Studiengebühren in Münster: Hat ein Student die Abstimmung entschieden?

Von Britta Mersch

Die Universität Münster hat am Mittwoch die Einführung von 275 Euro Studiengebühren beschlossen. Der Senat entschied mit zwölf zu elf Stimmen. Pikant: Offenbar kam die entscheidende Stimme pro Campusmaut ausgerechnet von einem Studenten - einem mit Verbindungen.

23 Mitglieder sitzen im Senat der Universität Münster. Zwölf Professoren, sieben Mitarbeiter und vier Studenten. Stimmen alle Professoren für Studiengebühren, sind die anderen Senatsmitglieder schon überstimmt. Klare Sache: Dann käme die Campusmaut, es stünde zwölf zu elf.

So lautet auch tatsächlich das Ergebnis der heutigen Abstimmung, aber ganz so simpel ist die Rechnung nicht. Als der Senat am Nachmittag die 275 Euro Studiengebühren pro Semester beschloss, soll ausgerechnet ein Student für Studiengebühren gestimmt und so die Entscheidung gebracht haben. Dann dürfte ihm der Dank der Kommilitonen ewig nachschleichen.

"Ein Professor hat im Vorfeld verlauten lassen, dass er gegen die Gebühren stimmen will", erzählt Politikstudentin Caterina Metje, die von der Philosophischen Fakultät in den Senat gewählt wurde. "Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter lehnen Gebühren ab, die über 200 Euro liegen. Und von einem studentischen Senatsmitglied ist bekannt, dass er Gebührenbefürworter ist."

Sie nennt den Namen nicht, aber sie meint: Max Brüggemann. Der BWL-Student ist Mitglied im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und der Studentenverbindung Winfridia-Breslau. Vom Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und der Liberalen Studierendeninitiative wurde er für den Senat aufgestellt - und erzielte sogar das beste Wahlergebnis. Im Senat vertritt er die Fächer Jura, Wirtschaftswissenschaften und Theologie.

Munteres Runtermelden der Gebührenhöhe

Wie er abgestimmt hat, verrät Brüggemann nicht, "die Abstimmung ist schließlich geheim". Kein Geheimnis macht er allerdings aus seiner Haltung zum Bezahlstudium: "Ich halte Studiengebühren für sinnvoll", sagte er SPIEGEL ONLINE freimütig, "die Unis haben kein Geld, deswegen müssen sie andere Quellen erschließen."

Die Sitzung verlief insgesamt kurios. Zunächst hatte das Rektorat beantragt, Gebühren von 300 Euro pro Semester einzuführen. Erster Anlauf: Fünf Senatsmitglieder waren dafür, 17 dagegen, eine Enthaltung. Zweiter Anlauf: Die Professoren schlugen 275 Euro vor - mickrige 25 Euro weniger. Und prompt es zu dem knappen Ergebnis von zwölf zu elf, mit dem die Einführung der Studiengebühren besiegelt wurde.

Nach der Wahl stürmten 1500 Studenten - die Studenten selbst sprechen von bis zu 7000 - in das Universitätsgebäude und machten ihrem Ärger über die Gebühren lautstark Luft. Sie hatten schon den ganzen Tag demonstriert, um die Gebühren doch noch im letzten Moment zu verhindern.

Schon seit Monaten gibt an der Uni Münster wütende Proteste , die eine Entscheidung über Studiengebühren zunächst unmöglich machten. So musste im Januar eine Senatssitzung wegen massiver Proteste abgebrochen werden: Rund 1500 Studenten hatten die Sperre von Sicherheitskräften gesprengt und waren in den Sitzungssaal eingedrungen. Der Senat tagte zwar später am Tag erneut, konnte aber keinen Beschluss treffen - von 23 Mitgliedern hatten es nur elf in den Saal geschafft.

Trickreich eine Entscheidung garantiert

Bei einem neuen Termin sorgten die Professoren vor und wählten einen Termin, der die Studenten abschrecken sollte: acht Uhr an einem Samstagmorgen. Tagungsort war ein Übungsplatz des Technischen Hilfswerkes, der außerhalb der Stadt liegt und früher als Nato-Kaserne diente. Die Studenten ließen sich von Ort und Zeit jedoch nicht abschrecken. Mit fünf Bussen rückten sie an, es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Auch an diesem Morgen konnte sich der Senat nicht auf Studiengebühren einigen - die Sitzung wurde abermals vertagt.

Für heute hatte der Senatsvorsitzende Janbernd Oebbecke vorgesorgt. Die Sitzung wurde per Video in einen Hörsaal übertragen, auf Sicherheitskräfte diesmal verzichtet. Wäre die Sitzung trotzdem nicht zustande gekommen, hätten die Senatsmitglieder schriftlich abgestimmt.

In Nordrhein-Westfalen entscheiden die Hochschulen selbst darüber, ob sie Studiengebühren einführen oder nicht. Bereits in diesem Wintersemester wurden viele Studenten mit 500 Euro zur Kasse gebeten. Die Fernuniversität in Hagen bleibt vorerst gebührenfrei, die Fachhochschule Düsseldorf und die Kölner Kunsthochschule für Medien haben noch nicht entschieden. Die Kunstakademie in Düsseldorf hat sich bislang gegen die Einführung der Studiengebühren ausgesprochen - wegen der schlechten Berufschancen ihrer Absolventen.

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