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Studiengebühren-Umfrage: Campusmaut verhasster denn je

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Für Deutschlands Unis und Bildungspolitiker ist es eine Ohrfeige: In puncto Studiengebühren fehlt Studenten jedes Vertrauen. Fast drei Viertel sind für die sofortige Abschaffung, fast niemand glaubt an Verbesserungen der Lehre. Das zeigt eine neue Umfrage.

Gäbe es eine goldene Gurke für miserablen Umgang mit Studiengebühren, die Hochschule Niederrhein hätte beste Chancen, den Negativ-Preis abzuräumen. Über mehr als ein Jahr verschleierte die Fachhochschule gegenüber den Studenten, was mit ihrem Gebührengeld geschah.

Wie die Studenten dann herausfanden, gab ihre FH beinahe die Hälfte der Studenten-Euros, sechs Millionen Euro angesammelt in zwei Jahren, nicht für bessere Lehre aus, sondern bunkerte sie für schlechte Zeiten. Die Studenten waren empört, aber das nützte nichts: Die Hochschule zeigte ihnen die kalte Schulter. Transparenz und zeitnahe Verwendung für die Lehre? Fehlanzeige.

Ein krasser Einzelfall von Gebührenschluderei ist das eher nicht. Deutschlands Hochschulen in den sechs Bundesländern, die derzeit eine generelle Campusmaut kassieren, zeigen sich höchst erfindungsreich, wenn es um die Verwendung der Einnahmen geht. Nach den Regeln der Länder soll das Geld stets und immer einer besseren Lehre dienen. Aber was genau das bedeutet - das lässt sich ja höchst unterschiedlich interpretieren.

Drei Viertel für Abschaffung der Campusmaut

Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim zeigt: Bundesweit fühlen sich die Gebührenzahler unzureichend über die Verwendung der mehreren tausend Euro, die sie für ihr Studium aufbringen müssen, informiert. Fast drei Viertel würden die Campusmaut lieber heute als morgen abgeschafft sehen.

Bereits zum dritten Mal schwärmten Studenten im Auftrag des Marketinglehrstuhls der Uni Hohenheim aus und befragten 5600 gebührenzahlende Kommilitonen an 49 Universitäten. Das Interesse der Forscher: Wie steht es um die Zufriedenheit mit Studiengebühren und deren Verwendung? Für die einzelnen Universitäten sind die Ergebnisse jetzt anschaulich aufbereitet unter www.gebuehrenkompass.de nachzulesen.

Nun ist die Befragung zwar mit rund hundert zufällig auf jedem Campus ausgewählten Studenten nicht repräsentativ. Aber die Untersuchung liefert ein recht breites Stimmungsbild aus den Reihen der Studenten, die in der Regel zweimal jährlich je 500 Euro bezahlen müssen - und sich jedes Mal fragen, wofür eigentlich. Dieses Stimmungsbild fällt düsterer aus denn je:

  • Beinahe drei Viertel der Gebührenzahler sind für die sofortige Abschaffung der Gebühren (72 Prozent). Dieser Wert liegt noch einmal zwei Prozentpunkte über dem Ergebnis aus dem Vorjahr.
  • 71,5 Prozent der Befragten sehen in ihrem direkten Studienumfeld keine Verbesserungen der Lehrbedingungen; der Großteil dieser Gruppe (80 Prozent) rechnet auch für die Zukunft nicht mit Verbesserungen.
  • In Schulnoten ausgedrückt sind die Gebührenzahler beinahe so unzufrieden wie im Vorjahr: Studiengebühren werden mit "ausreichend bis mangelhaft" bewertet (Note 4,2; im Vorjahr: 4,6).
  • Am wenigsten schlecht finden Studenten in Claustal-Zellerfeld, an der RWTH Aachen und in Würzburg die Gebühren - aber auch ihre Bewertungen kommen nicht über eine 4 plus hinaus (3,5 und schlechter). Am unzufriedensten sind die Studenten in Hannover (5,0), Wuppertal (4,9) und Hamburg (4,9).
  • Hauptkritikpunkt der Studenten - neben den Gebühren an sich - ist die mangelnde Transparenz. Sie wird mit der Note 4,3 ebenfalls sehr schlecht bewertet.

