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Studienkredite-Test: Staat schlägt privat

Kein Stipendium, kein Job und die Eltern geben auch kein Geld mehr? Helfen können da Kredite für Studenten, die laut einer neuen Studie so billig sind wie nie. Am günstigsten verleiht der Staat - allerdings mit Risiken und Nebenwirkungen.

Geld auf Pump: Vier Prozent der deutschen Studenten nutzen einen Studienkredit Zur Großansicht
Corbis

Geld auf Pump: Vier Prozent der deutschen Studenten nutzen einen Studienkredit

Die Finanzierung eines Studiums per Kredit ist günstiger geworden. Das allgemein sinkende Zinsniveau habe sich auch bei Studienkrediten niedergeschlagen, heißt es in einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), einer Forschungseinrichtung der Bertelsmann Stiftung und der Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz.

In einem Test wurden insgesamt 33 Studienkredite und Bildungsfonds bewertet unter Aspekten wie Zinshöhe, maximales Finanzierungsvolumen und Flexibilität der Darlehen.

Das Ergebnis: Am beliebtesten sind, mit weitem Abstand, die staatlichen Angebote: Betrachtet man die neu abgeschlossenen Verträge 2012, insgesamt 50.000, zeigt sich, dass 93,9 Prozent der verzeichneten Vertragsabschlüsse auf das Konto staatlicher Anbieter gehen.

Fast 25.000 Studenten lassen sich mit einem KfW-Studienkredit finanzieren, 19.000 Abschlüsse verzeichnete der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes, der in fortgeschrittenen Studienphasen einen Abschluss ermöglichen soll.

KfW bessert kräftig nach

Insgesamt stehen in Deutschland etwa 850 Millionen Euro für Studienkredite zur Verfügung. Sie werden bereitgehalten von staatlichen Anbietern, Studentenwerken, Banken und Bildungsfonds.

Die meisten Studenten, etwa 87 Prozent, finanzieren sich jedoch über das Geld ihrer Eltern oder beziehen Bafög. Immerhin vier Prozent der deutschen Studenten nehmen laut dem Deutschen Studentenwerks einen Studienkredit in Anspruch.

Die staatliche Förderbank KfW habe bei den Konditionen kräftig nachgebessert, heißt es jetzt in der Untersuchung: Unter anderem wurde die Altersgrenze für Kreditnehmer auf 44 Jahre erhöht, der Kredit mit maximal 650 Euro pro Monat finanziert jetzt auch Zweitstudiengänge, Weiterbildung und Promotionsvorhaben.

Zinsen auf historischem Tief

Mit einem Zinssatz von 3,28 Prozent zähle die KfW zudem zu den günstigsten Anbietern, hieß es dem Bericht zufolge in der Untersuchung. Die Tester hätten allerdings moniert, dass die Höchstsumme bei Krediten von 650 Euro monatlich in manchen Studienphasen zu niedrig sei. Zudem fördere die KfW noch immer keine Semester im Ausland.

Im Geschäft mit Studienkrediten spielten Privatbanken nur eine Nebenrolle, wenngleich diese anfangs große Hoffnungen gehabt hätten, hieß es in der Untersuchung. Dies könne unter anderem an vergleichsweise wenig attraktiven Konditionen liegen. Die Deutsche Bank etwa biete Studienkredite unverändert zu einem Zinssatz von 8,9 Prozent an.

Die Zinsen in der Eurozone sind derzeit auf einem historischen Tief. Im Kampf gegen die Schuldenkrise hatte die Europäische Zentralbank (EZB) das Zinsniveau massiv gesenkt, um der Wirtschaft Schub zu geben. An dem Leitzins orientieren sich unter anderem die Zinsen für Sparer, aber teils auch für Kreditnehmer.

Trotz den verlockenden Konditionen sollten Interessierte weiter genau prüfen, ob die angebotenen Bedingungen zu den individuellen Bedürfnissen passen und das Kleingedruckte sehr sorgfältig lesen. Denn ein Studienkredit ist auch immer ein Verschuldungsrisiko. Schließlich muss der Bank jeden Cent plus Zinsen zurückgezahlt werden, während beim Bafög die Hälfte der Schulden erlassen wird.

Fünf Tipps für den Studienkredit:

  • Bedarf kalkulieren: Ist die Aufnahme eines Darlehens überhaupt notwendig? Dafür sollten erwartbare Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt werden. Es sollte klar sein, dass alle Möglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverpflichtung ausgeschöpft sind (Jobben, Stipendien, Bafög, Unterstützung durch die Eltern).

  • Anforderungen klären: Entscheidend ist nicht unbedingt der günstige Zinssatz. Die unterschiedlich ausgestalteten Kreditangebote sind für verschiedene "Studierendentypen" auch unterschiedlich attraktiv. Wer beispielsweise besonderen Wert auf Flexibilität oder Förderung beim Auslandsstudium legt, muss eventuell höhere Kosten in Kauf nehmen.

