Als es um die Einführung von Studiengebühren ging, war Baden-Württemberg ganz vorne mit dabei. Schon kurz nachdem das Bundesverfassungsgericht im Januar 2005 den Weg für die Campusmaut freigemacht hatte, zog der damalige Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) den Gesetzesentwurf aus der Schublade, der das Bezahlstudium möglich machte. Seit dem Sommersemester 2007 werden die Studenten im Südwesten mit 500 Euro pro Semester zur Kasse gebeten.
Zum Sommersemester 2012 soll damit Schluss sein - das hatte die grün-rote Koalition schon in ihrem Koalitionsvertrag verankert. Das Konzept dazu stellte die Landesregierung am Dienstag in Stuttgart vor. Damit setze man ein Zeichen für einen "fairen Hochschulzugang ohne finanzielle Hürden", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).
Bis einschließlich Wintersemester 2011/2012 müssen die Studenten in Baden-Württemberg noch zahlen, ausgenommen sind Studenten, die von Ausnahmen wie der Geschwisterregelung profitieren oder selbst Kinder haben. Danach muss das Land sehen, woher es das Geld bekommt, an das sich die Hochschulen inzwischen so gern gewöhnt haben. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) versprach, den Wegfall der Mittel zu kompensieren und zwar auch bei steigenden Studentenzahlen. 150 Millionen Euro will das Land für den Ausgleich aus Steuermitteln bereitstellen.
Da waren es nur noch zwei
Mit Baden-Württemberg kippt nun eine weitere Gebührenbastion in Deutschland. Insgesamt sieben Bundesländer hatten nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts Studiengebühren eingeführt - oft unter massiven Protesten der Studenten. Nach und nach verabschiedet sich die Politik jetzt aber wieder von der Campusmaut.
Hessen und das Saarland haben die Studiengebühren längst abgeschafft. In Nordrhein-Westfalen fallen sie zum kommenden Wintersemester. In Hamburg soll das Studium ab dem Wintersemester 2012/13 wieder gebührenfrei sein - die Studenten kostet das Semester dort noch 375 Euro. Ganz frei bleibt das Studium in vielen Ländern aber trotzdem nicht: Zur Kasse gebeten werden die Studenten in einigen Bundesländern, wenn sie die Regelstudienzeit überschreiten, hinzu kommen teils happige Semesterbeiträge für Asten, Studentenwerk und Semestertickets.
Alleine Bayern und Niedersachsen halten nun noch am Bezahlstudium fest. In Bayern wurde Mitte Juli kurz und heftig über eine Abschaffung der Gebühren diskutiert - schon einen Tag nach der Meldung über Zweifel an der Campusmaut bekannte sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) aber wieder zu den Gebühren. Auch in Niedersachsen sieht es im Moment nicht danach aus, als könnten die Studiengebühren dort bald fallen - auch wenn Studentenvertreter das nach wie vor verlangen und sich vom Rollback der meisten Länder in ihren Zielen bestätigt sehen.
mer/dpa
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