Hochburgen der Gebührengegner sind laut der Hohenheimer Untersuchung die Braunschweiger Kunsthochschule sowie die Unis in Oldenburg und Siegen sein, mit Ablehnungsraten von über 80 Prozent.

Allerdings nährt das Ergebnis zumindest für Siegen Zweifel an Untersuchung und Methode: Dort soll die Gegnerschaft von 52 Prozent im Vorjahr auf 80,4 Prozent angestiegen sein - ein Ergebnis, das sich Asta-Referent Julian Hopmann aus Siegen nicht recht erklären kann. "Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Wir sind so unzufrieden wie vor einem Jahr, und es ist nach wie vor sehr schwer, Leute gegen die Studiengebühren zu mobilisieren", sagte er SPIEGEL ONLINE.

An der Uni der Studienausrichter in Hohenheim sind die Studenten angesichts des laxen Umgangs mit ihrem Geld im vergangenen Jahr besonders stark desillusioniert. Die Hochschulleitung unter Rektor Hans-Peter Liebig entschieden in eigener Herrlichkeit, mit dem Studentengeld fortan klaffende Haushaltslöcher zu stopfen. Daraufhin wurde Liebig von den Studentenvertreter als selbstgerechter Sonnenkönig parodiert, der das Geld der Studenten zum Fenster herauswerfe.

Für ihr Verhalten erhielt die Hohenheimer Uni-Leitung die Quittung in der Umfrage: Zwar soll die Zufriedenheit mit der Verwendung sich leicht von Schulnote 4,5 auf 4,2 verbessert haben. Aber in Hohenheim glaubt fast niemand mehr an künftige Verbesserungen der Lehre - nur noch 15 Prozent, im Vorjahr noch mehr als doppelt so viele.

Das trifft indes die Stimmung in allen Gebühren-Ländern: Im Durchschnitt ist nur rund jeder fünfte Student der Ansicht, dass Studiengebühren die Lehre künftig verbessern werden. Da schwelt, gärt, rumort viel Unzufriedenheit, die Gebührenzahler sind ausgesprochen pessimistisch. Darauf allerdings wird an den meisten Hochschulen wenig gegeben.

Studienautor Voeth: Er fordert mehr Transparenz
Oskar Eyb

Studienautor Voeth: Er fordert mehr Transparenz

Wie an der FH Niederrhein brauchte es bei einer ganzen Reihe von Unis und FHs in Nordrhein-Westfalen erst eine handfeste Drohung durch Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), ehe die Hochschulleiter reagierten und jetzt eilig Millionen für ihren eigentlichen Zweck ausgeben, der den Studenten schon seit der Einführung vorgebetet wird: bessere Studienbedingungen in der Lehre, zeitnah und transparent.

Genau diese Forderungen stellt auch Hohenheimer Studienautor Markus Voeth an die Verantwortlichen an den Unis im Fazit der Untersuchung. Der Weg ist noch weit, die Überzeugungsarbeit Aufgabe aller Gutwilligen an Deutschlands Hochschulen. Voeth selbst kann damit gleich an der Universität, an der er lehrt, anfangen.

