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Studiengang IT-Sicherheit: US-Uni bildet "Armee von Cyber-Kriegern" aus

"Spezialist/in für IT-Sicherheit"? Klingt langweilig und bieder.  Eine US-Uni sucht lieber nach den "Cyber-Kriegern" von morgen - lernwillig und bereit, in den Kampf gegen Internet-Terroristen oder Kriminelle zu ziehen. Das martialisch klingende Angebot kommt an.

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DPA

IT-Sicherheit: Eine US-Uni hat Hackern den Krieg erklärt

Das University of Maryland University College (UMUC) schreckt vor Kriegsmetaphern nicht zurück, wenn es um die Studenten im neuen Studiengang "Cyber Security" geht. Längst ist der Schutz des Internet in den USA eine Frage der nationalen Sicherheit. Die durch und durch vernetzte Welt ist verwundbar, überall steigt die Nachfrage nach Spezialisten für Internet-Sicherheit - ein Trend, auf den immer mehr US-Universitäten aufspringen.

In zwei Jahren soll sie bereitstehen, die erste ausgebildete "Armee von Cyber-Kriegern", wie die Hochschule das formuliert. Seit Herbst bildet das UMUC Studenten in einem Bachelor- und zwei Masterprogrammen zu Spezialisten aus - ein neues Studienfeld und augenscheinlich eine Marktlücke. Binnen kürzester Zeit schrieben sich hunderte Interessenten ein.

Angst vor Internet-Attacken

Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sei gigantisch und werde noch weiter steigen, wirbt die Hochschule. Denn in Verwaltung, Regierungsämtern oder der Privatwirtschaft müssen Systeme geschützt, Daten gesichert und digitale Eindringlinge bekämpft werden. "Der Cyberspace ist heutzutage allgegenwärtig. Unser Ziel ist es, eine Generation von Fachkräften auszubilden, die unser Internet schützen kann", sagt Alan Carswell, Leiter des Fachbereichs am UMUC.

Und selbst unter Schülern wird bereits nach potentiellen Cyber-Talenten gefahndet: Das SANS-Institut, eine von der Industrie gesponserte Firma, die unter anderem Weiterbildung und Ausbildungsförderung betreibt, sucht im Rahmen der "US Cyber Challenge" derzeit "10.000 junge Amerikaner mit der Fähigkeit, die Ränge der Cyber-Security-Experten, Forscher und Krieger" aufzufüllen.

Denn Attacken auf die Systeme können bedrohliche Ausmaße annehmen, warnt Carswell. Die Spanne reicht vom schlichten Datendiebstahl bis hin zu lebensgefährlichen Situationen, wie etwa der Manipulation der Flugsicherung. Für die USA ist Cyber Security deshalb schon länger eine nationale Herausforderung. Schon im Mai 2009 erklärte Präsident Barack Obama, dass "der wirtschaftliche Wohlstand Amerikas im 21. Jahrhundert von IT-Sicherheit abhängen wird" und ernannte einen eigenen Koordinator für Cyber Security. Das populäre Spionage-Museum in Washington widmet dem Thema Internetsicherheit eine Ausstellung.

Erinnerung an nationales Trauma

Den ganz großen historischen Knüppel holte Mike McConnell, Ex-Direktor der Nationalen Nachrichtendienste, hervor. Amerikas ehemaliger Top-Spion warnte in Anspielung auf ein nationales Trauma bereits vor einem "Cyber Pearl Harbor": Von den Ausmaßen her ähnlich dramatisch wie der japanische Angriff auf den Militärstützpunkt in Hawaii 1941 - nur eben digital.

Tatsächlich sind Hackerangriffe auf Staaten und Terrorismus im Netz längst keine Utopie mehr. Die USA wollen mit dem Cyber Command der Streitkräfte jegliche Attacken per Internet abwehren. Doch es mangelt an Spezialisten, berichtet Internetdozent Carswell und verspricht: "Diese Lücke werden wir füllen."

Kein Wunder, dass auch andere Unis auf die Nachfrage nach Fachleuten reagieren und überall im Land vergleichbare Studiengänge wie Pilze aus dem Boden schießen. Oftmals unterscheiden sich die Namen der Programme, doch meist dreht es sich um ein und dasselbe: Cyber Security. Auch in Deutschland gibt es mit dem Institut für Internetsicherheit der FH Gelsenkirchen ein ähnliches Projekt.

Ein echtes Studentenleben mit Mensa und Hörsälen erleben die über 500 Teilzeit-Studierenden der Cyber Security an der UMUC dabei jedoch nicht. "Vorlesungen finden nur vor der Videokamera statt", erklärt Pressechef Chip Cassano. 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche stehen die Module im Internet. Diskussionen mit anderen Studenten laufen im Chat, auch die Prüfungsleistungen werden digital eingereicht . Wie sollte es auch anders sein: Die Studenten können den Studiengang Cyber Security nämlich ausschließlich online belegen.

Von Fabian Müller, dpa/him

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Nerd-o-mat
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