  • Angebote vergleichen: Es gilt herauszufinden, welche Angebote den individuellen Anforderungen genügen. Bedeutet: Welche Anbieter verfügen über eine gute Bewertung? Gibt es K.-o.-Kriterium wie etwa Altersgrenzen? Eventuell macht es Sinn, weitere Informationen zu besorgen. Gute Zinssätze sollten durch einen festen Zinssatz festgeschrieben werden.

  • Anbieter kontaktieren: Im letzten Schritt sollte man sich von den Anbietern ein konkretes verbindliches Angebot erstellen lassen. Im Beratungsgespräch können weitere Details geklärt werden. Vielleicht sind im persönlichen Gespräch auch flexiblere Lösungen möglich.

  • Zeit nehmen: Für die Suche nach dem richtigen Kredit sollte man sich Zeit nehmen: Zwei bis drei Monate dauert es mitunter bis zu einem Abschluss. Auch ist es ratsam, sich von einer unabhängigen Stelle noch einmal beraten beraten zu lassen - und nie spontan unterschreiben.

So klappt das mit dem Bafög-Amt

jon/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Der talentierte Nachwuchs....
Gerixxx 11.06.2013
Zitat von sysopCorbisKein Stipendium, kein Job und die Eltern geben auch kein Geld mehr? Helfen können da Kredite für Studenten, die laut einer neuen Studie so billig sind wie nie. Am günstigsten verleiht der Staat - allerdings mit Risiken und Nebenwirkungen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studienkredit-vergleich-zu-zinsen-des-che-a-904991.html
...aus nicht vermögenden Schichten muss nicht nur mit seiner schlechteren materiellen Ausgangsposition kämpfen - sondern wird zusätzlich dadurch bestraft, dass er zum Lebensstart verschuldet ist und Zinsen zahlen muss... ...und wer bekommt die Zinsen ? Natürlich letztendlich die Vermögensbesitzer die mit an den Start gehen und dieses Geld zur Verfügung stellen........ Absurd. Statt, dass wir den Talentepool unseres Landes fördern und maximalen Gewinn für uns alle draus zu ziehen, schaffen wir Hindernisse unf verteilen um in die falsche Richtung. Auch aus der Sicht des Einzelnen lohnen sich Studienkredite nur in Staaten, wo nach dem Studium ein sicherer Arbeitsplatz mit weit überdurchschnittlichem Einkommen folgt. In Ländern wie D, wo ein duales Bildungssystem in der Vergangenheit auch ohne Studiem gute Qualifikation und Berufsaussichten verschaffte und die Einkommensspreizung nicht so krass, wie zum Beispiel in Amerika ist, ist dies nicht unbedingt der Fall. Aber wir sind da auf gutem Wege...
2. Studienkredite über gemeinnützige Vereine...
Floyd14 28.10.2014
...sind oft günstiger und flexibler als bei Privatbanken. Bevor man sein Studium über eine bank finanziert, sollte man sich immer erst über die Alternativen erkundigen. In einigen Bundesländern gibt es Studentische Darlehnskassen, die gemeinnützig und im Sinne der Studierenden handeln. Auch wenn die Zinsen jetzt niedrig sind, können sie in der Rückzahlungsphase wieder steigen. Daher sind feste Konditionen immer besser für die Planungssicherheit.
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Rang Standort Ausgaben für Miete*
1 Köln 359
2 München 358
3 Hamburg (ohne Uni Hamburg) 351
4 Düsseldorf 338
5 Frankfurt-a.M. 337
6 Mainz 327
7 Konstanz 327
8 Darmstadt 322
9 Berlin 321
10 Wuppertal 318
11 Heidelberg 314
12 Ulm 313
13 Duisburg 311
14 Bonn 309
15 Bremen 308
16 Freiburg 307
17 Stuttgart 306
18 Münster 305
19 Tübingen 304
20 Aachen 304
21 Mannheim 302
22 Braunschweig 302
23 Potsdam 301
24 Karlsruhe 300
25 Hannover 299
26 Regensburg 295
27 Marburg 294
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung

...und die Plätze 28 bis 54
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
28 Oldenburg 292
29 Bochum 290
30 Kiel 290
31 Siegen 289
32 Augsburg 289
33 Trier 289
34 Saarbrücken 288
35 Passau 288
36 Bamberg 286
37 Rostock 282
38 Greifswald 281
39 Osnabrück 280
40 Gießen 279
41 Göttingen 277
42 Würzburg 277
43 Kassel 277
44 Bayreuth 275
45 Bielefeld 274
46 Kaiserslautern 268
47 Hildesheim 262
48 Jena 260
49 Magdeburg 253
50 Leipzig 251
51 Halle 249
52 Erfurt 248
53 Dresden 247
54 Chemnitz 211
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung