In Hamburg demonstrierten am Dienstag Tausende Studenten gegen die Einschnitte im Bildungsetat der fStadt, vorn dabei ihr Uni-Präsident, Dieter Lenzen, als eine Art Studentenführer. Er saß vor dem Rathaus auf dem Pflaster und machte Stimmung für mehr Geld.
Zusätzlich zum Straßenkampf setzt die Uni Hamburg außerdem auf Guerillamarketing, in den In- und Uni-Vierteln ließ sie Slogans an die Wände kleben. "Setzt ein Zeichen für mehr Wissenschaft" steht darauf über einem roten Ausrufezeichen auf weißem Grund. In Miniatur hatte sich Lenzen den Sticker bei der Demo auch auf sein Jacket geklebt.
Die Studenten hielten auch Plakate gegen Studiengebühren, die in Hamburg zum Wintersemester 2012/2013 Geschichte sein werden. Im Sommer 2012 werden sie in Baden-Württemberg abgeschafft, im Saarland und in Hessen sind sie es schon. Dann werden nur noch in Bayern und Niedersachsen Studenten bis zu 500 Euro pro Semester zahlen müssen.
Dass Dagegensein nicht unbedingt damit zusammenhängen muss, ob es die Studiengebühren in dem jeweiligen Land (noch) gibt, bestätigt wieder einmal der aktuelle "Gebührenkompass", eine Umfrage der Universität Hohenheim. Durchgeführt wird sie vom Marketing-Professor Markus Voeth, der seit 2007 in allen Gebührenländern per Online-Fragebogen ermittelt, wie zufrieden die Studenten mit der Verwendung ihres Geldes sind.
Drei Viertel lehnen Studiengebühren ab
Voeth bleibt, was die Campusmaut angeht, weiter unerschütterlicher Optimist: Die Zufriedenheit mit der Gebührenverwendung habe sich erneut verbessert, wenn auch "in sehr kleinen Schritten". Das bedeutet in diesem Fall in Schulnoten: Vor einem Jahr war es eine 4 bis 5, jetzt ist es eine 4+. Fakt ist aber auch: Fast drei Viertel (72 Prozent) sind weiterhin dagegen, für das Studium Gebühren zu bezahlen.
Sind die Gebühren wie in Hessen oder im Saarland abgeschafft, fühlen sich die Studenten bestärkt und der Widerstand gegen das Bezahlstudium wird noch einmal vehementer, fanden Voeth und seine Mitarbeiter heraus. Hinzu kommt: In den Ländern, die die Gebühren wieder los sind, kritisieren im Durchschnitt rund 12 Prozent verschlechterte Bedingungen (Hessen 13 Prozent, Saarland neun Prozent).
In den Ländern, die Studiengebühren verlangen, Bayern und Niedersachsen, fürchten dagegen rund 34 Prozent, dass die Lage an ihren Unis schlechter werden könnte, wenn die Maut wegfällt. Die Angst vor massiven Ausfällen durch fehlende Mittel nach einem Gebühren-Aus wären demnach größer als die tatsächliche Verschlechterung nach einem Ende des Bezahlstudiums.
Bayern und Niedersachsen als Gebühreninseln haben mit ihrem kostenpflichtigen Studium bei den Studenten einen schwereren Stand als noch im Vorjahr. Sprunghaft stieg die Anti-Gebühren-Haltung an, um 13 Prozentpunkte im Süden (Bayern: 74 Prozent), um 12 Prozentpunkte im Norden (Niedersachsen 82 Prozent).
Im fünften Jahr erscheint der "Gebührenkompass" nun - und es wird wohl das letzte Mal sein. "Wenn die Studienbeiträge überall abgeschafft werden, brauchen wir auch nicht mehr nach der Zufriedenheit der Studenten mit der Verwendung zu fragen", sagte Voeth der Wochenzeitung "Die Zeit".
cht
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