Ein Bundesland nach dem anderen hat sie abgeschafft, nur Bayern und Niedersachsen bitten ihre Studenten für das Erststudium noch zur Kasse - und auch hier ist fraglich, wie lange es noch Studiengebühren geben wird. Das Bezahlstudium ist ein Auslaufmodell; zu besichtigen ist das Siechtum eines von Anfang an umstrittenen bildungspolitischen Instruments, das nur noch wenige Freunde hat.
Zu denen allerdings zählt nach wie vor die Bundesbildungsministerin: Annette Schavan (CDU), die gerade ankündigte, sich aus der CDU-Parteispitze zurückzuziehen, hat in einem Interview für den Erhalt der Studiengebühren geworben. "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Studiengebühren die Angebote für Studierende verbessern", sagte Schavan der "Rheinischen Post".
Das Interview dreht sich um mehrere Themen, nur zwei Fragen beschäftigen sich mit dem Thema Bezahlstudium. Schavans Argument dafür lautet: "Hätten wir flächendeckend Studiengebühren, dann wären jährlich zwei Milliarden Euro mehr im System." Und Schavan warnt vor einem Qualitätsverlust, wenn Bundesländer die Gebühren abschaffen und sie den Hochschulen nicht ausreichend Geld zum Ausgleich zur Verfügung stellen.
Wie abschreckend sind die Gebühren nun eigentlich?
Ob man Studenten für ihr Studium bezahlen lassen soll, darüber wurden in den vergangenen zehn Jahren heftige Debatten geführt, es gab Proteste und Demonstrationen. Mehrere damals unionsregierte Bundesländer führten das Bezahlstudium ein, in den meisten von ihnen wurden die Gebühren mittlerweile wieder abgeschafft, häufig nach Wahlerfolgen von SPD und Grünen.
Das Hauptargument der Gebührengegner: Das Bezahlstudium würde vor allem Ärmere abschrecken. Das ist allerdings eine umstrittene These, es gibt auch renommierte Wissenschaftler, die ihr widersprechen. Ebenso gibt es Indizien und Berichte, die die These stützen. Auch lässt sich nicht belegen, dass Gebühren das Studium verbessern.
Während die Diskussion in Deutschland langsam erlahmt, ist sie in anderen Ländern heftig aufgeflammt. In England etwa wurden die Gebühren kräftig erhöht, weshalb die Bewerberzahlen an den Hochschulen zurückgehen und Studenten von dort vermehrt nach Deutschland ziehen wollen. Auch in Kanada toben heftige Proteste, weil die Gebühren erhöht werden sollen.
otr
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