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Studienplatz-Chaos: Es sind noch Plätze frei

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Erstsemester an der Uni Kassel: Hallo, ich will hier rein! Zur Großansicht
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Erstsemester an der Uni Kassel: Hallo, ich will hier rein!

Die Bewerbungsfrist für NC-Fächer endet, mehr Studienanfänger als je zuvor bangen um die Zusage für ihre Wunsch-Uni. Doch auch bei einer Absage gibt es noch Chancen.

In den kommenden Tagen und Wochen werden bundesweit Abiturienten mit zittrigen Fingern den Umschlag der Traum-Uni aus dem Briefkasten fischen. An diesem Montag endet die Frist für Bewerbungen für zulassungsbeschränkte Fächer - und es sieht düster aus.

Denn es gibt mehr Studienbewerber als je zuvor. In Nordrhein-Westfalen und Hessen haben Doppeljahrgänge das Abitur abgelegt. Im letzten Jahr machten in Berlin und Baden-Württemberg zwei Jahrgänge Abitur, von denen sich einige nach einem Überbrückungsjahr nun ebenfalls bewerben dürften. "In diesem Jahr ist noch mal mit 63.000 Studienbewerbern mehr als im letzten Jahr zu rechnen", sagt Petra Ruthven-Murray von der Studienberatung Plan Z in Berlin. Im vergangenen Jahr starteten 764.888 Studenten im ersten Fachsemester. "Es wird richtig eng."

Das macht sich bemerkbar: An der Universität Köln ist kein Fach mehr frei zugänglich. An den drei Berliner Universitäten sind laut Hochschulkompass von 179 Studiengängen nur noch zehn Fächer ohne NC zu haben. Wie hoch der Numerus clausus jeweils ist, lässt sich im Voraus nicht sagen, denn er wird jedes Jahr neu berechnet, je nach Zahl der Bewerbungen und Studienplätze. Deshalb ist die Ungewissheit in jedem Semester wieder groß: Hab ich's noch geschafft - oder war mein Abi um eine Kommastelle zu schlecht?

Einen Anhaltspunkt geben die NC-Werte der vergangenen Semester. Wer etwa im Wintersemester 2012/2013 Betriebswirtschaft an der FH Dortmund studieren wollte, brauchte dafür einen Abiturdurchschnitt von mindestens 2,0. Für Erziehungswissenschaft an der FU Berlin bewarben sich 1480 Interessierte auf 89 Plätze, daraus ergab sich ein nötiger Abi-Schnitt von 1,8. Kommunikationswissenschaft konnte man an der LMU München mit einem Abi von 1,7 wählen, Psychologie in Jena konnten nur Bewerber mit dem Schnitt 1,2 belegen.

Doch auch wer Ablehnungen kassiert, muss den Kopf nicht hängen lassen. Eine gewisse Chance besteht trotzdem noch, den Studienplatz an der Wunsch-Uni zu bekommen. Der UniSPIEGEL zeigt die Schlupflöcher im Vergabechaos:

  • Jedes Jahr bleiben Tausende Studienplätze unbesetzt. Da Mehrfachbewerbungen möglich sind, erhalten gute Bewerber mehrfache Zusagen. Die nicht angenommenen Plätze werden zunächst unter den Bewerbern in Nachrückverfahren vergeben. Was dann immer noch frei ist, wird verlost - ohne Rücksicht auf den NC, sagt Studienberaterin Ruthven-Murray. Die Termine legen die Hochschulen fest, viele Plätze werden noch kurz vor Beginn des Semesters, also im Oktober, vergeben. Wer an Nachrück- und Losverfahren teilnehmen will, muss sich zusätzlich zur fristgerechten Bewerbung gesondert anmelden, manchmal reicht dafür eine Postkarte, oder es gibt ein Onlineformular. Die meisten Hochschulen melden ihre freien Plätze bei der Plattform Freie-Studienplaetze.de.

  • Schnell noch in weniger klassischen Studentenstädten bewerben. Wer sich nur an Traditionsunis und in Großstädten bewirbt und dort auf Nachrückverfahren hofft, hat mit einem mittelmäßigen Abi schlechte Karten. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin wird es aufgrund der Doppeljahrgänge voll werden. In Ostdeutschland hingegen sind die Bewerberzahlen und NCs generell niedriger.

  • Für Minderjährige werden in einigen Bundesländern Studienplätze freigehalten. In Berlin werden bei Bedarf fünf Prozent der Studienplätze eines Studiengangs für Jugendliche freigehalten, die noch keine 18 Jahre alt sind und im Einzugsgebiet bei den Eltern wohnen. In Nordrhein-Westfalen sind es zwei Prozent der Plätze.

  • In einigen Fällen können Studenten ein verwandtes Fach belegen und auf einen Fachrichtungswechsel hoffen. Die Leistungen im Ersatzfach müssen aber vom Prüfungsamt auch für das eigentlich gewünschte Fach anerkannt werden, um in ein höheres Semester eingestuft zu werden. Bewerber sollten sich also genau informieren, ob der Fachwechsel überhaupt möglich ist. Manchmal bietet es sich an, das gewünschte Fach zunächst als Nebenfach zu belegen und dann ins Hauptfach zu wechseln.

