Test für Hochbegabte: Knobel dich zum Stipendiaten!

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Studieren ohne Geldsorgen, dazu noch erstklassige Betreuung: Für Studenten meist bloß ein Traum, denn Stipendien sind rar. Jetzt krempelt die Studienstiftung des deutschen Volkes ihr Bewerbungsverfahren um. SPIEGEL ONLINE zeigt, was die Kandidaten können müssen - dieser Test hat's in sich.

Begabungstest: Schmeiß Hirn vom Himmel Fotos
Corbis

Oft hängt die eigene Karriere von Lehrern und Professoren ab, von Mentoren und Ratgebern. Wenn der Mathelehrer nur staubtrockene Zahlenhuberei betreibt, fällt es schwer, eine Leidenschaft für das Fach zu entwickeln. Wenn der Professor nur selbstverliebt von seinem neuen Buch schwärmt, fühlt man sich mit der Klausurvorbereitung ziemlich alleingelassen.

Doch nicht nur inhaltlich prägen Lehrer und Professoren das eigene Fortkommen - manchmal beeinflussen sie den akademischen Erfolg auch finanziell: immer dann, wenn Studenten ein Empfehlungsschreiben brauchen oder vorgeschlagen werden müssen für ein Stipendium.

Besonders strikt handhabt das bis dato die Studienstiftung des deutschen Volkes, das älteste und größte Begabtenförderungswerk im Lande und zugleich der Platzhirsch. Mehr als 80 Jahre lang hatte nur der- oder diejenige eine Chance aufgenommen zu werden, wer von einem Lehrer, Schulleiter oder Professor vorgeschlagen wurde. Lediglich etwa jeder 200. Student schafft den Sprung in den erlauchten Kreis und bekommt 80 Euro Büchergeld (bald sollen es 300 Euro sein) und bis zu 585 Euro pro Monat obendrauf - je nach Einkommen der Eltern.

Es ist der Traum vieler Studenten: eine intensive Betreuung und Beratung zu erhalten, wie es sie an der Massenuniversität kaum gibt. Ein Netzwerk mit anderen Stipendiaten und mit Dozenten zu knüpfen. Sich ganz auf Seminare, Hausarbeiten, Klausuren und Referate konzentrieren zu können, ohne Nebenjob und ohne Schuldenberg nach dem Studium.

Für ein paar mehr angehende Akademiker könnte sich der Traum jetzt erfüllen.

Beinharter Test, selbst für Superhirne

Denn die Studienstiftung hat ihr Aufnahmeverfahren erweitert. Bisher wurden die Kandidaten jeweils zur Hälfte von Lehrern und von Professoren vorgeschlagen. Seit diesem Jahr können sich Erst- und Zweitsemester selbst bewerben, ganz ohne Empfehlung. Zum Habitus der Studienstiftler gehört ein zurückhaltendes Auftreten, zu markigen Worten neigt man dort eher nicht. Aber als Stiftungspräsident Gerhard Roth den Kurswechsel verkündete, sprach er von einer "kleinen Revolution".

Die Neuerung ist für die Studienstiftung auch ein Versuch, "besonders Studierende aus bildungsfernem Elternhaus zur Bewerbung zu ermutigen", sagte Generalsekretär Gerhard Teufel. Das bedeutet aber nicht, dass der Anspruch geringer wird. Von ihren Bewerbern erwartet die Stiftung weiter "Leistungsstärke, breite Interessen, eine tolerante Persönlichkeit und soziale Verantwortung".

Die Hürden bleiben hoch - das zeigt der Test zur Selbstbewerbung. Statt Wissen werden Kombinationsgabe, Erinnerungsvermögen, Intuition geprüft. Wer zum Beispiel kein räumliches Vorstellungsvermögen hat, der ist ähnlich schlecht dran wie jemand, dem partout nicht auffällt, dass sich "Bein" zu "Stuhl" verhält wie "Daumen" zu "Hand". Auch die Flussdiagramme oder Textanalysen enthalten harte Nüsse. SPIEGEL ONLINE präsentiert 13 knifflige Beispielaufgaben in einem Quiz.

Auf das Schaulaufen kommt es an

Tausend Bewerber haben sich schon zum Test angemeldet, der im April in mehreren großen Städten läuft. Die Besten werden danach zum Auswahlseminar eingeladen und müssen auch im persönlichen Gespräch überzeugen. Mehr als 10.000 Studenten fördert die Studienstiftung derzeit insgesamt - aber daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer Stipendiengeber.

Zunächst sind da die zehn weiteren Begabtenförderungswerke, finanziert aus staatlichen Mitteln und getragen von Stiftungen der Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitgeber. Bei der Auswahl legen sie ähnliche Leistungskriterien an und erwarten zusätzlich je nach Ausrichtung eine gewisse weltanschauliche Nähe der Stipendiaten. Hinzu kommen zahlreiche private Stiftungen. Der Bundesverband deutscher Stiftungen kennt gut 1500 Stipendiengeber, kleine wie große.

