Plakatwettbewerb: Legasthenie? Ist relativ
Schön behindert studieren? Designstudenten haben sich mit Spaß auf den Auftrag des Studentenwerks gestürzt: "Vorurteile entlarven, Barrieren sichtbar machen". Entstanden sind Poster, die den Blick für die Probleme benachteiligter Kommilitonen schärfen. SPIEGEL ONLINE zeigt die besten.
In den Hörsaal kommt man nicht mit dem Rollstuhl, die Ventilatoren brummen lauter als die Stimme des Professors, ein Pflichtkurs überschneidet sich mit dem Termin für die Dialyse... Behinderte oder chronisch kranke Studenten müssen an den Hochschulen Hürden überwinden, die andere Menschen meist gar nicht wahrnehmen.
Macht diese Hürden sichtbar!, forderte das Deutsche Studentenwerk Designstudenten für seinen Plakatwettbewerb 2012 auf. Und zwar nicht nur die baulichen und institutionellen Barrieren, sondern auch die in den Köpfen von Dozenten und Studenten. Mit ihren Entwürfe sollten die Teilnehmer außerdem Vorurteile entlarven oder zeigen, wie behinderte oder chronisch kranke Menschen das Studium bereichern.
"Hört und seht euch an eurer Hochschule um. Versucht, den Hochschulalltag aus der Perspektive von Menschen wahrzunehmen, deren Erfahrungen ganz andere sind als eure eigenen", lautete der Auftrag. 230 junge Designer machten bei dem Wettbewerb mit. Eine Jury wählte sechs Plakate aus.
"Ich heiße Juli und will später mal studieren"
Den ersten Platz machte Gulnara Petzold von der Universität der Künste Berlin. Sie bekommt 2000 Euro für ihr deutsch-englisches Wortspiel "If your mind's eye is blind you'll stay behindert". Den Spruch pinselte sie mit gelber, grüner und blauer Plakatfarbe vor einen roten Hintergrund.
Den zweiten Platz teilen sich eine Potsdamer und eine Düsseldorfer Studentin. Monique Dumrese von der FH Düsseldorf bat ihre kleine Schwester Juli, etwas zum Thema Studieren mit Behinderung zu malen. Die Achtjährige zeichnete ein blondes, breit lachendes Mädchen im Rollstuhl. Über ihrem Bild steht der Satz "Ich heiße Juli und will später mal studieren".
Die Studenten beschäftigten sich für den Wettbewerb mit vielen verschiedenen Arten von Einschränkungen, zum Beispiel mit Legasthenie und psychischen Erkrankungen. "Wir hatten gehofft, dass wir nicht lauter Rollifahrerbilder haben", sagte Carolin Würthner vom Deutschen Studentenwerk. "Die große Bandbreite finden wir super."
son
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