Deutsche Studenten in Österreich: "Oh Gott, wo bin ich hier gelandet?"

Von Pia Volk

Des derf ned sei, so fui Piefke! Beinahe jeder zehnte Student in Österreich ist Deutscher, und ab und an geraten die Gäste mit den "Ösis" aneinander. Fünf Studenten erzählen, wann sie mit den Alpenbewohnern fremdeln - und warum sie trotzdem gerne dort studieren.

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Wir Alpen-Studenten: Oh, du mein Österreich
"Deutsche raus!" und "deutschfreie Unis" stand auf den Schildern, die der Deutsche Peter Blum und seine Kommilitonen Mitte Februar durchs österreichische Salzburg trugen. Blum kommt aus Rheinland-Pfalz und sagt, seine Demo sei natürlich satirisch motiviert gewesen, Kunst im öffentlichen Raum. Doch bei aller Witzigkeit: Die Aktion habe auch einen ernsten Hintergrund.

Nicht nur wenn er im Supermarkt angemotzt werde, wenn er eine Tüte verlangt statt einem österreichisch korrekten Sackerl, spüre er die "alte Feindschaft zwischen Deutschen und Österreichern". Oft würden sich auch die Deutschen danebenbenehmen, wenn sie Einheimische von oben herab behandeln. Das könnte am Dialekt der Salzburger liegen, glaubt Blum. Der wirke eben oft "traditionell und rückständig".

An der Uni in Salzburg kommt jeder Fünfte der 18.000 Studenten aus Deutschland. In Blums Studiengang Regie und Schauspiel am Mozarteum ist das Verhältnis sogar umgekehrt: Von den 40 Studenten ist nur noch jeder Sechste Österreicher. Wie so viele Deutsche kam Blum dorthin, weil er zu Hause keinen Studienplatz in seinem Wunschfach bekam. Andere deutsche Uni-Bewerber schreckt der Massenbetrieb und die gigantische Zahl von mittlerweile 2,5 Millionen Studenten in Deutschland ab.

Die Alternative ist seit Jahren das nahe, einigermaßen deutschsprachige Ausland, Tendenz steigend: Knapp 30.000 Deutsche studierten 2011 an öffentlichen Hochschulen in Österreich, beinahe jeder zehnte Student an den Alpen-Unis kommt aus dem Norden. Vor allem Wien sowie die grenznahen Uni-Städte Salzburg und Innsbruck sind beliebt. Studiengebühren werden in Österreich zwar leidenschaftlich diskutiert, gelten bislang aber nur für Langzeitstudenten und Nicht-EU-Ausländer.

Hier erzählen fünf deutsche Studenten, wie sie im Land der lustigen Biernamen und der zuckersüßen Kräuterlimonade leben, was sie nervt und wofür sie ihre Gastgeber lieben:

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insgesamt 106 Beiträge
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1. Nicht nochmal...
studentint.s. 06.03.2013
Ich habe ganze sechs Wochen an der Uni in Klagenfurt studiert - und es war noch nie etwas so erlösend wie die Nachrücker-Zusage von einer deutschen Uni! Ich bin an meinem ersten Abend auf die Dachterasse meines Studentenwohnheims und wurde direkt von den Österreichern ausgegrenzt und zu den Erasmus-Studenten abgeschoben. Kein einziger deutscher Student war früher als nötig für das neue Semester an die Uni gekommen... Ob das ein Zeichen war? Die Erasmus-Studenten waren total herzlich zu mir - und kannten das Problem, das mich in meinen ersten Stunden schon überrollte: Diskriminierung... Sehr schade eigentlich - Klagenfurt am Wörthersee ist traumhaft schön, aber mehr als ein paar Tage Urlaub möchte ich dort nicht wieder verbringen... (Meine subjektive Erfahrung... Ich hoffe, dass es vielen vielen anderen nicht so ergeht/ergangen ist!!!)
2. Unser Bildungssystem ist einfach kaputt
spyro 06.03.2013
Anders kann man es nicht mehr ausdrücken. Eine Bekannte von mir z.B. (ein ASS in Biologie) durfte ihr Fach nicht in Deutschland studieren, weil sie in Mathematik nicht sehr gut war. Da der NC als absolut nichtssagender Durchschnitt quer über alle Fächer offenbar das einzige Kriterium ist, das die meisten Unis interessiert war's das mit Deutschland (Mathematik hätte sie übrigens studieren dürfen). Dieses Land verschenkt unglaublich viel Potential durch absolut bescheuerte Gesetze und dem unglaublich schädlichen Bildungsföderalismus. Das ist alles seit vielen Jahrzehnten bekannt und wird sich dennoch nicht ändern. Deutschland sollte Österreich eine Ausgleichszahlung bieten damit weiterhin Deutsche dort studieren können.
3.
lichterlträger 06.03.2013
An der uni klagenfurt ging es mir genauso und das obwohl ich aus österreich komme, halt nur nicht aus kärnten. Was mir aber oft aufgefallen ist sind die gruppen von deutschen, die einen als österreicher prinzipiell aus ihrem freundeskreis ausschließen und lieber unter sich bleiben wollen. Es gibt wohl beides...
4. ...das nahe, einigermaßen deutschsprachige Ausland...
projektraum 06.03.2013
also- bei derartigen popeligen Ansagen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Ösis zu motzen beginnen- und: mit der Reise in ein anderes Land sollte man sich (schlauerweise u. höflichkeitshalber) sehr wohl den dortigen (sprachlichen) Eigenheiten anpassen- auch deutsche Mitbürger. und: "fui" kommt eigtl von "voll" > vui
5. Studium in Wien
buchlein 06.03.2013
Ich kann jedem nur empfehlen nach Österreich zu gehen. Wien ist eine richtige Weltstadt, was ich so nur mit Vancouver, Boston oder San Francisco vergleichen wuerde. Ich habe das Gefuehl Wien haette die Kultur erfunden. Die Leute kann man nur lieben, die Österreicher die ich getroffen habe waren herzlich, freundlich, lustig und fuer ihr Bundesland auch dialektisch eigen. Die Verkehrsmittel in Wien sind super genial, wie es sich fuer eine Grossstadt gehoert. Mit einem 3-Monatsticket fuer 128 Euro kann man die Tram, die Bahn, die Busse sowie die Metro benützen. Ein Auto braucht man eigentlich nicht. Lediglich die Wohnungssuche gestaltet sich in Wien ein wenig schwierig. Das ist das einzige Manko.
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