  • Wer ein halbes Jahr Zeit hat, kann sich zum Sommersemester bewerben. Etwa 80 Bachelor-Studiengänge bieten dies an. Ein längeres Praktikum oder soziales Jahr bringen außerdem den Vorteil eines Wartesemesters ein.

  • Schließlich kann auch eine Studienplatzklage Erfolg haben. Der Bewerber stellt dann beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag auf "Zulassung außerhalb der festgesetzten Kapazität". Die Argumentation: Die Hochschulen nutzten ihre Kapazitäten nicht optimal aus und könnten mehr Studienplätze ermöglichen. Meist lenken die Hochschulen ein. Doch Achtung: "An einigen Hochschulen und Studiengängen funktioniert das nicht mehr", warnt Studienberaterin Ruthven-Murray. Dazu gehörten alle Berliner Hochschulen, alle medizinischen Fächer, Jura in Freiburg und Heidelberg, BWL in Mannheim. Diese Unis lassen es über Jahre auf einen Prozess ankommen. Die hohen Kosten von 1500 bis 2000 Euro pro Klage fallen trotzdem an. Aufpassen muss der Kläger auch bei den Fristen. Diese sind nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich und enden oftmals gleichzeitig mit den Bewerbungsfristen des Semesters. Die Anträge müssen also eingereicht werden, bevor ein Kandidat die Absage erhalten hat. Der AStA der Wunsch-Uni berät Studierwillige darüber, wie das Verfahren dort läuft.


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1. Mein Gott!
vhe 15.07.2013
Zitat von sysopDPADie Bewerbungsfrist für NC-Fächer endet, mehr Studienanfänger als je zuvor bangen um die Zusage für ihre Wunsch-Uni. Doch auch bei einer Absage gibt es noch Chancen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studienplatzvergabe-in-nc-faechern-bei-absagen-gibt-es-noch-chancen-a-910805.html
Ihr seid Unis! Ihr seid schlau! Und macht Forschung in allem Möglichen! Das kann doch nicht so schwer sein! Jeder Abiturient schreibt 5 oder 6 Unis in seiner persönlichen Beliebtheitsreihenfolge auf, die Unis machen dasselbe mit den Studenten, das ganze wird, je nach politischem Konsens so gewichtet, dass eher die Wünsche der Studenten oder die der Unis zählen und dann wird ein Match gebildet. Ihr habt doch den ganzen Kram, mit genetischen Algorithmen, simulierter Abkühlung, Toleranzschwellenalgorithmen oder was weiss ich. Und so ein Optimierungsproblem von der Stange überfordert euch? Wofür bezahlen Typen wie ich euch eigentlich mit unseren Steuergeldern? Damit ihr euch irgendwelche Zwergen-Königreiche aufbaut und die Abiturienten im Regen stehenlasst? Kein Wunder, dass heut alles copyrighted und patentiert ist, von euch, die ihr eigentlich für die Gesellschaft forschen und Leute ausbilden solltet, kommt ja nichts mehr ausser sinnlosen Grabenkämpfen.
2. nur wenige
tonkobonko 15.07.2013
studenten lernen mathe oder physik. das meiste ist irgendein laber selbstzweck quark..
3.
plietsch 15.07.2013
Zitat von sysopDPADie Bewerbungsfrist für NC-Fächer endet, mehr Studienanfänger als je zuvor bangen um die Zusage für ihre Wunsch-Uni. Doch auch bei einer Absage gibt es noch Chancen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studienplatzvergabe-in-nc-faechern-bei-absagen-gibt-es-noch-chancen-a-910805.html
Hm, und die Bachelor-Absolventen, die einen Master anstreben, sind natürlich sorgenfrei, obwohl es nachweislich deutlich weniger Master-Plätze als Bachelor-Absolventen gibt. Teilweise schotten sich Universitäten zusätzlich mit aberwitzigen Kriterien ("Tut uns leid, Sie brauchen bei uns 46 ECTS in ökonomischen Fächern für den Master-Studiengang, da so viele bei uns im Bachelor erworben wurden. Leider haben Sie nur 44 ECTS in ihrem Studium erworben. Auflagen, wie an anderen Universitäten, gibt es bei uns nicht. (Daß für den Master gar nicht so viele ökonomische nötig sind, ist dann egal, nur der gezielt gewählte Maßstab zählt)") vor externen Bewerbern ab.
4. optional
bayern2004 15.07.2013
Das war ja schon vor zwei Jahren so!! Mir unverständlich das hier nichts passiert. Die Unis können und wollen, weil sie zu träge sind, das Problem nicht angehen. Hier muß von oberster Stelle, wenn dies möglich ist eine Entscheidung getroffen werden, sonst wird dies nichts.
5. wann...
flegelknilch 15.07.2013
... wird endlich dieser inflationäre wahnsinn gestoppt? es kann nicht sein, dass man z.b. in berlin medienbezogene studiengänge fast ausschließlich nur an privaten akademien belegen kann, während man selbst bei traditionell unterbesetzten fächern (philo, etc.) 1,x NC's braucht... des weiteren MUSS es eine gewisse quote für einheimische geben, damit nicht das überprivilegierte münchner unternehmerstöchterchen ein WG-zimmer für 400€ + bekommt, was den eltern noch billig erscheint und alle auf einmal anfangen, das als normal zu erachten! aber was regt man sich auf... es geht halt den bach runter, demnächst dürfen sicherlich auch hauptschüler studieren... ein frustrierter student
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