Wintersemester 2009/2010 die ersten Studenten mit Bestnoten in den Genuss eines monatlichen 300-Euro-Stipendiums kommen.

cht/dpa

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Forum - Studiengebühren - ein Gewinn für die Unis?
insgesamt 1557 Beiträge
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1. Studiengebühren müssen an den Unis bleiben!
Don LoC 12.04.2005
Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium. Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen. Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein: 1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern! 2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können. 3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann. Gruß, LoC
2.
DJ Doena 12.04.2005
@Don Loc Ihr 1.) wird dann von den Länderfinazministern (LFM) dann so unterlaufen werden, als dass sie nicht die Studiengebühren antasten, aber im gleichen Maße einfach die Bezuschussung zurückfahren. Und damit stopfen sie inoffiziell doch wieder ihre Haushaltslöcher, nur wird es den LFMs schwer nachzuweisen sein.
3. Ok...
Don LoC 12.04.2005
Ein guter Punkt. Selbstverständlich darf auf keiner Ebene weiter an der Bildung herumgekürzt werden. Aber es liegt schon nahe, dass der ein oder andere es versuchen wird. Also müssen wir aufpassen wie die Luchse ;) Gruß, LoC
4.
DanielaMund 12.04.2005
Würde den irgendwer für die derzeitigen Studienbedingungen zahlen? Schon heute ist in bestimmten Fächern der Besuch von privaten Repetitorien Usus, da die deutschen Universitäten nicht gut genug ausbilden. Da a) ich nicht dran glaube, dass die erzielten Gelder den Universitäten zugute kommen b) selbst wenn, amerikanische First-Class-Universitäten einen ca 10 mal höheren Etat haben, wird es sich eher lohnen, in den USA, der Schweiz, GB,... zu studieren, als hier zu zahlen. Und wenn man kein Geld hat, wer soll einem dann Kredit geben, selbst wenn man wirklich clever ist? Ich hätte mir kein Studium leisten können, und Stipendien sind Mangelware (im Gegensatz zu den USA).Damit auch sozial schwächere studieren können, bleiben also nur nachgelagerte Studiengebühren, und die Steuerprogression sollte doch eigentlich die Kosten für ein Studium decken. Und jetzt geh ich erst mal in ein anderes Forum, um mit der Software zu spielen, damit ich das ganze besser ordnen kann....
5.
Reimer 12.04.2005
Studiengebühren sind meiner Meinung nach (als Student) ein Gewinn für die Studenten. Wenn ich einen Studiengebühr zahle, so darf ich auch eine Leistung verlangen. Leider entspricht meine Vorstellung vom Preis/Leistungsverhältnis nicht der Realität :)
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