Fast alle haben gemein: Das Schaulaufen muss gelingen - ohne überzeugenden Auftritt im Test oder Vorstellungsgespräch geht nichts.

Sieben Schritte zum Stipendium
Tipps zum Schaulaufen
"Eine Vorbereitung auf das Auswahlverfahren ist weder möglich noch gewollt", heißt es bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Das muss man ja nicht so sehen. Hier sieben Ratschläge, wie man den Weg zum Stipendium etwas entspannter angehen kann und beim Auswahlseminar eine gute Figur macht.
1. Das Referatsthema
Im Extremfall sitzen in der Diskussionsgruppe sechs Personen aus sechs verschiedenen Studiengängen. Deshalb: unbedingt ein Thema wählen, das auch für Laien verständlich ist und zu dem jeder etwas beitragen kann. Nichts ist schlimmer als eine Debatte, bei der nach fünf Minuten niemand mehr weiß, was er sagen soll.
2. Die Gruppendiskussion
Jedes Referat nur ein Sechstel der Gesamtpunktzahl in der Gruppe ausmacht, da sind die fünf weiteren Gruppendiskussionen von großer Bedeutung. Grundregel für das eigene Gesprächsverhalten: höflich, aber bestimmt. Und wenn's wirklich sein muss, auch mal einen anderen Teilnehmer unterbrechen. Wer nur da sitzt und höflich nickt, wird die Prüfer nicht von seiner Person überzeugen.
3. Aktuelle Themen
Sowohl in den Einzelgesprächen als auch in den Referaten geht es häufig um aktuelle Fragen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Regelmäßige Zeitungslektüre und die Bildung eines eigenen Standpunkts zu den wichtigsten Themen schaden als Vorbereitung ganz sicher nicht.
4. Lebenslauf
Die meisten Prüfer orientieren sich während der Einzelgespräche vor allem am vorher eingereichten Lebenslauf. Daher: Genau überlegen, welche Angaben man dort macht - und was mögliche Fragen dazu sein könnten!
5. Pannen können passieren
Niemand ist perfekt, und keiner sollte deshalb versuchen, so zu tun, als wäre er's. Auf eine Frage im Gespräch keine Antwort zu wissen, ist noch keine Schande, wenn man das zugeben und dafür bei anderen Themen punkten kann.
6. Organisation
Der Zeit- und Raumschlüssel, nach dem die Gespräche festgelegt werden, ist eine kleine Wissenschaft für sich. Deshalb: Am besten schon am Vorabend alle Uhrzeiten und Raumnummern genau notieren, um am nächsten Tag nicht umherzuirren oder gar ein Gespräch zu verpassen.
7. Dresscode
Um kaum ein Thema wird vorher so viel Wind gemacht. Erlaubt ist, was gefällt und worin man sich wohl fühlt, solange einen die Prüfer nicht mit einem Landstreicher verwechseln. Und: Anzug und Krawatte können zu Hause bleiben, das kommt in einer Jugendherberge doch ziemlich lächerlich rüber.

Der Kreis der Stipendiaten ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, dennoch gelingt bisher nur wenigen der Sprung in die Förderung. Der Stipendiatenanteil unter allen Studenten in Deutschland liegt bei weniger als zwei Prozent. Und häufig erreicht die Förderung just die jungen Menschen aus Akademikerhaushalten - von denen ohnehin 83 Prozent studieren. Bei Arbeiterkindern sind es nur 23 Prozent.

Jeder zehnte Student soll Stipendiat werden

Ob sich an der geringen Zahl der Stipendienbezieher und der ungerechten Verteilung etwas ändert, ist völlig offen. Die Bundesregierung plant ein ehrgeiziges Modell, das "nationale Stipendienprogramm": Zehn Prozent der deutschen Studenten sollen bei besonders guten Leistungen ein Stipendium von 300 Euro pro Monat erhalten, unabhängig vom Einkommen der Eltern - das ist das mittelfristige Ziel. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview sagte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), sie halte es für gerechter, Stipendien an Leistungsträger zu vergeben, als das Bafög kräftig zu erhöhen. Opposition und Gewerkschaften sehen das ganz anders, aber Schwarz-Gelb hält an den Plänen fest.

Ob das Projekt gelingt und ob genügend Geld zusammenkommt, auch das weiß niemand - denn Bund und Länder wollen nur die Hälfte des Geldes beisteuern, die andere Hälfte soll von privaten Förderern kommen. In Nordrhein-Westfalen erprobt das schon Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Der Start geriet jedoch eher holprig. Wenn man sie mal braucht, beteiligen sich Unternehmen, die oft sonst beherzt über lange Studienzeiten schimpfen und mehr Tempo an den Hochschulen fordern, eher ungern mit Geld.

Wer sich auf die Politik lieber nicht verlassen will, kann schon mal trainieren für Aufnahmetests zur Begabtenförderung:

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