Studiengebühren in NRW: Studenten machen Druck bei der Campusmaut

Langsam und gemächlich will NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Studiengebühren abschaffen und ein Wahlversprechen von SPD und Grünen erst Ende 2011 einlösen. Studentenvertreter fordern nun: Die Maut soll fallen und zwar sofort.

Studentenvertreter in NRW wollen mit Beginn des neuen Semesters wegen der Studiengebühren den Druck auf die neue rot-grüne Regierungskoalition erhöhen. Die Studiengebühren sollten bereits zum Beginn des jetzigen Wintersemesters abgeschafft werden und nicht wie geplant erst im Wintersemester 2011/2012, fordert der Koordinator der Studentenvertretungen in NRW, Christian Piest.

SPD und Grüne hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, die Gebühren komplett abzuschaffen. Bereits im Wahlkampf hatte die SPD-Landesvorsitzende Kraft die Euphorie der Studenten auf eine sofortige Abschaffung nach einer Regierungsbildung gebremst.

Einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Studiengebühren will die Landesregierung unmittelbar nach der Sommerpause in den Landtag einbringen. Die Linke will die Abschaffung aber sofort, bei vollem finanziellen Ausgleich für die Universitäten, und nicht erst Ende 2011. Die Partei kündigte an, einer Abschaffung erst zum Herbst kommenden Jahres nicht zustimmen zu wollen.

In die Ortsverbände gehen, wo die zahlenden Eltern sind

Den Studenten geht das viel zu langsam, deshalb seien Aktionen geplant. Nach Angaben von Piest wollen die Studentenvertreter sich in den kommenden Wochen unter anderem stärker in den Parteien einbringen. "Wir wollen in die Ortsverbände, gerade da wo auch Eltern von Studenten vertreten sind", sagte Piest. Das sei die Machtbasis der Politiker. Zu weiteren Aktionen wie Demos und Streiks wollte sich Piest noch nicht äußern.

In NRW gebe es eine Mehrheit aus SPD, Grünen und Linke im Landtag, die die Studiengebühren abschaffen wolle, so Piest. Diese müsste sich nur an einen Tisch setzen und einigen. Doch die Regierungskoalition wolle zunächst ihren Haushalt verabschieden, was wohl erst im Mai nächsten Jahres geschehen werde. Zwar räumte er ein, dass Geld zur Finanzierung der Unis fehle, aber dafür sollten nicht die Studenten herhalten müssen.

Studiengebühren waren in NRW 2006 von der CDU-geführten Landesregierung eingeführt worden. Die Kosten pro Semester betragen je nach Hochschule bis zu 500 Euro. Hinzu kommen an vielen Hochschulen hohe Kosten für Semestertickets, sowie Beiträge für das Studentenwerk und die Studentenvertretungen von 200 Euro und mehr pro Halbjahr.

cht/ddp

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Politisches Chamäleon
Rainer Daeschler 20.08.2010
Die Campus-Maut der Union zuzuschreiben, ist eine Sache, sie selber abzuschaffen eine andere. Nichts fällt Sozialdemokraten und Grünen schwerer, als die soziale Herausforderung durch ihre Wähler, wenn sie erst einmal die Macht gewonnen haben.
2. Es ist eine Sache...
Thosaurus 20.08.2010
... Die sofortige Abschaffung der Studiengebühren zu fordern, eine ganz andere, das realistisch zu lösen. Die durch die Gebühren geschaffenen Finanzierungsstrukturen müssen überarbeitet werden, und dies nicht als Schnellschuß, sondern solide und tragfähig. Ein einfaches umschichten der Gelder aus dem Landeshaushalt verbgietet sich angesichts der Haushaltslage. Es ist daher absolut löblich, eine Abschaffung im kommednen Jahr anzupeilen, und in der Folge eben kein Stückwerk zu produzieren.
3. ....
und_die_welt_steht_still 21.08.2010
was ist jetzt eigentlich mit den Studenten die die letzten jahre über schön brav das ganze gezahlt haben? Es sind ja genau diejenigen die bei der umstellung zwischen diplom und bachelor an den uni eingeschrieben waren, sprich in einer zeit des umbaus wo zwangsläufig erst wieder zu alter qualität zurück gefunden werden musste... ( wenn dies mal überhaupt geschehen ist?) und zusätzlich durften sie dann jetzt auch noch dafür zahlen! Super sache.. Vorallem für diejenigen, die dank des zusätzlichen drucks jetzt nicht mal ein fertiges Studium in der Tasche haben... *bald hoffentlich wieder zurück an der uni und raus aus dem mich unterfordernden job*
4. asdf
RamBo-ZamBo 21.08.2010
Oh ja, Bachelor und Studiengebühren, dass kommt mir bekannt vor. Wäre ich doch mal ein paar Jahre früher geboren worden :D. Naja, wenns nächstes Jahr so kommt kann ich ja noch ein paar gebührenfreie Semester mitnehmen.
5. Warum nicht später zahlen?
Prinzentaler 21.08.2010
Zitat von und_die_welt_steht_stillwas ist jetzt eigentlich mit den Studenten die die letzten jahre über schön brav das ganze gezahlt haben? Es sind ja genau diejenigen die bei der umstellung zwischen diplom und bachelor an den uni eingeschrieben waren, sprich in einer zeit des umbaus wo zwangsläufig erst wieder zu alter qualität zurück gefunden werden musste... ( wenn dies mal überhaupt geschehen ist?) und zusätzlich durften sie dann jetzt auch noch dafür zahlen! Super sache.. Vorallem für diejenigen, die dank des zusätzlichen drucks jetzt nicht mal ein fertiges Studium in der Tasche haben...
Hey, genau in diese Gruppe falle ich! Wie wäre es denn, wenn man die Studiengebühren nicht während des Studiums bezahlt, sondern später, wenn man einen Job hat und ein Jahresgehalt über XY.000€ verdient? Ich will meinen Eltern nicht weiter auf der Tasche liegen! Außerdem müssen meine Eltern für mich UND meinen Bruder, der an der selben Uni eingeschrieben ist, Studiengebühren + weitere Gebühren bezahlen. Macht 700€ * 2 * 2 Semester = 2800€ im Jahr...PROST! Denn seien wir mal ehrlich: Die Studiengebühren, die ich zahle, kommen doch nicht gänzlich und im vollen Umfang MIR zu gute! Da werden vielleicht ein paar mehr Tutorien gemacht usw. Aber wenn neue Hörsäle gebaut werden, dauert das doch 5 Jahre. Bis dahin bin ich schon wieder von der Uni verschwunden. Also: Studiengebühren (um die man meiner Meinung nach nicht herumkommt) einziehen, wenn die Studenten ein bestimmten Jahreseinkommen haben. Dann erspart man den Studenten auch die Studienkredite! Vielleicht auch: - Erststudium: 80% Studiengebühren - Wer einmal oder mehr wechselt: 100% Studengebühren. Peace! Prinzentaler
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