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Forum - Studiengebühren - was ist die beste Lösung?
insgesamt 1214 Beiträge
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1.
Anke, 11.06.2008
keine Studiengebühren. Die Studenten zahlen ohnehin schon Verwaltungsgebühren und ihr Semesterticket. Bei letzterem unterscheiden sich die Beträge abhängig vom Verhandlungsgeschick der Uni mit den ansässigen Nahverkehrsunternehmen ganz erheblich in Höhe und Reichweite. Ein Studium ernsthaft betrieben erfordert eine 60-Stunden-Woche. Meines Erachtens sollten Studenten deshalb während ihres Studiums finanziell unterstützt werden - und zwar alle - um die Notwendigkeit des Nebenjobs zu minimieren und die Möglichkeit, das Studium innerhalb der gesetzten Regelstudienzeit abzuschließen zu maximieren. Nach Beendigung des Studiums sollten die frischgebackenen Absolventen ihrerseits die während ihres Studiums entstandenen Kosten zurückzahlen - innerhalb eines festzulegenden Zeitraumes selbstverständlich und in einem angemessenen Rahmen.
2.
eiffe, 11.06.2008
Lösung: Studiengebühren abschaffen. So wäre eine weitere Hürde, ein Studium zu beginnen, beseitigt. Gegenüber anderen Industrienationen könnte man die Studentenzahl noch ordentlich steigern. Die Universitäten sollten mit den Steuergeldern der Allgemeinheit finanziert werden, schließlich sind es auch die Studenten, die später einen nicht unerheblichen Teil an Steuern zahlen. Auch ansonsten sind viele Studierende eine Bereicherung für die Gesellschaft, Bildung schützt vor vielerlei Ungemach. Ob steuerfinanzierte Universitäten auch "Eliteuniversitäten" im weltweiten Vergleich werden können, hängt allein von der Menge der Gelder und der Organisation ab.
3. ...
jojo1987 11.06.2008
Wie in einigen Bundesländern praktiziert, ist es doch sehr sinnvoll, Dauerstudenten (also ab Regelstudienzeit + x Semester) zahlen zu lassen. Das Erststudium muss kostenlos bleiben, denn in Deutschland werden händeringend hochqualifizierte Kräfte gesucht, und die bekommt man gewiss nicht, indem man weitere Hürden aufstellt. (Abgesehen davon, dass hochqualifizierte Kräfte später meist mehr verdienen und somit mehr Steuern zahlen + die Wirtschaft ankurbeln) Was mich aber wirklich ärgert, sind die Einzellösungen je Bundesland. Es sollte eine einheitliche Regelung beschlossen werden, denn nichts ärgert mich mehr, wenn ich hier (in Hessen) Studiengebühren zahlen muss, während Berliner Studenten umsonst studieren - wenn man daran denkt, wieviel Geld Berlin vom Bund und über Solidarausgleich etc. bekommt, eine wirkliche Frechheit
4. Gebühren: Ja! - So hoch: Nein
karaokefreak01 11.06.2008
Ich sehe durchaus einen Sinn in Studiengebühren, sofern sie auch da ankommen, wo sie gebraucht werden. Allerdings verstehe ich die Höhe von 500 Euro nicht. Ich selbst erwäge gerade zu studieren, doch was mich davon abhält, sind die Kosten. Denn neben der Kampusmaut muss ich schließlich noch Bücher kaufen (und selbst das kopieren meines Materials kostet ein Schweinegeld) und irgendwie sollte ich vllt. noch in der Lage sein, meine Miete zu bezahlen. Und jetzt soll mir bitte keiner mit einem Studentenkredit ankommen. Aufgrund meiner finanziellen Lage bin ich nicht kreditwürdig, bekomme also von niemandem eine Anleihe. Um zu studieren und nebenbei nicht am Hungertuch nagen zu müssen, benötige ich also einen Vollzeit-Job, denn mit 400 Euro monatlich wird das ja schonmal mal nix. Demnach kann ich also schonmal 10 - 12 Semester einplanen, oder wie?!? Somit ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ich nicht studieren KANN, obwohl mir der Staat Bildung zusagt und ich die nötige Qualifikation habe. Herzlichen Dank!
5. Stipendien!
barry60 11.06.2008
Zitat von sysopStudiengebühren bleiben in der Diskussion. Welches ist Ihrer Meinung nach die beste Lösung zur Finanzierung des Hochschulstudiums?
Die beste Lösung sind in meinen Augen viel mehr Stipendien. Und nicht nur für Abiturienten mit 1,0 - 1,3. Hier muss m. E. seitens der Wirtschaft umgedacht werden. Nicht jeder Abiturient mit 3,3 ist schlechter als mit 1,0. Es muss hier viel differenzierter gedacht werden. Es gab z. B. in unserem Studiengang eine Menge Leute, die mit 1,x abgeschlossen haben, die ich aber nie und nimmer in meinem Unternehmen haben wollen würde, da sie praktisch fast nicht zu gebrauchen sind. Ich denke, so ähnlich sieht es auch mit Abiturienten aus. Aber solange fast überall nur die Note zählt, ist sowas anscheinend nicht möglich.
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